Von Barbara Nakaseke, Harare
20. Mai 2008 Wenn Journalisten nicht ins Land gelassen werden, müssen andere ihre Arbeit tun. Ich bin keine Journalistin und suche doch derzeit neben meiner offiziellen Arbeit den Kontakt mit Menschenrechtsorganisationen und besuche kirchliche Veranstaltungen, um zu erfahren, was unter der scheinbar heilen Oberfläche hier in Zimbabwe geschieht.
Gerade komme ich von einem bei den Parlamentswahlen im März frisch gewählten Abgeordneten, der unter normalen Umständen stolz auf sein überzeugendes Wahlergebnis sein könnte. Er ist ein Kriegsveteran, einer der jüngsten, die es von Rechts wegen geben kann, nachdem der Unabhängigkeitskrieg vor 28 Jahren zu Ende gegangen ist. Er hatte nach dem Krieg die Möglichkeit bekommen, in den Vereinigten Staaten zu studieren, und wurde anschließend in der Provinzhauptstadt Bürgermeister.
Es trifft vorwiegend die Landbevölkerung
Nach der Operation Murambatsvina oder Clean-up im Jahr 2005, als Menschen im ganzen Land, auch in der Stadt meines Gesprächspartners, ohne jede Vorwarnung obdachlos geworden waren, bat er die lokalen Kirchen und humanitären Organisationen um Hilfe für die Betroffenen. Das war Grund genug, ihn zwei Tage später seines Amtes zu entheben. Murambatsvina war die erste große Bestrafungsaktion der Regierung gegen das eigene Volk, gegen Menschen, die falsch gewählt hatten.
Die jetzige Situation ist infamer. Diesmal trifft die Bestrafung vorwiegend die Landbevölkerung, mit deren Stimmen die Regierung von Mugabe vormals bei Wahlen immer hatte rechnen können. Mugabe und seine Militärs stehen vor einem Rätsel. Zunächst versuchten sie Zeit zu gewinnen, indem die Verantwortlichen der Auszählungen ins Gefängnis gesteckt wurden. Jetzt werden Militärs in die Dörfer geschickt, zum Beispiel in den Distrikten Nyanga und Chimanimani.
Auf die Frage nach dem Warum meldet sich eine alte Frau: Daran sind die Lehrer schuld, sagt sie. Der Soldat freut sich, Schuldige gefunden zu haben: Was haben die euch denn gesagt?, fragt er. Sie sagten, wir sollten unser Kreuz dort machen, wo wir wollen.
Schlägertrupps auf Lastwagen
Der Soldat schwitzt vor Enttäuschung. Nicht leicht, etwas Kluges darauf zu antworten. Also verlegt er sich auf Drohungen: Mugabe sei jetzt nicht mehr der Präsident, sondern der Herrscher, der Ruler. Bei der Stichwahl hätten sie eine letzte Chance, einen Bürgerkrieg zu verhindern. Dann würden alle, die die Opposition unterstützen, getötet.
Nach den Militärs in neuen Autos folgen die Schlägertrupps auf Lastwagen, die sich trotz ihres jugendlichen Alters auch als War-Vets, als Kriegsveteranen, bezeichnen. Sie haben Listen mit Namen dabei von Leuten, die fertiggemacht werden sollen. Tagsüber stören sie schon mal im Krankenhaus und behindern den Betrieb. Nachts werden Menschen von bewaffneten Schlägern aus ihren Betten geholt, verschleppt, verprügelt, verletzt, getötet. Das trifft besonders die, die sich zu ihrer Mitgliedschaft in der Oppositionsbewegung MDC (Bewegung für demokratischen Wandel) bekannt haben. Sie müssen mit dem Schlimmsten rechnen, sie versuchen, sich zu schützen, indem sie nicht zu Hause übernachten, bewegen sich so unauffällig wie möglich und treffen sich an geheimen Orten.
Diesmal geht es nicht mehr gegen die Weißen
Wenn die War-Vets ihrer nicht habhaft werden können, verschleppen sie auch schon mal die Ehefrau. Morgens findet sie sich dann nackt und mit Blutergüssen übersät im Wald wieder, wie im Nyanga District geschehen. Dem Ehemann drohen sie, dass seine Frau ermordet wird, wenn er nicht an einen bestimmten Ort kommt und sich den Bewaffneten stellt.
Während ich dies schreibe, liegt die Frau noch im Krankenhaus. Eine andere Frau aus Rusape erlag auf dem Weg zu einem privaten Krankenhaus ihren Schussverletzungen, nachdem sie im Regierungshospital der Kreisstadt abgewiesen worden war. Da sich die Polizei weigert, den erforderlichen Bericht zu schreiben, dürfen, so das Gesetz, öffentliche Krankenhäuser die Misshandelten nicht aufnehmen. Die Polizei in Rusape hatte keinen Bericht geschrieben, also gab es keine Behandlung.
Schon im Jahr 2000 bei den damaligen Farmbesetzungen hatten Menschen versucht, sich bei der Polizei in Sicherheit zu bringen, waren aber abgewiesen und getötet worden. Diesmal geht es nicht mehr gegen die Weißen, sondern gegen die Mehrheit der schwarzen Bevölkerung.
Auf Almosen angewiesen
Professionalität und Zivilcourage kann man von Staatsangestellten, wie der Polizei und dem medizinischen Personal der Regierungseinrichtungen, nach so vielen Jahren der Einschüchterung und des nicht hinterfragten Gehorsams offenbar nicht erwarten. Es gibt wenige mutige Menschen, aber es gibt sie, und ich habe allein in den letzten Tagen mehr von ihnen getroffen als in den letzten drei Jahren.
Einfache Farmarbeiter, die nur ihr Wahlrecht in Anspruch genommen haben, wurden und werden verjagt, ihre Hütten mit allem Hab und Gut angezündet. Wie damals bei Murambatsvina gibt es kein Pardon, nicht einmal für Mütter mit wenige Tage alten Säuglingen oder alte Menschen. Viele von ihnen, wie die Menschen in der unmittelbaren Nähe meines Arbeitsplatzes, haben niemanden, zu dem sie gehen können. Ihre Vorfahren kommen aus Malawi oder Moçambique. Sie selbst haben ihr Leben lang auf der Farm gewohnt. Jetzt zu Beginn der kalten Jahreszeit müssen sie nach einigen Nächten im Freien in Zelten des Roten Kreuzes untergebracht werden, in einer Gegend, wo es für sie nichts zu tun gibt und sie auf Almosen angewiesen sind - für Nahrung, Kleidung, Decken, medizinische Versorgung und Schulgeld für ihre Kinder. Die Hilfsbereitschaft war in den ersten Tagen groß. Aber das reicht nicht, die Hilfe wird einen langen Atem brauchen, während die Schuldigen keinerlei Bestrafung befürchten müssen.
Hier sterben Menschen
Was plant die Regierung, nachdem die Präsidentenwahl, von der MDC und Wahlbeobachtern sorgfältig dokumentiert, mit 50,4 Prozent eindeutig zugunsten der MDC ausgegangen ist und sie den Präsidenten stellen müsste? Da die Regierung das auf keinen Fall zulassen will, wurde, um Zeit zu gewinnen, ein zweites Mal ausgezählt. Danach konnte man erst einmal wieder die Auszähler verhaften. Einige von ihnen sitzen seit fast drei Wochen hinter Gittern. Dann wurden die Ergebnisse auf 47,9 Prozent manipuliert. Jetzt also kann es eine Stichwahl geben, sobald die MDC so drangsaliert wurde, dass sie nicht mehr voll handlungsfähig ist.
Im Grunde hat nicht die MDC gewonnen, sagt mein Gesprächspartner, der Parlamentsabgeordnete. Denn unsere Partei hat zwar ein klares Regierungsprogramm herausgebracht und sich auch vor der Landfrage nicht gedrückt. Aber wer weiß schon davon? Als Opposition hatten wir hier ja keinen Zugang zu Radio und Fernsehen. Nein, die Menschen haben den Wechsel gewählt, weil sie die Regierung satthaben, mit ihren korrupten Führern, einer Inflationsrate von mehr als 150.000 Prozent, dem Produktionsstillstand und dem Nahrungsmittelmangel.
Hier sterben Menschen, appelliert mein Gesprächspartner zum Schluss an mich in der Hoffnung, dass es die Welt erfährt. Über seinen Wahlsieg kann sich der Parlamentsabgeordnete nicht freuen. Er ist damit beschäftigt, Hilfe für die Betroffenen zu organisieren.
Wird die MDC an der Stichwahl teilnehmen? Ja, sagt er. Wir wissen, dass wir voraussichtlich betrogen werden. Aber was sollen wir tun? Nicht teilnehmen bedeutet, dass Mugabe als Einziger Stimmen erhält, und das müssen wir verhindern. Wir müssen Präsenz zeigen, selbst wenn stimmt, was manche sagen: dass wir längst nicht mehr von Mugabe, sondern vom Militär regiert werden.
Text: F.A.S.
Bildmaterial: AFP, dpa
