Nach Abdruck von Mohammed-Karikaturen

Furcht in Dänemark vor weiteren Krawallen

Ausgebranntes Autowrack in Kopenhagen

Ausgebranntes Autowrack in Kopenhagen

15. Februar 2008 In Kopenhagen und in anderen dänischen Städten sind die Krawalle ausländischer Jugendlicher und solcher mit Migrationshintergrund in der Nacht zum Freitag zwar abgeflaut. Dennoch kam es weiterhin zu zahlreichen Brandstiftungen in vielen Kopenhagener Stadtteilen und in Provinzstädten mit größerem Ausländeranteil. Abermals wurden Autos und Container angezündet; in Bagsvaerd westlich der Hauptstadt wurde eine Schule bei einem Brand teilweise zerstört. Die Polizei ging von Brandstiftung aus. Bislang nahm die dänische Polizei elf Personen fest.

In einigen Fällen wurde die Feuerwehr nach eigenen Angaben von Steine werfenden Jugendlichen an der Arbeit gehindert. Krawalle wurden auch aus den Städten Aarhus, Ringsted und Slagelse gemeldet. Was die Unruhen ausgelöst hat, ist noch immer unklar. Beobachtern zufolge reagierten vorwiegend muslimische Einwanderer auf als repressiv wahrgenommene Kontrollen der Polizei. Als Hauptgrund für die Krawalle gilt jedoch die Zuspitzung von Konflikten zwischen den vorwiegend muslimischen Jugendlichen und der energisch eingreifenden Polizei.

„Zorn“ und Mordpläne

In einem Vorort Kopenhagens haben Unbekannte eine Schule angezündet

In einem Vorort Kopenhagens haben Unbekannte eine Schule angezündet

Neben der angeblichen Misshandlung eines älteren Arabers durch einen Polizisten wird auch das Einschreiten der Ordnungskräfte gegen den Rauschgifthandel sowie die Zunahme der Leibesvisitationen nach zahlreichen Messerstechereien in jüngster Zeit als Grund für die Gewalt der Jugendlichen in den Ausländervierteln genannt.

Einige Jugendliche nannten als Grund ihren „Zorn“ nach der neuerlichen Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in fast allen dänischen Zeitungen, nachdem Mordpläne gegen den Zeichner Kurt Westergaard bekanntgeworden waren. Den Rückgang der Massenkrawalle in der Nacht zum Freitag führte die Polizei auch auf das Eingreifen von Elterngruppen zurück.

Im Gazastreifen demonstrierten am Freitag etwa 4.000 Menschen gegen die abermalige Veröffentlichung der Karikaturen. Sie forderten eine Anklage des Zeichners und eine offizielle Entschuldigung. In Pakistan protestierten am Freitag mehrere Hundert Studenten in Islamabad, Karachi und Multan.

In Kopenhagen begann unterdessen ein Streit über die Ausweisung der zwei der Mordplanung verdächtigten Tunesier, die am Donnerstag vom Gericht für 27 Tage in Abschiebehaft genommen worden waren. Anwälte und Politiker der linken Opposition argumentierten, dies dürfe nicht nur durch einen Verwaltungsakt ohne gerichtliche Prüfung geschehen. Die Integrationsministerin, die die Ausweisung gebilligt hatte, distanzierte sich zunächst öffentlich von den 2002 verschärften Bestimmungen. Für diese hatte sie damals ebenso wie die Sozialdemokraten und die Radikalen gestimmt.

„Beitrag zur Verteidigung der Meinungsfreiheit“

Der 72 Jahre alte Karikaturist Westergaard äußert sich indes in mehreren Interviews zu den jüngsten Vorfällen. Nach drei Monaten mit wechselnden Verstecken unter Aufsicht des Geheimdienstes Pet sagte der Däne: „Ich bin zu alt und starrköpfig, um mich noch zu beugen“, sagte Westergaard am Donnerstagabend dem Fernsehsender DR und begründete seine Wut: „Fanatiker haben mich bedroht und zum Tode verurteilt, nur weil ich meine Arbeit getan und dänische Grundwerte verteidigt habe.“

Der dänische Zeichner Kurt Westergaard: “Ich bereue nichts“

Der dänische Zeichner Kurt Westergaard: "Ich bereue nichts"

Auf Fragen nach dem Hintergrund für seine und elf weitere Mohammed-Karikaturen in der Zeitung „Jyllands-Posten“ vor zweieinhalb Jahren antwortet Westergaard in einem für die scharfe dänische Ausländerdebatte nicht untypischen Grundton: „Es muss wohl richtig sein, dass man eine der fürchterlichsten Bedrohungen auf der Welt kommentiert.“ Terroristen würden „nun einmal ihre Munition vom Islam bekommen“.

Als die betont islamkritische Zeitung „Jyllands-Posten“ 2005 bei ihm wie bei anderen Zeichnern anfragte, ob er nicht den im Islam mit einem Abbildungsverbot versehenen Mohammed nach eigenen Vorstellungen porträtieren wolle, sei das für ihn „einfach ein Auftrag wie jeder andere“ gewesen: „Ich hab es dann so angelegt, dass es in Dänemark funktionieren sollte.“

“Mord für eine Zeichnung“ titelt eine der Zeitungen: Oben rechts Zeichner Wes...

"Mord für eine Zeichnung" titelt eine der Zeitungen: Oben rechts Zeichner Westergaard

Westergaard sieht seine Mohammed-Zeichnung als „Beitrag zur Verteidigung der Meinungsfreiheit“. Auf die Frage, ob er sich mitverantwortlich fühle für den Tod von 150 Menschen bei den Protesten gegen seine und die anderen Karikaturen, sagte er: „Das tue ich nicht, und ich bereue auch nichts.“ Auf sein Leben mit Umzügen zwischen wechselnden Geheim-Wohnungen im In- und Ausland habe sich eine „trübgraue Depression“ als Grundstimmung gelegt. Zwar fühle er sich nach der Festnahme der drei Verdächtigten nun „ziemlich sicher“. Er wisse aber, dass seine Auftritte „einerseits vielleicht präventiv wirken, vielleicht aber auch zu neuen Bedrohungen inspirieren“.

Pakistanische Bischöfe verurteilen Mohammed-Karikaturen

Die Pakistanische Bischofskonferenz hat die neuerliche Publikation von Mohammed-Karikaturen in dänischen Zeitungen indes verurteilt. Dies beleidige Millionen Muslime und seien mit der Freiheit der Meinungsäußerung nicht zu rechtfertigen, sagte der Episkopats-Vorsitzende und Erzbischof von Lahore, Lawrence Saldanha, dem römischen Pressedienst Asianews.

Der Sekretär der Menschenrechts-Kommission in der nationalen Bischofskonferenz, Peter Jacob, kritisierte die Entscheidung der dänischen Zeitungen als unsinnig und kontraproduktiv. Der Westen müsse einsehen, dass Christen „auf der anderen Seite der Welt“ schon wegen der ersten Veröffentlichung der Karikaturen viel hätten leiden müssen.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa

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