11. Mai 2008 Nachdem die schiitische Hizbullah-Miliz angekündigt hat, sich zurückzuziehen, hat sich die Lage in der libanesischen Hauptstadt Beirut weitgehend beruhigt. In den Tagen zuvor war es zu bürgerkriegsähnlichen Kämpfen gekommen.
Dagegen wurden aus dem Norden und Osten schwere Kämpfe zwischen Anhängern und Gegnern der prowestlichen Regierung gemeldet. Seit Samstagabend sollen dort 17 Menschen ums Leben gekommen sein, 20 weitere wurden verletzt. Die heftigsten Gefechte gab es in der Stadt Tripoli. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen konzentrierten sich die Gefechte in der Nacht zum Sonntag auf zwei Stadtteile in der nördlichen Hafenstadt . Dort griffen in den frühen Morgenstunden Regierungsanhänger mit raketengetriebenen Granaten und mit Maschinengewehren Gefolgsleute der Opposition an. Tausende Bewohner seien geflohen. Erst als die libanesische Armee am Sonntagmorgen in die Stadtviertel einrückte, entspannte sich die Situation etwas.
In Beirut waren am Sonntag zunächst noch zahlreiche Straßen geschlossen, darunter auch der Zubringer zum Flughafen. Die Straßenblockaden sind Teil der Kampagne des zivilen Ungehorsames, mit der die Hizbullah die Erfüllung ihrer Forderungen durchsetzen will.
Zugeständnisse der Armee
Die Hizbullah hatte am Samstag ihren Rückzug aus den zuvor von sunnitischen Gruppen eroberten Stellungen in Beirut angekündigt, nachdem die Armee die verfeindeten Milizen zum Rückzug und die Soldaten zur Wiederherstellung der Ordnung aufgefordert hatte.
Das Militär hatte der Hisbollah zwei wichtige Zugeständnisse angeboten: Der Leiter des Sicherheitsdienstes auf dem Flughafen, der von der Regierung wegen seiner Verbindungen zur Hisbollah entlassen worden war, darf seinen Posten behalten. Und mit dem von der Regierung verbotenen umstrittenen privaten Telekommunikationsnetz der Hizbollah soll sich nun das Fernmeldekorps der Armee befassen.
Sorge in Israel
Die israelische Regierung erklärte am Sonntag, sie verfolge die Lage im nördlichen Nachbarland genau. Es gebe bislang aber keine Absicht zu intervenieren. Israel müsse in dieser Frage besonders sensibel sein, sagte Verteidigungsminister Matan Jilnai im Armeerundfunk. Sein Land sei vorbereitet, sollte sich die Situation weiter verschärfen. Er glaube aber nicht an einen Kollaps im Libanon, da alle Seiten noch die bitteren Erfahrungen des Bürgerkrieges von 1975 bis 1990 nicht vergessen hätten.
Am Sonntag wollten die arabischen Außenminister bei einem Treffen in Ägypten über die Lage im Libanon beraten.
Bundeskanzlerin Angela Merkel beriet am Samstag mit UN-Generalsekretär Ban Ki-moon über die Unruhen im Libanon. In einem Telefonat drückten beide die Hoffnung aus, dass das Treffen der Arabischen Liga die brisante Lage beruhigen wird und eine Rückkehr zum friedlichen Dialog ermöglicht. Beide Politiker unterstrichen ihre Unterstützung für die Regierung Siniora.
Text: FAZ.NET mit AP
Bildmaterial: AFP, dpa, reuters
