Japan

Koizumi besucht umstrittenen Schrein

Demonstration vor dem japanischen Konsulat in Hongkong

Demonstration vor dem japanischen Konsulat in Hongkong

15. August 2006 Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi hat am Dienstag erneut den umstrittenen Yasukuni-Kriegsschrein besucht und damit heftige Kritik in China und Südkorea ausgelöst. Koizumis Gedenken am Jahrestag der japanischen Kapitulation im Zweiten Weltkrieg störe die Beziehungen zu Tokio empfindlich, erklärten die Außenministerien in Peking und Seoul.

Die beiden Länder haben wiederholt gegen Besuche japanischer Politiker an dem Schrein protestiert. China und Südkorea betrachten den Schrein als Verherrlichung der imperialistischen Vergangenheit Japans, das die beiden Länder in den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts besetzt hatte. Im Yasukuni-Schrein werden rund 2,5 Millionen japanische Kriegstote geehrt, darunter auch als Kriegsverbrecher überführte Soldaten. Das Heiligtum ist ein Wallfahrtsort japanischer Nationalisten.

Gefühle der Chinesen verletzt

China: Koizumi “tritt das Gewissen der Menschheit mit Füßen“

China: Koizumi "tritt das Gewissen der Menschheit mit Füßen"

Koizumi, der sein Amt im kommenden Monat abgibt, wollte mit seinem jüngsten Gedenken nach eigenen Angaben ein Wahlkampfversprechen einlösen. Seit seinem Amtsantritt 2001 hatte er das Ehrenmal bereits fünf Mal besucht, aber noch nie am 15. August. Er sagte, er habe an dem Ehrenmal für Frieden beten und die Kriegstoten ehren wollen. Schließlich seien der derzeitige Frieden und Wohlstand nicht nur ein Verdienst der heutigen Generation, sondern auch derer, die in der Vergangenheit ihr Leben geopfert hätten.

Der südkoreanische Präsident Roh Moo Hyun rief die Regierung in Tokio dazu auf, den Worten der Reue über die Kriegsvergangenheit auch Taten folgen zu lassen. Japan sollte über seine Handlungen in der Vergangenheit nachdenken, entsprechend den Entschuldigungen handeln und deutlich zeigen, daß sich die vergangenen Missetaten nicht wiederholten, forderte Roh in einer Rede. In Süd- und Nordkorea wird am Dienstag der 61. Jahrestag der Befreiung von japanischer Kolonialherrschaft begangen. Roh rief die führenden Politiker des Nachbarlandes auf, Besuche des Yasukuni-Schreins zu unterlassen. In Peking und Seoul wurden die Botschafter Japans einbestellt. Koizumi sagte dazu, da er ohnehin kritisiert werde, mache der Tag auch „keinen Unterschied“. Seouls Außenministerium sagte, solch eine nationalistische Haltung schade den Beziehungen und der Zusammenarbeit in der Region.

Chinas Außenministerium urteilte, der Pilgergang „tritt das Gewissen der Menschheit mit Füßen“. Koizumi verletze die Gefühle der Chinesen, die Opfer der Aggression der japanischen Militaristen geworden seien. Mit seinen Pilgergängen habe Koizumi nicht nur international, sondern auch unter Japanern an Ansehen verloren. Ein gesundes Wachstum der Beziehungen zwischen China und Japan sei im Interesse beider Staaten und diene Frieden und Stabilität. Chinas Regierung und Volk fühlten sich der Freundschaft und Kooperation mit Japan verpflichtet, hieß es weiter. Anscheinend mit Blick auf den künftigen Ministerpräsidenten Japans, der nach Ablauf von Koizumis Amtszeit im September übernimmt, äußerte das Außenministerium seine Überzeugung, daß „Japaner mit Einsicht“ sich bemühen werden, die politischen Hindernisse zu beseitigen, um die Beziehungen bald wieder auf den rechten Weg zu bringen.

Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: AFP, REUTERS

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