12. Januar 2006 Iran brennt nicht nur der Atompolitik wegen Großbritannien auf der Haut. Die irakische Provinz Basra, in der britische Truppen stationiert sind, grenzt an Iran. Zunächst hatte das sogar eine beruhigende Wirkung, denn in dieser Ecke des Landes leben, wie in Iran, überwiegend Schiiten, die über die Entmachtung des Saddam-Regimes am direktesten erleichtert waren. Doch die iranische Einstellung scheint sich geändert zu haben.
Hintergrund ist die wachsende Unrast unter Schiiten in Basra. Britische Beobachter fragen sich, wieviel davon eigenständig ist und wieviel von Iran aus geschürt wird. Im vergangenen Oktober hat Premierminister Blair zum erstenmal öffentlich gesagt, eine neue Art von Sprengsätzen, denen in Basra gerade acht Soldaten zum Opfer gefallen waren, komme möglicherweise aus Iran. Zudem soll Iran irakische Freiwillige ausbilden und als Attentäter zurückschicken.
London nimmt weiterhin an, Iran wolle nicht den Irak ins Chaos stürzen, sondern nur den westlichen Truppen das Leben schwermachen. Das könne dann als Pfand im atomaren Streit eingesetzt werden: Ärgert ihr uns beim Atom, ärgern wir euch im Irak.
Deshalb ist London fest, aber vorsichtig aufgetreten. Blair hatte zwar am Mittwoch gesagt, man könne keine Maßnahmen ausschließen; aber er hatte Sanktionen der UN gemeint, nicht etwa einen Luftangriff. Zuvor hatte Außenminister Straw ausdrücklich gesagt, es gehe nicht um militärische Dinge. Auch vor dem Abflug nach Berlin kam das Wort Sanktionen nur im Negativen vor: Von Sanktionen ist jetzt noch keine Rede.
Text: Hr., F.A.Z., 13.01.2006, Nr. 11 / Seite 2
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