Antijapanische Proteste

Japan setzt auf Dialog mit China

Proteste gegen Japan - die Polizei schaut nur zu

Proteste gegen Japan - die Polizei schaut nur zu

11. April 2005 Im Streit mit China über ein japanisches Geschichtsbuch hat die Regierung in Tokio zum Dialog aufgerufen. „Wir müssen hart dafür arbeiten, daß das gegenseitige Unverständnis sich nicht verstärkt“, sagte Regierungssprecher Hiroyuki Hosoda am Montag in Tokio. „Im Moment übermitteln wir unsere Standpunkte auf diplomatischem Weg.“

Zu dem Vorwurf Pekings, Japan sei für die Verschlechterung der Beziehungen verantwortlich, wollte sich der Regierungssprecher nicht äußern. Dies würde nicht dazu beitragen, die Situation wieder einzurenken, sagte Hosoda. Derzeit finde ein reger Meinungsaustausch statt. Hosoda wollte einen Bericht der Nachrichtenagentur Jiji Press nicht kommentieren, nach dem der japanische Außenminister Nobutaka Machimura am Sonntag nach Peking reisen will.

Größte Demonstration in Peking seit 1989

Demonstranten in Guangzhou: “Nieder mit Japan“

Demonstranten in Guangzhou: "Nieder mit Japan"

Zehntausende Chinesen hatten sich am Wochenende in verschiedenen chinesischen Städten an antijapanischen Protesten beteiligt. Die japanische Botschaft in Peking wurde mit Steinen beworfen, vielerorts wurde japanisches Eigentum beschädigt, vereinzelt kam es auch zu tätlichen Angriffen auf Japaner. In der südchinesischen Stadt Shenzhen marschierten 10.000 Demonstranten zu einem japanischen Supermarkt und forderten einen Boykott japanischer Waren.

In der chinesischen Hauptstadt hatten am Samstag 6.000 Menschen demonstriert. Es war die größte Demonstration dort seit den Studentenprotesten des Jahres 1989. Viele japanische Restaurants und Geschäfte in chinesischen Städten wurden aus Angst vor Ausschreitungen vorsichtshalber geschlossen.

Beschönigung japanischer Greueltaten

Die Proteste entzündeten sich an der Zulassung eines neuen japanischen Schulbuches, das nach chinesischer Ansicht die Greueltaten der japanischen Armee während des Zweiten Weltkriegs und der Besetzung Chinas beschönigt. Die Demonstranten in Peking, vorwiegend Studenten, marschierten aus dem Universitätsviertel bis in das Botschaftsviertel im Stadtzentrum und riefen vor der japanischen Botschaft und der Residenz des japanischen Botschafter antijapanische Parolen und warfen Steine und Flaschen.

Sie trugen Parolen wie „Nieder mit Japan“ und „Boykottiert japanische Waren“. Sie forderten ihre Regierung dazu auf, zu verhindern, daß Japan einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen bekommt.

Regierung läßt Demonstranten gewähren

Die chinesische Regierung, die normalerweise keine Demonstrationen in der Hauptstadt genehmigt, ließ die Polizei nicht eingreifen. Sie verhinderte nur, daß die Demonstranten auf den Platz des Himmlischen Friedens marschierten. Im Gegensatz zu anderen politischen Aktionen werden antijapanischen Proteste geduldet, und die Regierung zeigt Sympathien für die Demonstranten.

Die chinesische Regierung hat das umstrittene japanische Schulbuch als „Gift“ bezeichnet. Am Sonntag rief die chinesische Regierung die Demonstranten zu Ruhe und Besonnenheit auf, sie forderte sie aber nicht dazu auf, die Aktionen zu beenden.

Japan verlangt Entschuldigung

Japan protestierte am Sonntag gegen die Demonstrationen und Ausschreitungen und forderte von der chinesischen Regierung, japanisches Eigentum und japanische Bürger in China zu schützen. Chinas Botschafter in Tokio wurde ins Außenministerium einbestellt. Japan verlangt eine Entschuldigung und Entschädigung für den Sachschaden.

Die chinesisch-japanischen Beziehungen sind bereits seit Jahren gespannt, da Japan aus chinesischer Sicht sich nicht der Vergangenheit stellt und sich nicht für die Verbrechen Japans während der Besatzung Chinas entschuldigt hat. China fordert besonders, daß Japans Ministerpräsident Koizumi die Besuche im Yasukuni-Schrein einstellt, wo auch Kriegsverbrecher verehrt werden.

Petition gegen japanische UN-Ansprüche

Im Internet unterzeichneten Millionen Chinesen in den vergangenen Wochen eine Petition, nach der die chinesische Regierung verhindern soll, daß Japan einen Sitz im UN-Sicherheitsrat bekommt.

Die Zulassung des Schulbuches, das nur eines von vielen ist und nur in wenigen Schulen Japans benutzt wird, hat zu einer weiteren Verschärfung der antijapanischen Stimmung in China geführt.

Text: P.K.; F.A.Z., 11.04.2005, Nr. 83 / Seite 6 und AFP/dpa
Bildmaterial: REUTERS

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