12. Januar 2006 Moskau ist dieser Tage auf vorsichtige Distanz zu iranischen Plänen gegangen, Forschungen zur Urananreicherung wiederaufzunehmen. Außenminister Lawrow sagte am Donnerstag im Radiosender Echo Moskwy, Iran habe zwar das Recht, den gesamten atomaren Kreislauf zu beherrschen. Doch die iranischen Pläne verstärkten den Verdacht, daß das iranische Atomprogramm einen versteckten militärischen Aspekt haben könne. Hinter der iranischen Entscheidung stünden weder wirtschaftliche Logik noch wirkliche praktische Notwendigkeit. Moskau werde sich bemühen, Iran davon zu überzeugen, sich wieder an den Stopp des Atomprogramms zu halten.
Moskau, das die zivile Nutzung der Atomenergie in Iran unterstützt und als Anbieter für den Bau weiterer Atomanlagen nach der Fertigstellung des Reaktors in Buschir im Gespräch ist, verspricht sich von dieser Zusammenarbeit große wirtschaftliche Vorteile sowie politischen Einfluß. Auch vor diesem Hintergrund hatte sich Moskau dagegen ausgesprochen, den Sicherheitsrat mit dem Streit über Irans Atomprogramm zu befassen.
Die Dinge entwickelten sich nach keinem guten Szenario, sagte nun auch Verteidigungsminister Sergej Iwanow. Es sei aber noch nicht entschieden, wie Rußland sich in der Angelegenheit im Sicherheitsrat verhalten werde. Der Chef des staatlichen russischen Atomunternehmens, das den Reaktor im iranischen Buschir errichtet, Sergej Kirijenko, sagte unterdessen, Moskaus Vorschlag, ein russisch-iranisches Gemeinschaftsunternehmen mit dem Ziel zu bilden, die Urananreicherung auf russischem Gebiet und unter russischer Führung vorzunehmen, sei noch immer im Spiel. Verhandlungen darüber waren aber erst am Wochenende gescheitert.
Text: M.L., F.A.Z., 13.01.2006, Nr. 11 / Seite 2
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