Gewalt

Mexikanische Provinzhauptstadt Oaxaca versinkt in Anarchie

28. Oktober 2006 Nach blutigen Unruhen im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca hat Präsident Vincente Fox Soldaten in die gleichnamige Hauptstadt der Region geschickt. „Die Ereignisse vom Vortag haben gegen die Ordnung und den Frieden der Bürger von Oaxaca verstoßen“, kündigte Fox am Samstagmorgen an. Deshalb ordne er angesichts des seit fünf Monaten andauernden Konflikts in Oaxaca die Entsendung von Soldaten an.

Bei Schießereien in der von Aufständischen besetzten mexikanischen Stadt sind drei Menschen getötet und mehrere verletzt worden. Unter den Toten ist auch ein Journalist aus den Vereinigten Staaten. Der 36 Jahre alte New Yorker Bradley Roland Will, der für den Internet-Nachrichtendienst indymedia.org über die Lage in Oaxaca berichtete, wurde im Bauch getroffen und erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Die Schüsse am Freitag fielen, als bewaffnete Personen eine Straßensperre beseitigen wollten, die von den linksgerichteten Rebellen errichtet wurde. Auch vor dem Sitz der Staatsanwaltschaft von Oaxaca gab es ein Feuergefecht, dabei wurden drei Menschen verletzt. Staatsanwältin Lizbeth Cana machte die Aufständischen für die Gewalt verantwortlich.

Bisher schon neun Tote

Bei den bewaffneten Gegnern handle es sich um aufgebrachte Bewohner der Stadt. Die Rebellen beschuldigten hingegen Gouverneur Ulises Ruiz, die Bewaffneten in die Stadt geschickt zu haben. „Ulises Ruiz versucht, unsere Leute zu massakrieren“, sagte Antonio Garcia aus dem Lager der Aufständischen.

Die Aufständischen verstärkten am Freitag ihre Straßensperren, nachdem die Lehrer des Bundeslands in einer Abstimmung ein Ende ihres vor fünf Monaten beschlossenen Streiks beschlossen hatten. Der Lehrerstreik war Ausgangspunkt des Aufstands gegen die Regierung von Oaxaca, in dem bisher mindestens neun Menschen ums Leben kamen. Anhänger linksgerichteter und anarchistischer Gruppen haben in Stadt im Süden Mexikos Rundfunkgebäude und Zeitungsverlage besetzt sowie die Polizei aus der Stadt vertrieben. Ihre Hauptforderung ist die Ablösung von Gouverneurs Ruiz, was die Bundesregierung in Mexiko-Stadt abgelehnt hat.

Der scheidende mexikanische Präsident Vicente Fox hat angekündigt, die Krise in Oaxaca noch vor dem Ende seiner Amtszeit Anfang Dezember lösen zu wollen. Eine Verhandlungslösung ist bislang jedoch nicht gelungen. Oaxaca gehört zu den ärmsten Bundesstaaten Mexikos. Die wegen ihrer Kolonialarchitektur bekannte gleichnamige Regionalhauptstadt Oaxaca lockte bislang viele Touristen an, die jedoch wegen der monatelangen Unruhen nunmehr vielfach wegbleiben.



Text: FAZ.NET mit Material von AP, Reuters
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS

 
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