Amerikas Antiterrorkampf

Geheimoperationen in aller Welt

Von Matthias Rüb, Washington

Amerikanische Militäreinheit bei einem Einsatz an der Grenze zu Syrien Ende 2004

Amerikanische Militäreinheit bei einem Einsatz an der Grenze zu Syrien Ende 2004

10. November 2008 Die amerikanischen Streitkräfte haben nach einem Bericht der Tageszeitung „New York Times“ seit 2004 fast ein Dutzend Geheimoperationen in verschiedenen Staaten unternommen, mit denen sich die Vereinigten Staaten nicht im Krieg befinden.

Wie die Zeitung unter Berufung auf gegenwärtige und ehemalige Mitarbeiter der Streitkräfte und des Auslandsgeheimdienstes CIA berichtet, unterzeichnete der damalige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld mit Zustimmung von Präsident George W. Bush im Frühjahr 2004 eine als geheim klassifizierte Anordnung, welche die „Special Operations“, Eliteeinheiten der verschiedenen Teilstreitkräfte, zu den Kommandoeinsätzen gegen Angehörige und Trainingslager des Terrornetzes Al Qaida in aller Welt ermächtigte. Voraussetzung für die Einsätze sei jedoch die vorherige Zustimmung der zivilen Führung des Pentagons gewesen.

Fast ein Dutzend Einsätze

Verbündete im Kampf gegen den Terror: Irakische Polizei vor einem Einsatz nahe Muqtadijeh

Verbündete im Kampf gegen den Terror: Irakische Polizei vor einem Einsatz nahe Muqtadijeh

Die meisten der etwa ein Dutzend Einsätze hätten die Spezialeinheiten in Zusammenarbeit mit der CIA unternommen. Etwa der gleichen Zahl von geplanten Einsätzen, die von den örtlichen Befehlshabern empfohlen worden seien, sei aber - mitunter in letzter Minute - von Verteidigungsminister Rumsfeld die Zustimmung verweigert worden, weil er die geplanten Operationen als zu riskant betrachtet habe.

Die Zeitung berichtete unter anderem von einem Einsatz der „Seal“-Spezialeinheiten der Kriegsmarine in der Region Bajaur in Pakistan im Jahr 2006, die vom Antiterrorismus-Zentrum im Hauptquartier der CIA über Videoaufnahmen von unbemannten Drohnen in dem Einsatzgebiet in Echtzeit verfolgt wurde. Bei anderen Einsätzen, wie dem Angriff auf ein Versteck eines mutmaßlichen Al-Qaida-Führers in Syrien vom 26. Oktober, hätten CIA-Einheiten die Operationen ausgeführt, während die Streitkräfte Unterstützung gewährt hätten.

Zu den Staaten, in welchen es zu den Einsätzen kam, zählten neben Syrien und Pakistan der Jemen, Somalia, Saudi-Arabien sowie andere Golfstaaten. In Iran sei es im Rahmen dieser Geheimoperationen nicht zu Einsätzen der amerikanischen Streitkräfte gekommen, es gilt aber als wahrscheinlich, dass Kommandos der amerikanischen Geheimdienste und der Streitkräfte in Iran Operationen zur Aufklärung unternommen haben.

Zugriff auf al Zawahiri abgeblasen

Anfang 2005 soll ein geplanter Zugriff der „Army Rangers“ und der „Navy Seals“ auf den Ayman al Zawahiri, den Stellvertreter des Al-Qaida-Anführers Usama Bin Ladin in Bajaur in Pakistan in letzter Minute abgebrochen worden sein, weil sich die Führung von CIA und Pentagon uneins über die Qualität der Geheimdienstinformationen und über das Risiko für die an dem Einsatz beteiligten Spezialeinheiten gewesen sei.

Im Juli dieses Jahres unterzeichnete Bush auf Initiative des neuen Verteidigungsministers Robert Gates eine weitere Anordnung, die den Spezialeinheiten der Streitkräfte sowie der CIA verstärkt Einsätze in den Stammesgebieten in Nordwestpakistan nahe der Grenze zu Afghanistan gegen Verstecke und Trainingslager der Taliban und von Al Qaida erlaubt. Grundsätzlich bedürfen die Einsätze auf Grundlage der beiden Anordnungen der Zustimmung der Führung des Pentagons, des Außenministeriums sowie des Nationalen Sicherheitsrates im Weißen Haus.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, REUTERS

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