Heftige Kämpfe in Ostkongo

UN-Soldaten greifen Rebellen an

Von Thomas Scheen, Johannesburg

29. Oktober 2008 Im Osten Kongos haben UN-Soldaten am Dienstagabend mit Kampfhubschraubern Stellungen des Rebellengenerals Laurent Nkunda beschossen. Der Einsatz habe die Rebellen an einem weiteren Vormarsch auf die Provinzhauptstadt Goma gehindert, sagte eine Sprecherin der UN-Truppe in Kongo (Monuc). Derzeit stünden die Kämpfer Nkundas rund 30 Kilometer nördlich von Goma in der Ortschaft Kibumba. Am Mittwoch wurden jedoch schwere Gefechte zwischen den Rebellen und der regulären kongolesischen Armee aus Kibumba gemeldet.

Mehre zehntausend Menschen seien inzwischen auf der Flucht. Gleichzeitig trat Monuc Gerüchten entgegen, Nkunda habe die weiter nördlich an der Grenze zu Uganda gelegene Stadt Rutshuru eingenommen, nachdem die kongolesische Armee diese fluchtartig verlassen habe. „Wir sind in Rutshuru und wir bleiben dort“, sagte ein Monuc-Sprecher in Goma.

„Werden alles tun, um die Stadt zu verteidigen“

Monuc-Chef Alan Doss bekräftigte unterdessen die Bereitschaft der Blauhelme, die Provinzhauptstadt Goma zu verteidigen. „Wir werden alles tun, was nötig ist, um die Stadt zu verteidigen und eine humanitäre Katastrophe zu verhindern“, sagte Doss in Kinshasa. Die Lage im Osten Kongos bezeichnete er als „sehr instabil“. Nkunda hatte angekündigt, Goma in den „kommenden zwei oder drei Tagen“ einnehmen zu wollen. Im Sommer 2004 war ihm das mit Bukavu, der Hauptstadt der Provinz Südkivu, trotz massiver Präsenz von Blauhelmsoldaten gelungen.

Der UN-Sicherheitsrat hatte am Dienstagabend die Forderung von Monuc nach mehr Soldaten zur Kenntnis genommen, aber keinen entsprechenden Beschluss gefasst. Monuc ist mit 17 000 Soldaten die derzeit größte UN-Mission der Welt. Aber nur 6000 Soldaten sind in Ostkongo stationiert. Doss hatte in New York um zwei zusätzliche Bataillone leichter Infanterie, Kommandosoldaten sowie mehr Polizisten gebeten, um Nkunda zur Aufgabe zu zwingen.

Kabila fordert multinationale Eingreiftruppe

Der kongolesische Präsident Kabila forderte derweil eine multinationale Eingreiftruppe zur Unterstützung der UN-Mission in Kongo. Eine solche Truppe unter französischer Führung hatte 2003 in der weiter nördlich gelegenen Region Ituri den Krieg zwischen den Volksgruppen der Hema und Lendu beendet, nachdem Monuc damit überfordert gewesen war.

Am Dienstag hatte Kabila zudem einen Emissär in das Nachbarland Ruanda geschickt, um Präsident Kagame zu einem Treffen zu bewegen. Ruanda gilt als maßgeblicher Unterstützer Nkundas, der vorgibt, für die Minderheit der Tutsis in Kongo zu kämpfen. Kagame aber lehnte ein Treffen mit dem Hinweis ab, Kongo solle erst seiner Verpflichtung nachkommen und gegen die des Völkermords in Ruanda 1994 beschuldigten und seither in Ostkongo lebenden Hutu-Milizen vorzugehen. Nkunda lehnt eine Entwaffnung seiner Kämpfer mit dem Hinweis auf die Präsenz dieser Extremisten in Kongo ab.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.

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