Gefechte in Tripoli

Libanon will die Fatah al Islam „vernichten“

Die libanesische Arme bezieht Stellung am Stadtrand von Tripoli

Die libanesische Arme bezieht Stellung am Stadtrand von Tripoli

22. Mai 2007 Die Kämpfe im Norden des Libanons zwischen der libanesischen Armee und islamistischen Extremisten haben auch am dritten Tag in Folge an Heftigkeit zugenommen. Ein „Waffenstillstand“, den die Extremistengruppe „Fatah al Islam“ am Dienstag ausrief, hielt nur 40 Minuten. In dieser Zeit konnten UN-Mitarbeiter verletzte Zivilisten im libanesischen Palästinenserlager Nahr al Bared bei Tripoli bergen und sechs Lastwagen voller Lebensmittel bringen. An der Aktion beteiligten sich auch Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz.

Danach flammten die Kämpfe zwischen der „Fatah al Islam“ und der libanesischen Armee wieder auf. Seit sie am Sonntag ausgebrochen sind, wurden mehr als 80 Menschen getötet, überwiegend Soldaten und Zivilisten, aber auch 20 Freischärler. Bevor der einseitige Waffenstillstand gegen 14.30 Uhr Ortszeit in Kraft getreten war, hatten die Kämpfe wieder auf Tripoli und dort auf die Straße Miatain übergegriffen.

Bush: Islamisten müssen gestoppt werdenm

Schwer bewaffnet: PLO-Patrouillen unterstützen den Kampf gegen die “Fatah-Islam“

Schwer bewaffnet: PLO-Patrouillen unterstützen den Kampf gegen die "Fatah-Islam"

Der EU-Außenbeauftragte Solana war am Dienstag zu Gesprächen mit dem libanesischen Regierungschef Siniora in Beirut eingetroffen. Der amerikanische Präsident Bush hatte zuvor geäußert, die Islamisten müssten gestoppt werden. Extremisten, die diese junge Demokratie stürzen wollten, müssten daran gehindert werden. Der libanesische Drusenführer Dschumblat warf Syrien vor, „Terroristen in den Libanon zu exportieren“.

Er forderte die Opposition auf, ihre Proteste im Stadtzentrum von Beirut einzustellen, so dass die Armee sich auf den Kampf gegen die „Fatah al Islam“ konzentrieren könne. Auch der libanesische Handelsminister Sami Haddad sieht hinter der neuen Gewalt im Libanon die Hand Syriens. Damaskus wolle die demokratisch gewählte Regierung des Landes destabilisieren, sagte er. Dagegen verurteilte der syrische Außenminister Muallim die „Fatah al Islam“. Auch der syrische UN-Botschafter, Baschar Dschaafari, bestritt eine Verbindung seines Landes zu der Extremistengruppe.

Ungeklärte Authentizität der Bezichtigungsschreiben

Der libanesische Regierungssprecher Aridi sagte, das Kabinett habe die Armee beauftragt, die „Fatah al Islam“ zu vernichten. Die meisten ihrer Mitglieder seien keine Libanesen, sagte Arifi weiter. Das habe die Untersuchung der getöteten Freischärler gezeigt. Umstritten bleibt die Authentizität der Bezichtigungsschreiben der „Fatah al Islam“ zu den beiden Anschlägen in Beirut.

In der Nacht zum Montag war im christlichen Viertel Aschrafije ein Mensch getötet worden; der Kleinlastwagen, der den Sprengstoff beförderte, sei nicht im Libanon gemeldet gewesen, hieß es. In der Nacht zum Dienstag detonierte im sunnitischen Viertel Verdun, in dem viele führende Politiker wohnen, eine Bombe, die zehn Personen verletzte.

„Kofferbomber-Prozess“ vertagt

Der Prozess gegen einen der beiden mutmaßlichen Kölner „Kofferbomber“ im Libanon hat unterdessen am Dienstag wegen der heftigen Gefechte nicht stattgefunden. Der Anwalt des Hauptangeklagten Dschihad Hamad sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa, das Gericht habe wegen der Gewalt im Norden des Landes nicht getagt.

Hamad hatte vor Prozessbeginn gestanden, am 31. Juli 2006 in Köln Hauptbahnhof einen Sprengstoffkoffer in einem deutschen Regionalzug deponiert zu haben. Der Doppelanschlag hatte nur deshalb nicht zu einem Blutbad geführt, weil die in den Koffern versteckten Sprengsätze fehlerhaft zusammengebaut waren.

Prozess sollte nach Tripoli verlegt werden

Der Bruder des in Deutschland inhaftierten Verdächtigen Youssef al-Hajdib, Saddam al-Hajdib, wurde bei den Kämpfen zwischen radikalen Palästinensern und der libanesischen Armee in der nördlichen Stadt Tripoli getötet.

Wer steckt hinter den Bomben in Beirut?

Wer steckt hinter den Bomben in Beirut?

Die Verteidigung hatte ursprünglich eine Verlegung des Prozesses von der Hauptstadt Beirut nach Tripoli, der Heimatregion der Angeklagten, verlangt. (Siehe auch: Besuch bei den Eltern des „Kofferbombers“)

Bemühungen um einen Waffenstillstand

Mufti Salim Lababidi, das sunnitische Oberhaupt der Palästinenser im Libanon, erklärte, rund 100 Zivilisten seien bislang getötet oder verwundet worden. Palästinensische Organisationen bemühten sich um die Vermittlung eines Waffenstillstands. Der Vertreter des Islamischen Dschihads, Abu Ahmed Rifai, sagte, die Fatah Islam habe zugesichert, die Feindseligkeiten einzustellen und sich von der Front zurückzuziehen. Abu Salim warnte jedoch vor einem das ganze Land erfassenden Bürgerkrieg, falls die Belagerung des Flüchtlingslagers nicht eingestellt werde.

„Es ist ein Kampf auf Leben und Tod“, sagte Abu Salim der Nachrichtenagentur AP. „Sie wollen die Fatah Islam auslöschen. Wir werden antworten und wir wissen, wie wir antworten werden.“ In dem Flüchtlingslager mit seinen seien engen Gassen leben mehr als 31.000 Menschen in zwei- und dreistöckigen Häusern. Es ist eines von zwölf Lagern für Palästinenser im Libanon, in denen mehr als 215.000 der insgesamt 400.000 palästinensischen Flüchtlinge in dem Land leben. Libanesische Sicherheitskräfte sind dort nicht vertreten, was auf eine 40 Jahre alte Vereinbarung mit den Palästinensern zurückgeht.

Text: Her. / F.A.Z. und FAZ.NET mit dpa/AP
Bildmaterial: dpa

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