Von Klaus-Dieter Frankenberger
12. Januar 2007 Präsident Bush war vorsichtig genug, seine Ankündigung, zusätzliche Truppen in den Irak zu entsenden, insbesondere nach Bagdad, nicht mit dem Versprechen zu verbinden, damit könne man der Gewalt Herr werden oder einen Bürgerkrieg abwenden.
Es ist ja ein nicht unplausibles Argument der Befürworter eines amerikanischen Truppenabzugs, dass ein solcher Krieg zwischen Sunniten und Schiiten so oder so kommen werde, es also nur um den Zeitpunkt seines Ausbruchs gehe und darum, die Niederlage der Vereinigten Staaten in Grenzen zu halten. Plausibel ist aber auch das Argument, dass ein Abzug die schwachen, von Milizen religiöser Parteien unterwanderten Regierungsinstitutionen vollends kollabieren ließe. Was ein solcher Zusammenbruch für den Irak und für die Region bedeuten würde, kann man sich ausmalen.
Keine Entwicklung ohne Sicherheit
Mehr amerikanische Soldaten in Bagdads Straßen bedeuten mehr Ziele für Insurgenten und Terroristen. Aber angesichts des gegenwärtigen Zustands der irakischen Sicherheitskräfte bieten sie vermutlich auch die einzige Gewähr dafür, dass die nicht gänzlich die Kontrolle übernehmen.
Denn so richtig es ist, dass jede vernünftige Strategie sich nicht allein auf militärische Mittel verlassen kann, so richtig ist auch, dass es Entwicklung nicht ohne Sicherheit gibt, und die können die irakischen Armee- und Polizeikräfte bislang nicht herstellen. Ohne die Amerikaner würden große Teile des Landes im Handumdrehen zur Beute auseinanderstrebender Kräfte. Doch weil der innenpolitische Gegenwind so heftig bläst, hat auch Bush die weitere Präsenz konditioniert.
Dilemma ohne Ausweg
Der Druck auf die Regierung Maliki, endlich selbst mehr Verantwortung zu übernehmen, wird spürbar erhöht. Die Drohung freilich, dass Amerikas Geduld nicht unendlich sei, ändert nichts daran, dass Bush von Malikis Durchsetzungsfähigkeit und Erfolg abhängig bleibt. Das ist ein Dilemma, aus dem kein Weg herausführt.
Aber es ist und bleibt Bushs Fehler, dass die amerikanische Truppenstärke von Beginn an ungenügend war. Dass er ihn nun eingestanden hat, nach all den Opfern, bietet da wenig Trost. Die neue Strategie, die die Empfehlungen der Baker-Kommission und damit von Republikanern, die politisch seinem Vater nahestehen, kühl übergeht, ist vermutlich Bushs letzte Chance, seine Präsidentschaft mit Anstand zu beenden.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung
Bildmaterial: REUTERS