Afghanistan-Einsatz

Bundeswehr wappnet sich gegen Ausfälle von Tornados

Kein direkter Kampfeinsatz - und dennoch höchst umstritten

Kein direkter Kampfeinsatz - und dennoch höchst umstritten

02. April 2007 Vom Fliegerhorst im schleswigschen Jagel sind am Montagmittag sechs Bundeswehr-Tornados für den Einsatz in Afghanistan gestartet. Sie legen die Strecke in mehreren Etappen zurück und sollen am Donnerstag im nordafghanischen Mazar-i-Sharif landen. Dabei wappnet sich die Bundeswehr gegen technische Ausfälle von Maschinen: Schon am Morgen waren vier zusätzliche Tornados in Richtung Afghanistan aufgebrochen. Wenn sichergestellt ist, dass alle sechs für den Einsatz zugesagten Maschinen intakt ankommen, sollen die übrigen vier wieder umkehren. Alle Jets gehören dem Aufklärungsgeschwader „Immelmann“ an.

Mit einem Abschiedsappell wurden die etwa 200 Soldaten des ersten Kontingents auf ihren Einsatz eingestimmt. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und Luftwaffeninspekteur Klaus-Peter Stieglitz hielten Ansprachen. Jung bezeichnete den Einsatz abermals als notwendig für den Schutz der Zivilbevölkerung sowie zur Unterstützung der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf).

Nicht direkt an Kampfeinsätzen beteiligt

Die Nato hatte die mit hochmodernen Kameras ausgerüsteten Aufklärungs-Tornados zur Unterstützung der Isaf angefordert. Sie sollen Stellungen der radikalen Taliban ausfindig machen, damit diese von Nato-Partnern gezielt angegriffen werden können. Die deutschen Tornados sollen sich hingegen nicht an direkten Kampfeinsätzen beteiligen. Gleichwohl handelt es sich um den bislang umstrittensten Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan.

Die für die Mission bestimmten Maschinen heißen im Fach-Jargon Recce-Tornados, wobei Recce für „Reconnaissance“ (Aufklärung) steht. Für den Aufklärungseinsatz wird die Basisversion des Tornados aufgerüstet: Aus einem Zusatzbehälter unter dem Rumpf des Jets machen dann zwei optische und eine Infrarot-Kamera Bilder. Die Infrarot-Aufnahmen können teils bereits im Flug ausgewertet werden, die übrigen Daten erst am Boden. Insgesamt verfügt die Bundeswehr über etwa 30 Recce-Ausrüstungen. Bewaffnet sind die Flugzeuge nur zum Selbstschutz.

Hilfe bei der Vermisstensuche

Ihren ersten großen Auftritt hatten die deutschen Aufklärungstornados im Inland: Im Januar 1995 lieferten die Jets mit ihren Spezialkameras Luftbilder von den Hochwasser-Gebieten an Rhein und Elbe. Auf sechs Kilometern Film hielten sie damals Flutverlauf und Strömungsverhältnisse fest. Die Einsatzzeit der Tornados liegt bei etwa zwei Stunden. Pro Stunde legen die Jets knapp tausend Kilometer zurück.

International kamen die deutschen Recce-Tornados ab August 1995 im Auftrag der Vereinten Nationen zur Luftaufklärung in Bosnien zum Einsatz. Aus einer Höhe von mehr als 3000 Metern entdeckten die deutschen Aufklärer unter anderem die Besatzung eines abgeschossenen französischen „Mirage“-Kampfflugzeugs.

Insgesamt blieben deutsche Aufklärungstornados fast sechs Jahre lang auf dem Stützpunkt nahe dem italienischen Piacenza stationiert. Im Rahmen des Nato-Einsatzes flogen sie von dort bis August 2001 Aufklärungseinsätze für die Bosnien-Friedenstruppen Unprofor, Ifor, Sfor, aber auch während der Nato-Luftangriffe auf Rest-Jugoslawien 1999 und für die Kosovo-Truppe Kfor.

Text: FAZ.NET mit dpa und Reuters
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, F.A.Z.

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