Vereinigte Staaten

Powell tritt zurück

Powell sagt Bush goodbye

Powell sagt Bush goodbye

15. November 2004 Knapp zwei Wochen nach der Wiederwahl des Präsidenten George W. Bush hat der amerikanische Außenminister Colin Powell seinen Rücktritt eingereicht. Ein Nachfolger wurde zunächst noch nicht benannt. Das bestätigte das Präsidialamt in Washington.

Powell habe Präsident George W. Bush sein Rücktrittsgesuch bereits am Freitag übermittelt. Er werde im Amt bleiben, bis ein Nachfolger gefunden ist, hieß es. Als Nachfolger sind unter anderem die nationale Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice, die ranghohen Regierungsbeamten zufolge die eindeutige Favoritin ist, und der amerikanische Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Danforth, im Gespräch.

Rückzug ins Privatleben

Wird Condoleezza Rice Powells Nachfolgerin?

Wird Condoleezza Rice Powells Nachfolgerin?

Powell sagte zu Journalisten, er habe über seinen Rückzug bereits in den letzten Wochen und Monaten mit Bush gesprochen. „Ich haben dem Präsidenten immer zu verstehen gegeben, daß ich eine Amtszeit machen werde“, sagte er kurz nachdem das Weiße Haus seinen Schritt offiziell bekanntgegeben hatte. „Jetzt, da die Wahl vorüber ist, ist die Zeit für mich gekommen zurückzutreten“, hieß es in dem Rücktrittsschreiben Powells an den Präsidenten vom Freitag, den das Weiße Haus veröffentlichte.

Er freue sich, einer Mannschaft angehört zu haben, die den Krieg gegen den Terror angestoßen und das afghanische und das irakische Volk befreit habe, schrieb der frühere Generalstabschef. Er plane, sich nun ins Privatleben zurückzuziehen.

Weitere Rücktritte

Powell galt in der amerikanischen Regierung als gemäßigte Stimme und geriet oft mit Hardlinern wie Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Vizepräsident Richard Cheney aneinander. Sein Einfluß im Kabinett galt daher als begrenzt. In Washington war bereits seit längerem spekuliert worden, daß Powell amtsmüde sei und keine zweite Amtszeit übernehmen wolle.

Das Präsidialamt bestätigte am Montag zudem, daß Landwirtschaftsministerin Ann Veneman, Energieminister Spencer Abraham und Bildungsminister Rod Paige zurückgetreten seien. Auch für diese Ämter sind bislang keine Nachfolger gefunden worden.

Powell noch bis Januar im Amt

Justizminister John Ashcroft und Handelsminister Don Evans waren bereits am vergangenen Dienstag zurückgetren. Bush ernannte seinen bisherigen Berater Alberto Gonzales zum neuen Justizminister.

Amerikas Verbindung zu den UN: John Danforth

Amerikas Verbindung zu den UN: John Danforth

Wie aus dem amerikanischen Außenministerium verlautete, erwartet Powell, bis Januar im Amt zu bleiben. Bush wird am 20. Januar für eine zweite Amtszeit vereidigt. Zunächst war nicht klar, ob Powell das Kabinett vor oder nach diesem Datum verläßt.

Fischer: Powell war ein zuverlässiger Partner

Der deutsche Außenminister Joschka Fischer (Grüne) beschrieb Powell als stets zuverlässigen Partner Deutschlands. Dafür gebühre Powell Dank, sagte Fischer am Montag in New York. „Ich wünsche ihm alles Gute.“ Die Zusammenarbeit mit Powell sei „nicht nur von Professionalität, sondern auch von Freundschaft“ geprägt gewesen. „Selbst in schwierigsten Situationen war es immer eine sehr sachliche und sehr offene Zusammenarbeit“, sagte Fischer. Bundesvertedigungsminister Peter Struck (SPD) würdigte Powell als „einen angenehmen Gesprächspartner auch für den Bereich der Verteidigungspolitik.“

Der britische Premierminister Tony Blair würdigte Powell als einen „bemerkenswerten Mann“. „Er war über Jahre hinweg ein guter Freund dieses Landes“, hieß es in einer am Montag abend in London veröffentlichten Erklärung Blairs. Zuvor hatte schon der britische Außenminister Jack Straw seine dreieinhalb Jahre währende Zusammenarbeit mit Powell als eine „echte Freude“ bezeichnet.

Der künftige EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso äußerte die Hoffnung, daß auch Powells Nachfolger die Beziehungen zu Europa hochhalten werde. Dies sei im Interesse der ganzen Welt. UN-Generalsekretär Kofi Annan sprach von einer „sehr herzlichen“ und „produktiven“ Beziehung zu Powell, der gleichwohl die Berechtigung der Vereinigten Staaten, auch ohne UN-Mandat im Irak einzumarschieren, propagiert hatte.

Text: FAZ.NET mit Material von AP, AFP, Reuters und dpa
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb, REUTERS

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