26. Oktober 2005 Polens neuer Präsident Lech Kaczynski hat von der Bundesregierung einen Stopp der Planungen für ein Zentrum gegen Vertreibung in Berlin gefordert. Es wäre für die Beziehung unserer Länder das beste, wenn dieses Zentrum niemals gebaut würde, sagte Kaczynski der Bild-Zeitung (Mittwochausgabe).
Heute, 60 Jahre nach dem Krieg, brauchen wir Beziehungen, die auf Vertrauen basieren. Ich habe die große Hoffnung, daß wir dieses Problem endlich gemeinsam lösen.
Steinbach weist Kritik zurück
Von den Deutschen wünscht sich Kaczynski einen respektvolleren Umgang mit Polen. Er wäre dankbar, wenn in Deutschland zumindest einige Vorurteile über den typischen Polen verschwinden könnten.
Kaczynski wies Vorwürfe zurück, er habe mit antideutschen Parolen die Präsidentenwahl gewonnen. Er sagte: Ich bin ein Partner und ein Freund der Deutschen! Er habe nichts gegen die Deutschen. Er halte es jedoch mit Bundeskanzler Schröder (SPD), der einmal gesagt habe, es sei legitim, wenn ein deutscher Regierungschef deutsche Interessen verteidige. Dieses Recht nehme ich auch für mich und mein Land in Anspruch, sagte der Präsident.
Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach, hat indes die Kritik Kaczynskis am geplanten Zentrum gegen Vertreibung scharf zurückgewiesen. Kaczynski sei nicht in Deutschland Präsident geworden, sagte sie der Chemnitzer Freien Presse. Für die Errichtung des neuen Dokumentationszentrums in der Mitte Berlins habe die Wahl in Polen keinerlei Bedeutung.
Wunderbares Ablenkungsmanöver
Bei seiner Kritik an Deutschland und Rußland habe Kaczynski sein ganzes Selbstbewußtsein ausgespielt, über das er offenbar verfüge. Diese überzogenen nationalistischen Töne werden ihm aber in der EU nicht helfen, sagte die CDU-Politikerin.
Nach Einschätzung Steinbachs haben Kaczynski und die neue Regierung alle Hände voll zu tun, um die Versprechungen gegenüber der polnischen Bevölkerung zu erfüllen, was ihnen schwer fallen dürfte. Die Vertriebenen und Deutschland als Feindbilder seien da ein wunderbares Ablenkungsmanöver, sagte Frau Steinbach.
Sie kündigte an, die landsmannschaftliche Arbeit ihrer Organisation in Polen nach der Wahl Kaczynskis nicht einzustellen. In Warschau habe es seit Jahren eine aufgeheizte Stimmung gegen Vertriebene gegeben. Die Zusammenarbeit mit zahlreichen polnischen Bürgermeistern und Landräten sei jedoch ausgezeichnet.
Text: FAZ.NET mit Material von ddp, dpa
Bildmaterial: AP