Jerusalem

Mindestens sieben Tote bei Anschlag auf Priesterseminar

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06. März 2008 Nach Monaten scheinbarer Ruhe ist die Gewalt nach Jerusalem zurückgekehrt: Bei einem Anschlag auf eine jüdische Religionsschule sind nach offiziellen israelischen Angaben mindestens sieben Menschen getötet worden. Israelische Medien berichteten von 35 Verletzten. Unter den Toten befanden sich Fernsehberichten zufolge auch die beiden Attentäter. In Berlin sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD): „Ich
verurteile diesen verbrecherischen Akt auf das Schärfste.“

Die Angreifer waren nach Augenzeugenberichten in die Bibliothek eingedrungen, wo sich etwa 80 Menschen befanden, und hatten wild um sich geschossen. Hunderte Polizisten umstellten das Gelände und suchten nach Verdächtigen. Es war der erste Anschlag in Jerusalem seit über einem Jahr. Nach Bekanntwerden der Bluttat strömten in Gaza Palästinenser auf die Straße und feuerten Freudenschüsse in die Luft.

Schießerei dauerte mindestens zehn Minuten

Erste Hilfe für einen verletzten Mitstudenten

Erste Hilfe für einen verletzten Mitstudenten

Die Talmud-Schule Mercas Harav im Viertel Kirjat Mosche ist ein bekanntes religiöses Studienzentrum. Ihm werden enge Verbindungen zur Führung der jüdischen Siedler im Westjordanland nachgesagt. Wer hinter der Tat steckt, war zunächst unbekannt. Im vergangen Jahr gab es in Jerusalem keine Anschläge militanter Palästinenser. Die israelischen Sicherheitskräfte haben allerdings erklärt, viele Attentate vereitelt zu haben. Zwischen 2001 und 2004, dem Höhepunkt der israelisch-palästinensischen Kämpfe, war Jerusalem häufig der Schauplatz palästinensischer Anschläge, darunter zahlreiche Selbstmordattentate auf Busse.

Erste Berichte, wonach einer der Attentäter einen Sprengstoffgürtel trug, stellten sich als falsch heraus. Es habe sich tatsächlich um einen Munitionsgürtel gehandelt, sagte der Jerusalemer Polizeichef Schmuel Ben Rubi. Augenzeugen sagten im Fernsehen, die Schießerei habe mindestens zehn Minuten gedauert.

„Da drin ist es schrecklich“

Ein Schüler berichtete, er habe sich mit seinem Gewehr auf dem Dach eines nahegelegenen Gebäudes versteckt. Ein Angreifer mit einer automatischen Waffe sei aus der Bibliothek gekommen. „Der Terrorist kam zum Eingang und ich habe ihm zwei Mal in den Kopf geschossen“, sagte der Religionsschüler. Ein Sanitäter berichtete, der Schusswechsel habe noch angedauert, als die Rettungsdienste an der Schule eintrafen. „Wir gingen in Deckung, der Krankenwagen wurde getroffen“, sagte er. „Da drin ist es schrecklich - Leichen und Verwundete - einfach furchtbar.“

Der Jerusalemer Bürgermeister Uri Lupolianski sprach im Fernsehen von einem „sehr traurigen Abend“ für die Stadt: „Viele Menschen wurden im Herzen Jerusalems getötet.“ Der Direktor der Rettungsdienste, Eli Dein, sprach von „mindestens sieben Toten und zehn Verletzten.“

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa, reuters

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