
Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass diese beiden Staaten der Motor der Europäischen Union (damals noch EWG) gewesen waren. Der strategische Fehler, der sich jetzt bitter rächt, war, sie ausschliesslich auf wirtschaftliche Fundamente aufzubauen. Deutschland und zum Teil Italien waren an einem grösseren Markt für ihre industriellen Güter, Frankreich und die Beneluxstaaten an Agrarsubventionen und Abschottung von nicht EU Importen interessiert. Im Kern hat sich daran nicht viel geändert, nur sind mehr Länder in diese zwei Lager aufgenommen worden. Mit Klauen und Zähnen verhindern sie alles, was diesen status quo gefährden könnte. Die wenigen Rufer in der Wüste nach mehr Demokratie bleiben ungehört.
Mit geschickten Manipulationen der Öffentlichkeit haben es die Regierungen der beiden Gründungsmitglieder geschafft, die Bevölkerung auf Ausländerfeindlichkeit zu trimmen, um nicht als Bremser dazustehen. 100.000 legale/illegale Einwanderer jährlich wird als Apocalypse dagestellt. Das ist in etwa die Monatsration von Illegalen, die die mexikanisch U.S amerikanische Grenze überschreiten.
"Angst essen Seele auf" ist ein beliebtes Werkzeug, um etwas zu erreichen, ohne sich die Hände schmutzig zu machen.

Die Nachricht vermittelt ein falsches Bild von der Lage in Frankreich. Auf der Homepage des Umfrageinstituts SOFRES findet man die Studie, von der diese anscheinend erschreckenden Zahlen stammen:
http://2007.tns-sofres.com/etude.php?id=209
Hier findet sich ein Vergleich mit den Ergebnisse ähnlicher Umfragen seit 2000. In der Tat gibt es in keiner Rubrik Hinweise, die die Nachricht vom "Rechtsruck" bestätigen würde. Im Gegenteil: "statt immer mehr Franzosen" ist gegenüber der Umfrage aus dem Jahr 2005 die Zahl derjenigen, die den Aussagen Le Pens teilweise oder vollständig zustimmen, eher rückläufig!
Richtig ist, die Zahlen sind beunruhigend - insbesondere mit Blick auf die Einstellung der Franzosen zur Europäischen Union und zur Einwanderung. Richtig ist aber auch: Sie sind schon seit Jahren beunruhigend.
Außerdem werden etliche Forderungen Le Pens in abgewandelter Weise durch den voraussichtlichen Präsidentschaftskandidaten der UMP, Sarkozy, vertreten, vor allem in der Innen- und Einwanderungspolitik. Da erwächst den Lepenisten inzwischen gefährliche Konkurrenz.

Es ist schon interessant, dass niemand -auch in Deutschland- ein Interesse an einer Objektivierung des Phänomens "Zuwanderung" hat.
Fakt ist, dass alle Industrienationen aufgrund der demographischen Entwicklung auf Zuwanderung angewiesen sind.
Die Frage ist also nur, ob die Zuwanderung richtig gesteuert wird.
Hierzu wäre es interessant zu wissen,
- wie viele Zuwanderer leben wie lange von Sozialhilfe
- wie viele Zuwanderer werden straffällig