
Nicht nur gegen Muslime haben die Hindu- Fanatiker einen Hass, sondern auch gegen Christen. Sind die Christen auch selbst schuld an dem was ihnen jetzt passiert so wie die in Gujarat abgeschlachteten Muslime wegen 9/11 und Benazir Bhutto? Wirklich, die Beschreibungen der Vorgänge in Gujarat und Orissa gleichen sich sehr, bis auf die Tatsache, dass es jetzt massive Proteste aus westlichen Ländern gibt, während man Gujarat achselzuckend zur Kenntnis genommen hat - waren ja nur Moslems. Der Eindruck drängt sich jedenfalls auf, dass gewisse Hindu- Kreise gar keinen nachvollziehbaren Grund brauchen, um gegen Andersgläubige loszulegen. Ein paar Brandworte von irgendeinem Demagogen reichen, und schon geht es los. Das ist beängstigend.

Diesmal sind es Hindus, die Christen für etwas veranwortlich machen und verfolgen, morgen sind andere Religionsgruppierungen. In allen Föllen sind es fanatisierte Anhänger einer Religionsgemeinschaft, die alle Moral und Skrupel über Bord werfen. Warum lassen sich Menschen so beeinflussen? Weil sie sonst keine Zukunft haben. Jemand der etwas zu verlieren hat, eine Perspektive im Leben, eine Familie, eine Arbeit, eine Wohnung, all' das, was wir als 'normal' bezeichnen wird kaum so empfänglich für Fanatismus und religiösen Fundamentalismus sein. Er braucht auch keinen 'Sündenbock' für seine eigene schlechte Lebenssituation. Wenn das Problem der Armut und Perspektivlosigkeit gelöst wäre, würde die Religion egal welcher Couleur wieder das werden, was sie sein sollte: eine friedliche Glaubensgemeinschaft.

Wenn man solche Nachrichten liest, kommt der zornige Gedanke auf, daß Christen diese "undankbaren Heiden" doch sich selbst überlassen sollten. Immer wieder kommt es zu Ermordungen von Entwicklungshelfern und im Dienst an den Ärmsten ihr Leben aufopfernden Nonnen, Mönchen und Priestern. Andererseits ist es genau so, wie hier schon gesagt wurde: die armen Unberührbaren, die nichts als Verachtung und Ekel von den höheren Kasten entgegengebracht bekommen, braucht man nicht mit Geld zu locken, um den christlichen Glauben für sie attraktiv zu machen. Die Aussicht, als von Gott geliebter Mensch unter menschenwürdigen Bedingungen leben zu dürfen, ist wahrlich attraktiv genug. Weshalb reagieren Hindus so wutschnaubend auf den sprunghafte Anstieg der Konvertierungen? Wollen sie ihre billigen Arbeitssklaven nicht verlieren? Das Kastensystem ist eine Schande für einen aufstrebenden Staat wie Indien. Und die Christenverfolgungen, die z.T. von den Polizisten gedeckt oder sogar mitgemacht wurden, noch viel mehr. Denn das ist nicht gedankenloses Verhaftetsein in Althergebrachtes, sondern Mord. Unterstützt von Staatsdienern, die für Recht und Ordnung sorgen sollen. Eine Schande, die zum Himmel schreit!

Indien [wie auch China] haben vom Westen ein mächtiges Geschenk empfangen, den Nationalismus – ist dieser in Europa tendenziell überkonfessionell an ein Volk gebunden – so wurde er in Ländern, in denen es kein Volk, im Sinne eines allgemeingültigen Grundkonsenses gibt, auf bestimmte Religionen, Ethnien oder Stände übertragen; die jetzigen Ausschreitungen sind eine Folge davon, sozusagen die Schattenseite und auch ein düsteres Omen, denn sollte die alte Fehde zwischen Hinduismus und dem gewaltsam eingedrungenen Mohammedanertum eskalieren, so sind dort Gräuel zu erwarten wie in Ruanda, nur im Maßstab einer Bevölkerung von über 1 Milliarde Menschen. Hinzu kommt, dass die kosmopolitische, säkularen Eliten, welche den modernen indischen Staat nach europäischem Muster erschaffen haben, langsam aber sicher in die Muster des traditionellen indischen Denkens zurückfallen und sich zudem mit einer religiös-traditionalistischen Opposition konfrontiert sehen. Für religiöse Minderheiten wie die indischen Christen verheißt dies nichts gutes, da sie beschuldigt werden die herkömmliche soziale Ordnung zu untergraben, indem sie deren religiöse Legitimierung zerstören.

Wir sind als Europäer immer noch geprägt vom Bild des Hinduismus (wie des Buddhismus auch) als einer "harmlosen", "friedlichen", "ruhigen" Religion, weil wir immer noch den Berichten von Alexander von Humboldt verfallen sind. Daß diese generelle Einschätzung genausowenig gilt wie für andere Religionen auch, daran müssen wir uns immer noch gewöhnen.

Die Behauptung, Christen sollten die Hindus zufrieden lassen, ist pure Unwissenheit - Bosheit will ich nicht unterstellen. Wer weiß, was Niedrigkastige und Dämonenanbeter in Ländern wie Indien und Afrika durch machen, der kann nicht fordern, Menschen in diesen barbarischen Systemen und Lebensverhältnissen leben zu lassen. Wenn solche Menschen mit wirklichen Christen in Kontakt kommen, und statt des gewohnten Hasses, der Gleichgültigkeit und Bosheit die Liebe Christi in ihnen spüren, dann brauchen diese Christen nicht mehr missionieren! Die Menschen bekehren sich von selbst zum Christentum. Ähnlich ist es mit vielen Moslems, die heute Christen werden, weil sie vom Koran und seinen Gewaltaufforderungen zur Zwangsbekehrung enttäuscht sind und in der Bibel den Geist der Liebe und des Friedens entdecken, der im Neuen Testament atmet!

...im historischen Zusammenhang gesehen stellt sich allerdings die Frage, warum Moslems und Christen die Hindus nicht einfach in Ruhe lassen können. Die Frage nach der moralischen Haltbarkeit des Kastensystem müssen sich die Hindus aber auch gefallen lassen. Unreformierbare Religionen ziehen Gesellschaften in den Abgrund.