Vor dem Nato-Gipfel

Jung: Nicht immer mehr Soldaten für Afghanistan

Jung: „Afghanistan als Lackmustest für die Handlungsfähigkeit der Nato”

Jung: „Afghanistan als Lackmustest für die Handlungsfähigkeit der Nato”

27. November 2006 Verteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU) hat sich gegen eine Verengung der Sichtweise des Konflikts in Afghanistan ausgesprochen. In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Dienstagausgabe) schreibt Jung, der Schlüssel zum Erfolg im Süden und Osten Afghanistans liege nicht darin, den Widerstand mit immer mehr Nato-Truppen niederzukämpfen.

Den notwendigen militärischen Aktionen müßten vielmehr „Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung durch Wiederaufbau (…) auf dem Fuß folgen.“ Den Gegnern müsse durch Entwicklung und die Gewinnung der Menschen die Grundlage ihres Tuns entzogen werden. Dazu müsse, so Jung, die Zusammenarbeit mit Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen besser als bisher aufeinander abgestimmt werden. Konkret sei es notwendig, die Instrumentarien der Vereinten Nationen, der Nato und der Europäischen Union besser miteinander zu vernetzen. „Afghanistan ist der Lackmustest für die Handlungsfähigkeit der Nato und der internationalen Gemeinschaft“, schreibt der Minister in der F.A.Z.

Chrirac will eine „Kontaktgruppe“ für Afghanistan

Chirac: Die Vereinten Nationen als “das einzige politische Forum“

Chirac: Die Vereinten Nationen als "das einzige politische Forum"

Der französische Staatspräsident Chirac hat vor dem Nato-Gipfel in Riga die Bildung einer „Kontaktgruppe“ für Afghanistan vorgeschlagen. Ebenfalls in einem Beitrag für die F.A.Z. schreibt Chirac, diese Kontaktgruppe solle sich am Modell Kosovo-Kontaktgruppe orientieren und einen „erweiterten Dialog und Konsultationen“ ermöglichen, wenn es die militärische Lage erfordere. Mitglieder der Kontaktgruppe sollten die Länder der Region, die wichtigsten Truppensteller sowie internationale Organisationen sein. Die Nato könne sich dann wieder auf ihre militärischen Aufgaben konzentrieren.

Gleichzeitig hebt Chirac jedoch hervor, daß für Paris die Vereinten Nationen „das einzige politische Forum mit universeller Bestimmung“ bleiben. EU und Nato bezeichnet Chirac als komplementär. Angesichts der Fortschritte eines „Europa der Verteidigung“ plädiert er dafür, dem militärischen Operationszentrum der EU einen „permanenten Rahmen“ zu geben.

„Nicht nur auf Amerika verlassen“

Außerdem tritt der Französische Präsident dafür ein, daß den EU-Mitgliedern die Möglichkeit für einen „gesonderten Abstimmungsprozeß innerhalb der Nato“ gegeben wird. Die Europäer, so Chirac, dürften sich nicht länger nur auf den amerikanischen Bündnispartner verlassen. „Sie müssen jetzt ihren Teil der Last übernehmen und einer nationalen Verteidigungsanstrengung zustimmen, die ihren Zielen für die Nato, aber auch für die Europäische Union gerecht wird.“

Unterdessen sind bei einem Selbstmordanschlag im Süden Afghanistans am Montag zwei Nato-Soldaten getötet worden. Ein Sprecher des Militärbündnisses sagte, die Nationalitäten der Opfer seien noch nicht bekannt. Die Mehrheit der Nato-Truppen in der Gegend sind Kanadier. Die radikalislamischen Taliban-Rebellen bekannten sich zur der Tat in der Stadt Kandahar. Der Attentäter griff den Nato-Konvoi auf einer Straße an, an der mehrere Regierungsgebäude liegen. Augenzeugen zufolge fuhr er mit einem Auto zwischen die Fahrzeuge der Soldaten. Das Gebiet sei nun abgeriegelt. Aus einem der Autos stiegen Flammen und Rauch empor.

Text: F.A.Z. / FAZ.NET mit
Bildmaterial: ddp, dpa, REUTERS

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