Von Hans-Christian Rößler
31. März 2008 Nuri al Maliki hat hoch gepokert, denn er braucht dringend einen Erfolg. Wie ein Feldherr machte er sich gemeinsam mit 30.000 Soldaten vor einer Woche auf den Weg nach Basra. Persönlich leitet er seitdem dort die Militäraktion gegen schiitische Milizen und Kriminelle, die nach seiner Ansicht nicht weniger schlimm als die Terroristen von Al Qaida sind. Drakonische Strafen hatte er ihnen angedroht, sollten sie nicht ihre Waffen abgeben.
Doch die Offensive blieb in den Straßen der südirakischen Hafenstadt stecken: Höchstens ein Unentschieden“ kann Maliki für sich beanspruchen. Das ist um so schmerzlicher für ihn, da er sich und seiner Regierung endlich die Autorität verschaffen wollte, um die er praktisch schon seit seinem Amtsantritt im April 2006 kämpfte. Nachdem die amerikanischen Regierung aus ihrer Unzufriedenheit mit Maliki kein Geheimnis mehr gemacht hatte, lobten Präsident Bush und Oberbefehlshaber im Petraeus den Mut, denn er im Süden gezeigt habe.
Von seiner Koalition ist nicht mehr viel übrig
Letztlich war es aber nicht Maliki, sondern der Schiitenprediger Muqtada Sadr, der mit einem Appell an seine Kämpfer, der Eskalation ein vorläufiges Ende setzte. Maliki konnte seinen schiitischen Rivalen, auch dieses Mal nicht entscheidend schwächen. Aber das war schon zuvor weder den Briten noch den Amerikanern gelungen. Weiter droht dem Regierungschef, zwischen den beiden politischen Schwergewichten im schiitischen Lager zerrieben zu werden: Auf der einen Seite steht Muqtada Sadr mit seiner Mahdi-Miliz; er hat das 2005 erfolgreiche schiitische Wahlbündnis im vergangenen Jahr verlassen und seine Minister aus Malikis Regierung zurückgezogen.
Auf der anderen Seite befindet sich der Oberste Islamische Rat im Irak (SIIC) mit seinen Badr-Brigaden von Abdelaziz Hakim, der weiter der Regierungskoalition angehört. Maliki selbst kann nur wenig Gewicht in die politische Waagschale werfen. Seine Daawa-Partei ist so zerstritten, dass sie sich dreigeteilt hat. An die Spitze der Regierung gelangte er zudem nur als Kompromisskandidat. Und von seiner Koalition der Nationalen Einheit“ ist nicht mehr viel übrig. Auch die Sunniten haben sich mittlerweile zurückgezogen.
Überlebenskünstler Maliki
Seit langem wurde ihm in Bagdad daher sein politisches Ende vorhergesagt. Aber Maliki erwies sich als Überlebenskünstler – wohl auch mangels anderer konsensfähiger Kandidaten. Nichtsdestotrotz zählt aber Maliki zu den wenigen erfahrenen Politikern der ersten Stunde des Iraks nach dem Ende der Baath-Diktatur. Zunächst war er eine der treibenden Kräfte bei der Entbaathifizierung, die er Anfang dieses Jahres wieder zum Teil rückgängig machte.
Später spielte er im Hintergrund während der Amtszeit von Ibrahim Dschaafari, der ebenfalls der Daawa-Partei angehörte, eine einflussreiche Rolle. Wegen seiner Mitgliedschaft in der Daawa-Partei war Maliki noch 1980 zum Tode verurteilt worden. Dem 1950 bei Kerbela geborenen promovierten Arabisten gelang aber die Flucht nach Iran; später lebte er auch in Syrien. Politisch aktiv war seine Familie aber schon zuvor. Sein Vater war während der irakischen Monarchie Erziehungsminister.
Text: F.A.Z.