Irak

Al Qaida bestätigt Zarqawis Tod

Diese Bild von Zarqawi veröffentlichten die Amerikaner im Dezember 2005

Diese Bild von Zarqawi veröffentlichten die Amerikaner im Dezember 2005

08. Juni 2006 Der jordanische Terrorist Abu Musab al Zarqawi ist tot. Ministerpräsident Nuri al Maliki erklärte am Donnerstag auf einer Pressekonferenz, amerikanische Truppen hätten Zarqawi bei einem Luftangriff nördlich von Baquba „ausgeschaltet“. Dabei seien sie von irakischen Kräften unterstützt worden. „Wenn ein anderer Zarqawi auftauchen sollte, dann werden wir auch ihn bekämpfen bis zum Tode“, sagte Maliki. Seine Ankündigung wurde mit Beifall aufgenommen.

Bewohner der Gegend sollen den Sicherheitskräften einen Hinweis auf Zarqawi gegeben haben. Maliki sagte: „Was geschehen ist, ist das Ergebnis der Zusammenarbeit des irakischen Volkes, die eine gemeinsame Operation der Polizei und der multinationalen Streitkräfte erleichtert hat.“ Die Terrororganisation Al Qaida hat den Tod ihres Anführers im Irak bestätigt. Eine der Gruppe nahestehende islamistische Internetseite veröffentlichte am Donnerstag eine entsprechende Mitteilung.

Auch Scheich Abdel Rahman getötet

Der Kommandeur der amerikanischen Truppen im Irak, General George Casey, sagte, man habe Zarqawis Versteck am Mittwoch um 18.15 Uhr Ortszeit aus der Luft angegriffen. Ranghohe Vertreter der Al Qaida im Zweistromland hätten berichtet, daß ihr Führer dort ein Treffen leiten wollte. Irakische Polizisten seien nach dem Angriff als erste vor Ort eingetroffen. Die multinationalen Truppen hätten Zarqawi später anhand von Fingerabdrücken, Fotoabgleichen und Narben identifiziert. Laut Casey wurde bei dem Angriff auch Zarqawis geistlicher Berater Scheich Abdel Rahman getötet.

Zarqawi war einer der meistgesuchten Terroristen und stand auf der Fahndungsliste der Vereinigten Staaten ganz oben. Er führte die Gruppe Al Qaida im Zweistromland, die sich zu Dutzenden Anschlägen, Entführungen und Überfällen bekannte. Darunter waren die Anschläge auf Hotels in der jordanischen Hauptstadt Amman im November 2005, bei denen etwa 60 Menschen getötet wurden.

Zarqawi stammt aus Jordanien und war dort wegen der Beteiligung an Anschlägen in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. (Siehe auch: Porträt: Abu Musab al Zarqawi) Nach Angaben eines jordanischen Regierungsvertreters war auch der jordanische Geheimdienst an der Tötung Zarqawis beteiligt.

„Schlag für Al Qaida im Irak“

Der amerikanische Botschafter Zalmay Khalilzad sprach von einem guten Zeichen für den Irak und den neuen Ministerpräsidenten. Er gratuliere Maliki zu dem Erfolg und rief alle Iraker auf, sich nun hinter ihrem Regierungschef zu einen. In London nannte der britische Premierminister Tony Blair die Nachricht vom Tode Zarqawis einen „Schlag für Al Qaida weltweit“.

General Casey sagte, die Bedrohung sei mit dem Tode Zarqawis nicht zu Ende: Mitglieder der Terrorbewegung „werden weiterhin versuchen, die irakische Bevölkerung zu terrorisieren und ihre Regierung zu destabilisieren.“ Die irakischen und multinationalen Truppen würden sie aber solange weiter jagen, „bis der Terrorismus im Irak ausgerottet ist“.

Baquba liegt 60 Kilometer nordöstlich von Bagdad. Die Stadt gilt als Hochburg von Aufständischen und Extremisten. In den vergangenen Tagen hatte die Polizei dort mehrere Menschenköpfe gefunden, die in Säcken auf der Straße abgelegt worden waren.

15 Tote bei Anschlägen in Bagdad

Bei einem Anschlag auf einen Markt im Osten Bagdads sind unterdessen 13 Menschen getötet und 28 verletzt worden, teilte die Polizei mit. Fast gleichzeitig detonierte eine Bombe in der Nähe einer Polizei-Patrouille ebenfalls im Osten der Hauptstadt. Dabei wurden zwei Menschen getötet und acht verletzt.

Knapp drei Wochen nach Amtsantritt der neuen irakischen Regierung sind am Donnerstag auch die Schlüsselressorts für Verteidigung, Inneres und nationale Sicherheit besetzt worden. Als Verteidigungsminister wurde der Sunnit General Abdul Kadre Mohammed Dschassim vereidigt, die Schiiten Dschawad al Bolani und Scherwan al Waili übernahmen die Ministerien für Inneres und nationale Sicherheit. Die sunnitischen, schiitischen und kurdischen Parteien hatten sich zunächst nicht auf geeignete Kandidaten einigen können.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Sie suchen eine günstige Unterkunft für den nächsten Urlaub? Jetzt Ferienwohnungen und Ferienhäuser finden bei Immowelt.de und FAZ.NET!

FAZ.NET-Spezial

Zarqawis Ende

Getötet im Irak: Abu Musab al Zarqawi

Spezial Der Tod des Terroristenführers Abu Musab al Zarqawi wird kurzfristig vielleicht zu einem Nachlassen der Gewalt im Irak führen, auf längere Sicht aber nicht. Amerikas Präsident Bush tut also gut daran, nicht zu triumphieren.

Irak

Bush: Zarqawis Tod bietet Chance für Wende

Bush: Mit weiterer Gewalt muß man rechnen

Der amerikanische Präsident Bush hat die Tötung des Terroristenführers Abu Musab al Zarqawi als „schweren Schlag“ gegen Al Qaida bezeichnet. Die Gewalt werde aber andauern. Der britische Premier Blair warnt vor Vergeltungstaten.

Abu Musab al Zarqawi

Von Haß getrieben

Amerikanische Soldaten präsentieren Fotos des Getöteten

Er galt als skrupellos und war der meistgesuchte Terrorist im Irak. Wegen seiner Brutalität war Abu Musab al Zarqawi selbst unter Terroristen umstritten. Seine Familie hatte sich längst von ihm losgesagt - „bis zum Tag des jüngsten Gerichts“. Ein Porträt.

Irak

Terrorführer Zarqawi tot

Der irakische Al-Qaida-Führer Abu Musab al Zarqawi ist tot. Laut offiziellen Angaben wurde er nahe der Rebellen-Hochburg Baquba bei einem Luftangriff getötet.

Chronologie

Zarqawis Spur des Terrors

Der entführte Amerikaner Nicholas Berg gehört zu Zarqawis Opfern

Der Jordanier Abu Musab al Zarqawi hat sich zu Geiselnahmen, Attentaten und Anschlägen mit Hunderten Toten im Irak bekannt oder wurde dafür verantwortlich gemacht. Eine Chronologie seines Terrors.

Irak

Zarqawi zeigt sein Gesicht

Ausschnitt aus Zarqawis Video

Der irakische Terrorführer Abu Musab al Zarqawi steht unter Druck: Die arabischen Sunniten versagen ihm ihre Unterstützung. Wegen der Bildung einer neuen Regierung droht sein Spielraum noch kleiner zu werden. Das erklärt seine Flucht nach vorn mit einer ersten Videobotschaft.

Al Qaida

Bricht Bin Ladin mit Zarqawi?

Neue Drohung: Usama bin Ladin

Nach 13 Monaten Schweigen hat sich der Führer von Al Qaida wieder zu Wort gemeldet. Es bleiben Fragen: Deutet die jüngste Botschaft einen Bruch mit der Terrorstrategie seines Stellvertreters im Irak an? Ist Bin Ladin ernsthaft krank oder schwer verwundet?

Terrorismus

Was will Zarqawi?

Diese Bild von Zarqawi veröffentlichten die Amerikaner im Dezember 2005

Seit vielen Monaten hat der Terrorführer im Irak den Al-Qaida-Gründer Usama Bin Ladin aus den Schlagzeilen verdrängt. Der gebürtige Jordanier Zarqawi kämpft für das Kalifat. Die Bomben gegen Amerikaner und Briten sind für die Dschihadisten erst der Anfang.

Terror

Terroranschläge von Jordanien weitgehend aufgeklärt

Legt Ergebnisse der Untersuchung vor - Jordaniens Vize-Premierminister Muasher

Die jordanische Polizei hat nach den Terroranschlägen in Amman eine mutmaßliche Attentäterin verhaftet, deren Sprengsatz beim Anschlag nicht explodierte. Zuvor hatte Jordanien bestätigt, daß Al Qaida für die nun weitgehend aufgeklärten Anschläge verantwortlich sei.

Terrorismus

Der Griff über den Irak hinaus

Jordanier protestieren gegen die Attentate in Amman

Der Terroristenführer Zarqawi, dem jegliche theologische Bildung fehlt, schickt seine Männer nicht nur nach Jordanien. Durch Anschläge versucht er, seinen Führungsanspruch innerhalb von Al Qaida zu festigen.

Anschläge in Amman

Al Qaida bezichtigt sich - mehr als hundert Festnahmen

Zwei Tage nach den Terroranschlägen in Amman hat die jordanische Polizei im ganzen Land mindestens 120 Verdächtige festgenommen. Al Qaida versucht, die Anschläge im jordanischen Amman zu rechtfertigen, und kündigt weitere „katastrophale“ Terrorakte an.

Irak

Kein Ende des Terrors - Zarqawi droht Schiiten

Abermals sind bei mehreren Anschlägen in Bagdad knapp 30 Menschen getötet worden. Der Terrorführer Zarqawi soll den irakischen Schiiten in einer Audio-Botschaft im Internet den „totalen Krieg“ erklärt haben.