Irak

Regierungsbildung verschoben - Tote bei Attentaten

Bagdad: Demonstration gegen Attentate auf Versorgungsanlagen

Bagdad: Demonstration gegen Attentate auf Versorgungsanlagen

25. März 2005 Unterhändler der schiitischen und kurdischen Parteien in Irak haben sich am Freitag verständigt, die für Samstag geplante Sitzung der Nationalversammlung, bei der ein neuer Regierungschef vorgeschlagen werden sollte, zu verschieben. Nach Regierungsangaben soll das Parlament jetzt am Dienstag zusammenkommen, um einen Kompromiß zur Besetzung von Schlüsselposten für die neue Regierung zu finden.

Unterdessen sind bei einer Serie von Anschlägen auf die irakischen Sicherheitskräfte wieder fast 20 Menschen getötet worden, wie die Behörden am Freitag mitteilten. Bei einem Doppelselbstmordanschlag in der südlich von Bagdad gelegenen Stadt Iskandrija auf einen Militärkonvoi und eine Polizeiwache wurden am Freitag vier Polizisten, zwei Zivilisten und ein Soldat getötet. In Bagdad wurde ein Oberst erschossen, der gerade von der Beerdigung eines Verwandten kam.

Dolmetscherinnen erschossen

Im Osten von Bagdad wurden fünf Dolmetscherinnen erschossen, die für die amerikanischen Streitkräften arbeiteten. Polizeisprecher Ahmed Abud erklärte, die Frauen seien am Donnerstagabend auf dem Weg nach Hause gewesen, als sie aus zwei Autos heraus mit Maschinengewehren beschossen worden seien.

Nahe der Stadt Ramadi hat ein Selbstmordattentäter elf irakische Soldaten mit in den Tod gerissen. 14 weitere Menschen wurden bei dem Anschlag verletzt, wie ein amerikanischer Militärsprecher am Freitag mitteilte. Im Fall der angeblichen Entführung eines Deutsch-Irakers haben die Generalbundesanwaltschaft und das Bundeskriminalamt die Ermittlungen aufgenommen.

Der Attentäter in Ramadi hatte eine Autobombe in der Nähe einer Straßenkontrolle östlich der Stadt gezündet. Bei den Verletzten handelte es sich nach offiziellen Angaben um neun irakische Sicherheitskräfte, zwei amerikanische Soldaten und drei Zivilisten.

Tote bei versehentlichem Gefecht

Im Osten der Hauptstadt Bagdad töteten bewaffnete Männer fünf Dolmetscherinnen, die für die amerikanischen Streitkräfte arbeiteten. Polizeisprecher Ahmed Abud erklärte am Freitag, die Frauen seien am Vorabend auf dem Weg nach Hause gewesen, als sie aus zwei Autos heraus mit Maschinengewehren beschossen worden seien.

Eine Gruppe irakischer Polizisten eröffnete am Donnerstag versehentlich das Feuer auf eine Einheit Soldaten. In einem zehnminütigen Gefecht wurden fünf Menschen getötet. Der Vorfall ereignete sich in der nordirakischen Stadt Rabia. Die Soldaten trugen Zivilkleidung, wie der Polizeichef der Region, Ahmed Mohammed Chalaf, mitteilte. Die Polizisten hätten sie deshalb für Aufständische gehalten.

Hunderte Mitarbeiter von Elektrizitätswerken zogen am Donnerstag durch Bagdad und forderten ein Ende der Anschläge auf Einrichtungen der öffentlichen Versorgung. Auf ein schwarzes Transparent hatten sie die Namen ihrer getöteten Kollegen geschrieben. Zur gleichen Zeit forderten in Basra im Süden des Landes mehr als 200 Arbeiter, daß der neue Minister für Verkehr und Öl aus ihrer Region kommen müsse.

Nehm ermittelt in Entführungsfall

In einem bisher rätselhaften Entführungsfall im Irak nahm Generalbundesanwalt Kai Nehm ein Ermittlungsverfahren wegen versuchter Nötigung von Verfassungsorganen auf. Sprecherin Frauke-Katrin Scheuten erklärte in Karlsruhe, mit weiteren Ermittlungen werde das Bundeskriminalamt beauftragt. Die Generalbundesanwaltschaft war nach eigenen Angaben am Dienstag auf den Fall aufmerksam geworden.

Am Mittwoch ging im Bagdader Büro des amerikanischen Magazins „Time“ ein Video ein. Der Entführte erklärt darin, er heiße Hassan al Sajdi und habe einen deutschen Paß. Seine mutmaßlichen Entführer fordern die Bundesregierung auf, alle Muslime freizulassen und ihre Sicherheitszusammenarbeit mit der „ungläubigen Regierung im Irak“ zu beenden. Berliner Regierungskreise haben bisher aber keine Anhaltspunkte, daß der Mann tatsächlich Deutscher ist.

Text: FAZ.NET mit Material von AP und Reuters
Bildmaterial: dpa/dpaweb

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