09. Juli 2009 Eine Woche nach Beginn der amerikanisch geführten Großoffensive gegen die Taliban im Süden Afghanistans sind bei einem Anschlag mindestens 25 Menschen getötet worden, darunter auch Schulkinder. Bei der Detonation einer Autobombe auf einem Markt etwa 30 Kilometer südlich der Hauptstadt Kabul seien am Donnerstag 21 Zivilisten und 4 Polizisten ums Leben gekommen, sagte ein Polizeisprecher in der zentralafghanischen Provinz Logar. Der Sprengstoff sei in einem möglicherweise absichtlich umgestürzten Lastwagen unter einer Holzladung versteckt gewesen. Als Dorfbewohner und Polizisten das Hindernis von der Straße räumen wollten, sei der Sprengsatz ferngezündet worden.
Ein Sprecher des afghanischen Bildungsministeriums sagte, mehrere Schüler einer nahen Jungenschule seien bei der Explosion ums Leben gekommen. Zu Opferzahlen machte er keine Angaben. Mehrere Läden auf dem Markt im Distrikt Mohammad Agha seien zerstört worden. Die Wucht der Detonation habe noch in einem Kilometer Entfernung Fenster zerspringen lassen. Zahlreiche Geschäfte im Umkreis der Anschlagsstelle wurden zerstört. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand. Bei einer weiteren Bombenexplosion wurden zwei NATO-Soldaten getötet, wie das Militärbündnis am Donnerstag mitteilte. Ihre Nationalität wurde zunächst nicht bekanntgegeben. Im Süden des Landes sind allerdings vor allem Soldaten aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Kanada eingesetzt.
Zu wenig afghanische Soldaten
Am Donnerstag vergangener Woche hatten amerikanische und afghanische Truppen eine Großoffensive gegen die radikal-islamischen Taliban in der südafghanischen Provinz Helmand begonnen. An der Großoffensive beteiligen sich nach Einschätzung eines amerikanischen Kommandeurs nicht genug afghanische Soldaten. Ich will nichts beschönigen. Wir haben nicht genug afghanische Truppen. Und ich hätte gerne mehr, sagte der Befehlshaber der bei der Offensive eingesetzten amerikanischen Marineinfanteristen in Helmand, Brigadegeneral Larry Nicholson. Würden neben den 4000 Marines auch 4000 afghanische Soldaten statt wie bislang 650 eingesetzt, wäre das Ergebnis nicht zu vergleichen mit dem relativen Erfolg, den wir über die ersten sieben Tage erzielt haben. Ziel der Operation Khanjar (Krummdolch) ist es, Stützpunkte in der Provinz Helmand zu errichten und die Gegend auf Dauer zu halten. Zudem soll in der Unruheregion ein sicheres Umfeld für die Präsidentschaftswahl am 20. August geschaffen werden.
Unterdessen haben sich Bundeswehr-Soldaten im Norden Afghanistans erneut ein Feuergefecht mit Aufständischen geliefert. Die Bundeswehr teilte mit, Soldaten seien nicht verletzt oder getötet worden. Ein deutscher Konvoi sei in der Nacht zu Donnerstag in der Provinz Baghlan aus einem Hinterhalt heraus mit Handfeuerwaffen und Panzerfäusten beschossen worden. Die Soldaten hätten das Feuer erwidert, den Hinterhalt durchbrochen und ihre Fahrt anschließend fortgesetzt. Ein Transportpanzer vom Typ Fuchs sei bei dem Gefecht etwa 45 Kilometer südlich des Feldlagers in Kundus leicht beschädigt worden. Zu möglichen Opfern unter den Angreifern machte die Bundeswehr keine Angaben.
Text: dpa, AP
Bildmaterial: REUTERS