Entführung durch die PKK

Deutsche Behörden waren gewarnt

12. Juli 2008 Gut eine Woche vor der Entführung von drei bayerischen Bergsteigern in der Türkei sollen deutsche Behörden vor Gewaltaktionen der Kurden-Organisation PKK gewarnt worden sein. So habe das Bundeskriminalamt (BKA) nach Hinweisen der türkischen Polizei die Innenministerien auf die Gefahr von Anschlägen und Geiselnahmen in der Türkei aufmerksam gemacht, berichtet das Magazin „Der Spiegel“.

Die PKK-Führungsebene habe die Bundesregierung vor „negativen Konsequenzen“ ihrer Kurdenpolitik gewarnt, hieß es. In dem Kidnapping-Fall selbst gibt es ansonsten offiziell keine neue Entwicklung.

Türkische Polizei informierte BKA

Wie es in den Berichten heißt , habe der Exekutivrat der Vereinigten Gemeinschaften Kurdistans - nach dem inhaftierten PKK-Führer Abdullah Öcalan so etwas wie die zweithöchste Instanz im Kampf der Kurden - Ende Juni die Bundesregierung aufgefordert, ihre „feindliche Politik gegen das Kurdische Volk und seine Befreiungsbewegung“ aufzugeben. Kurz darauf habe die türkische Polizei dem BKA gemeldet, unter den Kurden im Land herrsche Unruhe - es könne zu Anschlägen und Entführungen kommen. Innenstaatssekretär August Hanning bestätigte solche Hinweise. Das BKA habe dann am 2. Juli die Innenministerien der Länder per Fernschreiben informiert, heißt es.

Vor rund drei Wochen hatte das Bundesinnenministerium ein Betätigungsverbot gegen den kurdischen Fernsehsender Roj-TV verhängt. Dies könnte als Kursverschärfung gegenüber den Kurden aufgefasst worden sein. Die in Europa und den Vereinigten Staaten als Terrororganisation eingestufte PKK ist in Deutschland seit 1993 verboten. Sie kämpft für einen eigenen Staat oder zumindest ein Autonomiegebiet in der Südosttürkei.

Bergsteiger soll bald befragt werden

Die zehn nach Bayern zurückgekehrten Kameraden der entführten Bergsteiger sollen möglichst bald zu dem Überfall und zur Entführung am Berg Ararat vernommen werden, hieß es am Samstag weiter. Mehrere Beamte des Landeskriminalamtes wurden dafür im Auftrag des BKA abgestellt. Derweil arbeitete der Krisenstab im Auswärtigen Amt am Samstag „unvermindert und intensiv für die bedingungslose Freilassung“ der drei Entführten, wie ein Sprecher sagte. Hoffnungen auf eine rasche Freilassung waren zuletzt aber immer mehr geschwunden.

Die Heimkehrer waren am späten Freitagabend völlig abgeschirmt von der Öffentlichkeit am Münchner Flughafen von ihren Angehörigen in Empfang genommen und dann unter Polizeischutz wahrscheinlich zu ihren Wohnorten gebracht worden (siehe auch: Entführung in der Türkei: Bergsteiger zurück in Deutschland).

Merkel appelliert an die Entführer

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat unterdessen einen eindringlichen Appell an die Entführer der drei deutschen Bergsteiger in der Türkei gerichtet. „Ich rufe die Entführer auf, die drei Deutschen umgehend und unversehrt freizulassen“, sagte die CDU-Vorsitzende. Die Bundesregierung werde alles tun, um die Freilassung der Geiseln zu erreichen und arbeite dabei eng mit den türkischen Stellen zusammen.

Merkel kündigte an, sie werde auch mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan sprechen, den sie an diesem Sonntag am Rande des Mittelmeer-Gipfels in Paris treffe. Zugleich machte die Kanzlerin erneut deutlich, „dass die Bundesregierung sich von den Entführern nicht erpressen lässt“.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP

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