Afghanistan

Entführter Journalist wieder frei

25. Juli 2007 Die angebliche Entführung eines deutschen Journalisten in Afghanistan hat am Mittwoch große Verwirrung ausgelöst. Entgegen vorherigen Mitteilungen der afghanischen Provinzregierung Kunar handelte es sich um einen Dänen afghanischer Herkunft, nicht um einen Deutschen. Er war in der Nacht zum Mittwoch im Osten des Landes verschleppt worden und wurde am Mittwoch freigelassenen.

Der Journalist Kwaja Najibullah berichtete anschließend vor Berufskollegen darüber, wie er von Taliban-Kämpfern aus einer Wohnung in Sangar entführt und wieder freigelassen wurde. „Ich habe ihnen gesagt, dass ich Muslim bin, ich habe gebetet, sie haben mich freigelassen“, sagte Najibullah, der für einen dänischen Fernsehsender arbeitet. Najibullah wollte im Bezirk Watapur Recherchen zu einem Luftangriff der ausländischen Afghanistan-Verbände anstellen, bei dem vor zwei Wochen 23 Zivilisten ums Leben kamen.

Auch das Hamburger Magazin „Stern“ meldete am Mittwochnachmittag schließlich, es handele sich bei dem Freigelassenen nicht wie zunächst vermutet um den „Stern“-Reporter Christoph Reuter. Das Wochenmagazin hatte zuvor bekundet, in großer Sorge um seinen Reporter Reuter zu sein, der sich derzeit privat in Afghanistan aufhalten soll. Am Nachmittag konnte die Redaktion mit Reuter per SMS kommunizieren. Er soll eine Kurzmitteilung geschickt haben mit dem Text: „War nie an dem Ort, bin nicht entführt worden.“

„Unübersichtliches Lagebild“

Provinzgouverneur Shalezai Dedar sagte am Mittwoch, neben dem Dänen seien auch dessen zwei einheimische Begleiter freigekommen; Lösegeld wurde angeblich nicht gezahlt. Die Befreiung der Männer sei mit Hilfe der Dorfbewohner und der Regierungsdelegation gelungen, die in den Ort Sangar entsandt worden war, sagte der Gouverneur.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte, es herrsche ein unübersichtliches Lagebild und eine beunruhigende Situation. Er könne die Freilassung eines deutsches Journalisten nicht bestätigen. Die Bundesregierung sei auch in Sorge um die entführten koreanischen Geiseln. Auch hier gebe es widersprüchliche und besorgniserregende Meldungen.

Verwirrung um Südkoreaner

Nach eigenen Angaben haben die Taliban am Mittwoch eine der 23 südkoreanischen Geiseln getötet. Das Entführungsopfer sei nach dem Ablauf eines weiteren Ultimatums erschossen worden, sagte Sprecher Kari Jussef Ahmadi. Man haben die Leiche im Bezirk Karabach in der Provinz Ghasni zurückgelassen. Sollten die Forderungen der Taliban nicht bis um 1.00 Uhr am Donnerstag (Ortszeit) erfüllt werden, würden auch die übrigen Koreaner getötet. „Das ist die letzte Frist“, sagte Jussuf.

Asiatische Medien berichten unterdessen, dass 8 der 23 in Afghanistan entführten Südkoreaner wieder frei sein sollen. Sie würden derzeit an einen sicheren Ort gebracht, berichtete am Mittwoch die Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf Regierungsbeamte in Seoul. Eine offizielle Bestätigung lag zunächst nicht vor. Ein afghanischer Provinzgouverneur hat diesen Berichten widersprochen. Keine der Geiseln sei frei, sagte Mehrajuddin Patan, Gouverneur der südlichen Provinz Ghasni, in der die Koreaner vor einer Woche entführt wurden.

Die Taliban hatten zuvor bei den Verhandlungen über die Freilassung der Koreaner eine Liste mit acht inhaftierten Gesinnungsgenossen übergeben, die sie gegen die Geiseln austauschen wollten. Die Rebellen hatten dabei abermals mit der Ermordung ihrer Geiseln gedroht. Die einer christlichen Freikirche angehörenden Südkoreaner, von denen 18 Frauen sein sollen, waren am vergangenen Donnerstag in der südlichen Provinz Ghasni entführt worden.

„Naives Verhalten“

Gouverneur Dedar bezeichnete das Verhalten des freigekommenen Journalisten als „naiv“. Die Behörden seien über dessen Besuch in der Gegend nicht informiert gewesen. Sie hätten sonst Schutz gewährt und eine Eskorte gestellt, sagte Dedar. Afghanische Sicherheitskräfte seien nicht in der Gegend. Die Sicherheit von 14 Dörfern sei den Dorfältesten übertragen worden.

In der Region war es in den vergangenen Wochen zu schweren Kämpfen zwischen ausländischen Truppen und den Taliban gekommen. Bei einem Bombardement der von der Nato geführten Internationalen Schutztruppe Isaf waren in Sangar vor knapp drei Wochen nach Angaben des Gouverneurs neben vielen Rebellen auch 27 Zivilisten getötet worden. Die Isaf dementierte das. Überlebende äußerten ihre Wut über die Operation.

Der Terrorismusforscher Rolf Tophoven rechnet unterdessen mit weiteren Entführungen von Ausländern in Afghanistan. „Es werden alle Chancen genutzt werden, um Ausländer in die Hände zu bekommen“, sagte der Leiter des Instituts für Terrorismusforschung in Bonn. Nach Tophovens Ansicht ist eine „Irakisierung“ Afghanistans zu befürchten, auch wenn Politiker diese Gefahr häufig nicht sehen wollten.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: FAZ.NET

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