
Wie Steinmeier behandelt wurde, zeigt, welche Bedeutung Deutschland für Indien hat: gar keine. Dass sich Deutschland um einen Sitz im Sicherheitsrat bemüht und glaubt, es habe mit Indien einen Partner mit den gleichen Interessen, ist aus indischer Sicht mehr als albern. Bei uns spricht man von Indien als der kommenden Weltmacht, es wird in wenigen Jahrzehnten neben China und den USA einer der Pole der Weltpolitik sein. Der Anspruch auf den Sicherheitsratssitz nimmt die vermutete Entwicklung jetzt schon vorweg. Alle Welt dagegen nimmt jetzt schon die Entwicklung vorweg, die Deutschland in der gleichen Zeit nimmt. Schon jetzt mogelt sich die deutsche katholische Kirche um das Eingeständnis des Niedergangs herum, indem sie Nonnen importiert. In wenigen Jahren muss man hunderttausende indischer Frauen holen, um die Altenlast bewältigen zu können. Dazu kommen Millionen von Einwanderern, die sich in den sich leerenden Städten niederlassen. Indische oder auch türkische Politiker sind natürlich auch über die demographische Entwicklung Deutschlands informiert. Sie ziehen den Schluss: Deutschland hat sich aufgegeben, in diesem Gebiet muss man für später durch Einwanderung Chancen wahren.

Man sollte diesen peinlichen Auftritt Steinmeiers in Indien nicht zu sehr dramati- sieren,vor allem nicht im Hinblick auf das enorm große gegenseitige wirtschaftliche Interesse,das beide Länder verbindet und das auch maßgebliche Leute immer wieder betonen. Man sollte die Affäre mehr innenpolitisch sehen.Herr Steinmeier ist Kanzlerkandidat der SPD und, um es mal etwas grob zu sagen,Frau Merkel hat ihn mal wieder gegen die bekannte Wand laufen lassen und das sehr öffentlichkeitswirksam. Steinmeier scheint ja selbst nicht so ganz überzeugt hinter seiner Kandidatur zu stehen, er fühlt sich mit Steinbrück in der großen Koalition und in seiner Funktion offensichtlich wohl.Da nimmt er Frau Merkel gerne in Kauf. Die kulturellen und menschlichen indisch - deutschen Beziehungen boomen geradezu.Wer sich z.B.in unseren Kliniken und Krankenhäusern unter den Ärzten und dem Pflegepersonal umsieht,kann mit Bewunderung den Dienst vieler indischer Fachleute beobachten.Alleine die kath.Kirche hat in den letzten Jahren Tausende von indischen Ordensschwestern und deren Personal ins Land geholt und ihnen Alten -und Pflegeheime,Krankenhäuser und Kindergärten etc übertragen.Das hat auch was mit Wirtschaft zu tun.

Zum Artikelthema: ja, es sieht anhand des Beschriebenen so aus, als ob da tatsächlich eine Sprechblasenreise organisiet (?) worden wäre, die von Seiten Indiens genau so periphär abgehandelt worden ist. Zu den bisherigen Leserkommentaren: Ich bin immer wieder erstaunt, warum man die kommende Supermacht China ob ihres Geschäftsgebarens und ihrer Haltung zu den Menschenrechten relativ stark kritisiert, die andere kommende Supermacht Indien (wobei ich persönlich da meine Zweifel habe) aber relativ wenig in den Medien behandelt wird. Hier wird erst mal vermeintlich vergebenen Chancen nachgetrauert, Moral spielt wieder einmal keine Rolle.

Ganz einfach: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben! Ich wundere mich schon lange, dass das ehemals willkommene Deutschland seit ca. 25 Jahren den Japanern, Koreanern et al. den indischen Markt überlässt. Die Ostasiaten haben wahrscheinlich die notwendige Geduld, die man für einen Erfolg mit dieser schwerfälligen Demokratie aufbringen muss. Dafür lohnt es sich allemal: den letzten neuen Liebherr-Bagger habe ich vor ca. 20 Jahren gesehen. Komatsu und Hitachi lässt grüßen! Dr.M.H.Wagner z.Zt. Kerala, Süd Indien

Das ist aber eindeutig, an was liegt das? Ich meine warum sind die Deutschen gegenüber Indien so reserviert?

Da hätten Sie doch gleich einen für uns Steuerzahler günstigeren Erholungsurlaub in Indien gebucht mit der Option, evtl. im Hawaii-Hemd mit wichtigen Leuten fotografiert zu werden. Statt dessen sind Sie wohl ohne festes Programm losgezogen, um einige Sprechblasen für das deutsche Publikum loszuwerden. So funktioniert also unsere Außenpolitik? Könnte es vielleicht auch sein, daß die Inder das Gequassel unserer Politiker leid sind, weil den vielen Worten keine Taten folgen? Am Beispiel des Kampfes gegen Piraten vor Somalia könnten Sie von den Indern noch vieles lernen.

Es ist eher unglaublich mit welch inniger Naivität der erste Diplomat des Landes in die weite Welt maschiert. Dies Beispiel zeigt uns wie weite die Realität von der Selbsteinschätzung des dt. auswärtigen Amtes entfernt und dessen Einschätzung der allgemeinen Lage bezüglich Indien's falsch ist. So Gott will, gilt dies nur für Indien und nicht auch für Asien allgemein, was zu befürchten ist. Zumindest aber, bringt uns dieses Beispiel den Gedanken nahe dass dt Dilpomatie heute von Amateuren betrieben wird und wie wenig Deutschland in Asien gewichtet ist, wenn man die bekannten Automobilmarken ausser Acht lässt.

Peinlich für uns Deutsche insgesamt; aber mit einem derart vagen Besuchsprogramm reist man als Aussenminister Deutschlands auch nicht nach Indien. Nun erscheint Herr Steinmeier auch immer mehr als Zauderer, Plauderer und unentschlossener Minister, der aus dem Schatten der Kanzlerin einfach nicht hervorkommt. Womit auch? Sehen wir uns sein Engagement für uns im Piratenkampf an: Gesetzt diskutieren, einbringen, besprechen, vor Weihnachten,... In der Zwischenzeit geht die Piraterie munter weiter. Wo bleibt unser Minister? Wieder grübelnd, freundlich, nachdenklich und zaudernd.