
Geheim gebauter Reaktor sei nicht für „friedliche Zwecke” bestimmt gewesen: Dana Perino, Sprecherin des Weißen Hauses
25. April 2008 Die amerikanische Regierung hat Nordkorea offiziell beschuldigt, Syrien beim Bau eines Atomreaktors geholfen zu haben. Der bis September 2007 geheim gebaute Reaktor sei nicht für friedliche Zwecke, sondern dazu bestimmt gewesen, Plutonium für militärische Zwecke zu produzieren, erklärte die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino. Syrien müsse nun die Welt über seine Zusammenarbeit mit Nordkorea informieren. Laut einem amerikanischen Geheimdienstmitarbeiter zerstörte ein israelischer Luftangriff die Anlage im vergangenen September. Damaskus wies die Anschuldigungen umgehend zurück.
Der diplomatische Prozess zur atomaren Abrüstung Nordkoreas gehe dennoch weiter, hieß es in der Erklärung des Weißen Hauses. Washington werde im Zuge der Sechs-Länder-Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten, Russland, China, Japan sowie Nord- und Südkorea alles tun, um das Ende des nordkoreanischen Atomprogramms zu überwachen.
Syrische Behörden hätten alle Beweisspuren beseitigt
Laut Perino wurde der Reaktor am 6. September 2007 so stark zerstört, dass er nicht mehr zu reparieren war. Die syrischen Behörden hätten alle Beweisspuren beseitigt. Nach amerikanischen Medieninformationen hatte die CIA den Kongressabgeordneten zuvor bei einem Briefing einen Videofilm gezeigt, in dem nordkoreanische Arbeiter in der syrischen Anlage zu sehen waren.
Ein amerikanischer Regierungsvertreter beschuldigte die syrische Regierung, mit dem Bau der Anlage den seit 1970 gültigen Atomwaffensperrvertrag verletzt zu haben. Die Vereinigten Staaten hätten deshalb IAEA-Direktor Mohamed El Baradei über ihre Erkenntnisse unterrichtet. Es sei der Wunsch der Vereinigten Staaten, dass sich die IAEA des Falls annehme, sagte der amerikanischeVertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte.
Kampagne falscher Anschuldigungen Syriens
Die syrische Botschaft in den Vereinigten Staaten wies die fortwährende Kampagne falscher Anschuldigungen Syriens entschieden zurück. In einer Erklärung forderte sie Washington auf, sich verantwortungsbewusst zu verhalten und keine neuen Krisen im Nahen Osten auszulösen. Die Region leide bereits jetzt unter den Folgen einer verfehlten Politik der Vereinigten Staaten. Zuvor hatte bereits der syrische UN-Botschafter Baschar Dschaafari eine syrisch-nordkoreanische Atom-Zusammenarbeit bestritten.
Syriens Botschafter in Washington, Imad Mustafa, nannte die Anschuldigungen lächerlich. Dem amerikanischen Nachrichtensender CNN sagte er im Anschluss an einen Besuch im amerikanischen Außenministerium, ihm seien Satellitenfotos von einem als Atomreaktor bezeichneten Gebäude in der syrischen Wüste vorgelegt worden. Darauf sei kein einziger Wachmann und auch kein Stacheldraht, sondern lediglich leere Häuser zu sehen. Syrien unterhalte völlig normale diplomatische Beziehungen zu Nordkorea, von einem Verstoß gegen den Atomwaffensperrvertrag könne keine Rede sein. Die amerikanische Regierung sei bekannt dafür, Geschichten über Massenvernichtungswaffen in anderen Ländern zu erfinden, die sich als falsch erwiesen hätten - so wie vor dem Krieg gegen den Irak im Jahr 2003.
Der Fall könnte zu ernsten diplomatischen Spannungen Washingtons mit Syrien und Nordkorea führen. Präsident George W. Bush möchte bis zum Ende seiner Amtszeit im Januar 2009 einen abschließenden Erfolg bei den Sechser-Verhandlungen zur Schließung der nordkoreanischen Atomanlagen erreichen.
Text: FAZ.NET mit Material von AFP
Bildmaterial: AP