Nach Flüchtlingsdrama

Madrid schickt Soldaten in Exklaven bei Marokko

Afrikanische Immigranten lassen sich in Ceuta registrieren

Afrikanische Immigranten lassen sich in Ceuta registrieren

29. September 2005 Nach einem weiteren Ansturm afrikanischer Flüchtlinge auf zwei spanische Exklaven bei Marokko schickt Madrid jetzt Soldaten in die Gebiete. Sie sollen die überforderte Küstenwache verstärken, wie das Verteidigungsministerium mitteilte.

Bei einem Ansturm Hunderter Flüchtlinge auf die Exklave Ceuta in Marokko waren in der Nacht zum Donnerstag fünf Menschen getötet worden. Dabei seien auf spanischer Seite zwei und auf marokkanischem Gebiet drei Afrikaner zu Tode gekommen, teilte die spanische Vizeregierungschefin María Teresa Fernández de la Vega mit.

Vermutungen: Tödliche Gummigeschosse

Ein Flüchtling war nach Angaben der Polizei beim Überklettern des Zaunes verunglückt, ein zweiter nach einem Sturz von der nachfolgenden Menge zu Tode getrampelt worden. In den anderen Fällen blieben die Todesursachen unklar. De la Vega ging nicht auf Vermutungen ein, wonach einige Opfer durch Gummigeschosse der Polizei getötet wurden.

Der spanische Gesandte in Ceuta sagte, insgesamt hätten bis zu 600 Menschen versucht, mit selbstgebauten Leitern die Stacheldrahtzäune des zu Spanien gehörenden Gebiets zu überwinden.

Spanien und Marokko beraten am Donnerstag

Spanische Medien berichteten zunächst von sechs getöteten Flüchtlingen. Das konnte jedoch nicht bestätigt werden. Über die Flüchtlingskrise beriet Spaniens Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero am Donnerstag mit seinem marokkanischen Kollegen Driss Jettou in Sevilla.

Bereits in den vorangegangen beiden Nächten hatten nahezu tausend Flüchtlinge versucht, in die spanische Enklave Melilla zu gelangen. 300 von ihnen schafften es, sie wurden von den spanischen Behörden in Gewahrsam genommen. Spanien baut derzeit die Befestigungsanlagen seiner Gebiete aus, um die Flüchtlinge abzuhalten. Diese waren zum Teil monatelang unterwegs, in der Hoffnung nach Europa zu gelangen.

Die Einwanderungswilligen versuchen, die Absperrungen zu Ceuta und Melilla zu überwinden. Die spanischen Exklaven gehören zum Schengen-Raum der EU. Dort können die Einwanderungswilligen einen Asylantrag bei den spanischen Behörden stellen.

(Siehe auch: Illegale Einwanderer Spanien: Auf Leitern nach Europa)

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa/dpaweb

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Sie suchen eine günstige Unterkunft für den nächsten Urlaub? Jetzt Ferienwohnungen und Ferienhäuser finden bei Immowelt.de und FAZ.NET!

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche