Historischer Besuch

Merkel: Bedrohung Israels auch eine Bedrohung Deutschlands

“Nur wer sich kennt, kann über die Probleme sprechen“

"Nur wer sich kennt, kann über die Probleme sprechen"

17. März 2008 Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben nach ihren Gesprächen am Montag in Jerusalem die deutsch-israelische Partnerschaft und Freundschaft gewürdigt. Olmert sagte, die Bundesrepublik sei ein „treuer Partner“, der die gleichen Werte und Zielvorstellungen wie Israel habe. Er sprach von einer „vielleicht historischen“ Begegnung, weil erstmals Regierungskonsultationen von Mitgliedern beider Kabinette abgehalten worden seien.

Frau Merkel sagte, die Beziehungen würden durch die neuen Projekte auf eine „breite Grundlage“ gestellt. „Nur wer sich kennt, kann über die Probleme sprechen, und wer über die Probleme spricht, kann auch Lösungen finden.“

Meinungsunterschiede über den Siedlungsbau

Frau Merkel besuchte Jerusalem aus Anlass des 60. Jahrestages der Gründung des Staates Israel. Mit Blick auf terroristische Anschläge der Palästinenser und auch die anti-israelische Politik Irans sagte die Kanzlerin, die Bedrohung Israels sei auch „unsere Bedrohung“. Akzentunterschiede gab es in den Gesprächen zwischen ihr und Olmert über den Ausbau der Siedlungen.

Frau Merkel äußerte Bedenken, weil diese Maßnahmen den Friedensprozess gefährden könnten. Olmert versicherte, Israel halte sich an die internationalen Abmachungen. Es würden keine neuen Siedlungen gebaut, und es gebe auch keine Enteignungen. Frau Merkel äußerte insofern Verständnis, als sie den palästinensischen Terror in diesem Zusammenhang als eine der Ursachen des Konflikts bezeichnete. Mit Blick auf das iranische Atomprogramm sagte Olmert, beide Seiten hätten ähnliche Sorgen. Seine Äußerung bei seinem jüngsten Besuch in Berlin im Jahr 2006, militärische Maßnahmen gegen Iran seien nicht auszuschließen, wiederholte er nicht.

Frau Merkel war am Sonntag in Israel eingetroffen. Nach einem Gespräch mit Olmert besuchte sie mit Staatspräsident Perez den Kibbuz Sde Boker, in dem Staatsgründer Ben Gurion gelebt hatte. Vor Beginn der Regierungsgespräche am Montag besuchte sie die Gedenkstätte Yad Vashem und auch das „Mahnmal für die ermordeten Kinder“. An diesem Dienstag wird sie als erster ausländischer Regierungschef eine Rede vor der Knesset halten.

Text: ban./F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, dpa, REUTERS

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