27. August 2007 Fast ein Jahr nach der Ermordung der regierungskritischen Journalistin Anna Politkowskaja hat die russische Justiz den Fall für gelöst erklärt. Hinter der Tat stehe der Anführer einer tschetschenischen Gruppierung, die sich in Moskau auf kriminelle Geschäfte und Auftragsmorde spezialisiert habe, sagte Generalstaatsanwalt Juri Tschaika am Montag.
Bislang seien zehn Verdächtige festgenommen worden. Darunter seien auch Mitarbeiter des Inlandsgeheimdienstes FSB und des Innenministeriums, die die Auftragsmörder mit Informationen über das Opfer versorgt hätten. Die zehn Verdächtigen sollten in sehr naher Zukunft wegen des Verbrechens angeklagt werden, sagte Tschaika weiter. Frau Politkowskaja hatte über Korruption in Russland und über Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien berichtet.
Gefährliche Situation für Journalisten
Präsident Putin hatte im vergangenen Dezember über Fortschritte in den Ermittlungen berichtet. Die besten Fachleute für Strafverfolgung in Russland ermitteln in diesem Verbrechen, sagte er damals. Im Mai hatte Frau Politkowskajas früherer Herausgeber, Dmitri Muratow, erklärt, er sei zunehmend besorgt darüber, dass die Untersuchungen von politischen Motiven getrieben seien. Die Wochenzeitung Nowaja Gaseta, für die Frau Politkowskaja arbeitete, stellt eigene Ermittlungen zu dem Mordfall an.
Anna Politkowskaja, die in mehreren Büchern den russischen Präsidenten offen kritisiert hatte, war am 7. Oktober 2006 in ihrem Haus in Moskau hinterrücks erschossen worden. Frühere Kollegen vermuteten, dass der Mord an der Journalistin im Zusammenhang mit ihren Recherchen über Folter der russischen Behörden und ihrer verbündeten Milizen in der Kaukasusrepublik Tschetschenien stand. Sie war eine der letzten unabhängigen russischen Journalisten, die noch über den Tschetschenien-Konflikt berichteten. Mit ihrer Berichterstattung hatte sie sich international einen Namen gemacht.
Der Mord an Frau Politkowskaja hatte internationale Aufmerksamkeit auf die für Journalisten gefährliche Situation in Russland gelenkt. Nach Angaben des internationalen Journalistenverbandes wurden in Russland seit 1993 mehr als 80 Journalisten ermordet. Bei anderen Quellen ist von mehr als 40 Todesopfern die Rede.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ASSOCIATED PRESS