06. Oktober 2004 George W. Bush und John Kerry hatten sich bei aller Härte der Auseinandersetzung in ihrem ersten Fernsehduell noch mit respektvoller Distanz behandelt. Vizepräsident Dick Cheney und Kerrys 'running mate' John Edwards gingen fünf Tage danach ganz anders zur Sache. In ihrer ersten und einzigen Debatte in der Nacht zum Mittwoch setzten die an einem gemeinsamen Tisch plazierten Vizekandidaten auf den persönlichen Angriff.
Edwards ritt auf Cheneys Verbindungen zum Skandalkonzern Halliburton herum, und Cheney schalt Edwards oberlehrerhaft dafür, im Senat oft abwesend zu sein. Die Kommentatoren der amerikanischen Medien waren sich weitgehend einig, daß das Duell unentschieden ausging.
Entgleisungen im eigenen Lager
Nachdem der Präsident im Fernsehduell eher schwach ausgesehen hatte und Kerry danach in den meisten Umfragen aufholen konnte, hatte Cheney den Auftrag, die Bilanz im Anti-Terror-Kampf und Irak überzeugender zu verteidigen als der Chef. Erschwert wurde ihm die Aufgabe allerdings durch jüngste Entgleisungen im eigenen Lager. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte ausgerechnet kurz vor der Debatte erstmals von fehlenden klaren Beweisen für eine Verbindung zwischen Saddam Hussein und Al Qaida gesprochen, und der frühere amerikanische Zivilverwalter Paul Bremer kritisierte die ungenügende Truppenstärke bei der Invasion im Irak.
Dabei entwickelt sich die Irak-Politik immer mehr zum zentralen Streitpunkt zwischen Republikanern und Demokraten im Präsidentschaftswahlkampf. Edwards übernahm bei der Debatte wörtlich Formulierungen, die Kerry bei der Debatte mit Bush in der Nacht zum Freitag verwendet hatte. Während Cheney immer wieder Kerry angriff, nannte Edwards Bush nur selten beim Namen.
Cheney: Die Welt ist sicherer geworden
Der Demokrat warf der republikanischen Regierung vor, die Lage im Irak zu schönen. Edwards widersprach außerdem der Darstellung, wonach es eine direkte Verbindung zwischen dem gestürzten irakischen Staatschef Saddam Hussein und dem Terrornetzwerk von Usama bin Ladin gegeben habe. Der 51jährige sprach sich dafür aus, so schnell wie möglich mehr irakische Sicherheitskräfte auch im Ausland auszubilden. Darüber hinaus müsse das Tempo beim Wiederaufbau erhöht werden, damit die Iraker greifbare Ergebnisse sehen könnten. Außerdem müßten mehr Alliierte an die Seite Amerikas gebracht werden.
Cheney zeigte sich optimistisch, daß sich der Erfolg im Irak als Kombination aus freien Wahlen und der Bildung einer demokratischen Regierung sowie der weiteren Ausbildung von Sicherheitskräften einstellen werde. Nach den Worten Cheneys ist Welt sicherer geworden, seit Saddam Hussein im Gefängnis sitzt.
Geschäfte mit den Feinden Amerikas
Vizepräsident Cheney hielt während der 90 Minuten langen Debatte Edwards vor, seine politischen Positionen mehrfach gewechselt und bei einer Vielzahl von Sitzungen und Abstimmungen im Senat gefehlt zu haben. Das erste Mal, als ich Ihnen begegnet bin, war heute, als Sie auf die Bühne kamen. Cheney strich außerdem seine langjährige Erfahrung im Staatsdienst heraus. Präsidentschaftskandidat John Kerry und Edwards hätten bei Verteidigungsfragen immer auf der falschen Seite gestanden, sagte Cheney.
Im Gegenzug griff Edwards wie erwartet den Vizepräsidenten wegen dessen Verbindungen zum texanischen Ölservice-Konzern Halliburton an. Cheney sei Vorsitzender des Konzerns gewesen, als Halliburton Geschäfte mit eingeschworenen Feinden Amerikas gemacht habe, sagte Edwards. Außerdem seien unter der Präsidentschaft von Präsident George W. Bush und Vizepräsident Cheney erstmals seit 70 Jahren mehr Arbeitsplätze verloren gegangen als geschaffen worden.
Streitthema Homo-Ehe
Cheney, der eine lesbische Tochter hat, sprach sich für gleichgeschlechtliche Partnerschaften aus. Die Menschen sollten die Freiheit haben, jede Art von Beziehung zu führen. Zu Bushs Drängen auf eine Verfassungsänderung zum Verbot der so genannten Homo-Ehen sagte Cheney: Er macht die Politik in der Regierung, und ich unterstütze ihn. Edwards erklärte, die Cheneys liebten ihre Tochter ganz offenkundig, und er empfinde dafür nichts als Respekt. Aber ich glaube, die Ehe ist etwas für Mann und Frau, und das glaubt auch John Kerry. Wir sollten jedoch nicht die Verfassung benutzen, um unsere Land zu teilen.
Trotz des weithin als enttäuschend eingestuften Auftritts bei seiner ersten Fernsehdebatte mit Senator Kerry vom Donnerstag vermochte Präsident Bush seinen Vorsprung in den Umfragen mehrerer Meinungsforschungsinstitute zu halten. Bush und Kerry werden am Freitag zum zweiten Mal im Fernsehen aufeinander treffen.
Daß Edwards sich letztlich gegen den routinierten Vizepräsidenten behaupten konnte, dürfte den Demokraten aber reichen: Denn der Jung-Senator wahrte damit die günstige Ausgangsposition Kerrys für die folgenden Debatten mit Bush am Freitag und dann am Mittwoch. Kerry zeigte sich denn auch mit der Leistung seines 'running mate hochzufrieden: Absolut spektakulär, war sein Urteil.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa/ AP/AFP / Reuters
Bildmaterial: AP, Reuters