03. November 2004 Gut drei Wochen nach der ersten Präsidentenwahl Afghanistans ist der amtierende Übergangspräsident Hamid Karzai offiziell zum Sieger erklärt worden. Die Wahlbehörde erkennt Karzai als den ersten gewählten Präsidenten Afghanistans an, sagte ihr Vorsitzender Zakim Shah am Mittwoch in der Hauptstadt Kabul.
Zuvor hatte eine unabhängige Kommission erklärt, die Mängel bei der Wahl vom 9. Oktober hätten das Ergebnis nicht beeinflußt. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gratulierte Karzai auch im Namen des deutschen Volkes und sicherte Afghanistan weitere Unterstützung zu.
55,4 Prozent stimmten für Karzai
Nach dem amtlichen Endergebnis gewann Karzai, der besonders von den Vereinigten Staaten unterstützt wird, 55,4 Prozent der Stimmen. Er konnte sich so bereits im ersten Wahlgang den Sieg sichern. An zweiter Stelle folgte der frühere Erziehungsminister Junus Kanuni mit 16,3 Prozent der Stimmen. Insgesamt waren 18 Kandidaten angetreten. Die einzige Frau unter ihnen, die Kinderärztin Masuda Dschalal, kam auf 1,1 Prozent.
Nach dem afghanischen Wahlgesetz tritt der Präsident 30 Tage nach Verkündung des Ergebnisses - also Anfang Dezember - sein Amt an.
8,2 Millionen Wähler
Schröder schrieb an Karzai, der Wahlgang markiere eine weitere entscheidende Etappe auf dem Weg zu Stabilität und Demokratie in Afghanistan. Die hohe Wahlbeteiligung und der friedliche Verlauf der Wahlen haben uns alle beeindruckt, hieß es weiter. Außenminister Joschka Fischer (Grüne) sprach den Afghanen angesichts der Wahl große Anerkennung und Respekt aus.
Nach Angaben der Wahlbehörde wählten mehr als 8,2 Millionen Afghanen, etwa 40 Prozent davon Frauen. Gut 10,5 Millionen Menschen hatten sich für die Wahl registrieren lassen. In Rebellengebieten im Süden Afghanistans dagegen kam es besonders bei Frauen zu einer teils extrem geringen Wahlbeteiligung. Die radikalislamischen Taliban hatten Wähler und Kandidaten mit dem Tode bedroht. Am Wahltag und während der Stimmenauszählung war es allerdings relativ ruhig geblieben.
Die afghanische Parlamentswahl soll im kommenden April stattfinden.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: dpa/dpaweb