09. Juli 2009 Zwei Grad Celsius – das hört sich an, wie ein kleiner Temperatursprung. Doch für die Klimakonferenz in Kopenhagen Ende 2009 ist es ein überaus wichtiger Schritt, dass sich die G-8-Staaten darauf geeinigt haben, dass die globale Temperatur nicht stärker steigen darf.
Diese Einigung erleichtert nicht nur den Kompromiss mit Schwellenländern wie China oder Indien, der Kohlendioxid-Ausstoß deutlich steigt, und ihre Emissionen nach Ansicht der Industriestaaten unbedingt verringern müssen; diese Zahl wird es auch einfacher machen, in Kopenhagen ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll auszuhandeln, das 2012 ausläuft. Wenn sich neben der G-8 auch die anderen acht großen Emittenten auf das Zwei-Grad-Ziel einigen, dann ist das der Durchbruch zur Klimarealität“, sagte der Potsdamer Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber der F.A.Z.
Endlich akzeptiert auch Amerika die Zwei-Grad-Marge
Wenn man festlegt, dass die globale Mitteltemperatur gegenüber der vorindustriellen Ära bis zum Jahre 2100 um maximal zwei Grad steigen darf, legt man gewissermaßen fest, welchen Kohlendioxidausstoß die Welt höchstens verträgt und bestimmt somit, wie stark die Staatengemeinschaft mittel- und langfristig die Treibhausgas-Emissionen reduzieren muss, um die besonders katastrophalen Folgen der Erderwärmung zu vermeiden.
Streit gibt es allerdings noch darüber, wie viel die reichen und wieviel die armen Länder tun müssen, um die Emissionen zu vermindern, und wieviel Geld zwischen reichen und armen Ländern fließen muss, damit diese ihren Beitrag leisten. Weil das Zwei-Grad-Ziel eine derart wichtige Stellschraube in der internationalen Klimapolitik ist, hat es auch so lange gedauert, bis nach der EU nun auch Amerika diese Zahl akzeptierte. Weder beim G8-Gipfel in Heiligendamm vor zwei Jahren, noch bei der Klimakonferenz Ende 2007 in Bali tauchte die Ziffer in einem offiziellen Dokument auf. Es gab lediglich eine Fußnote, die auf die Vorschläge der Klimaforscher verwies.
Industriestaaten müssen 80 Prozent ihrer Emissionen reduzieren
Der Weltklimarat (IPCC) hat die Zwei-Grad-Grenze empfohlen, weil er vermutet, dass unterhalb dieser Marke die Kippschalter des Klimasystems nicht umgelegt werden, also gefährliche und unkontrollierbare Folgen der Erderwärmung vermieden werden können. Dazu zählt eine Versauerung der Ozeane, die Austrocknung der Regenwälder, eine mögliche Änderung der Monsumdynamik in den Tropen sowie eine Schmelze des grönländischen Eises. All dies würde nach Ansicht der Forscher geschehen, wenn der Treibhaus-Effekt nicht abgeschwächt und damit die globale Mitteltemperatur um sechs Prozent stiege.
In seinem vierten Bericht 2007 hat der Klimarat kalkuliert, welche Kohlendioxid-Konzentration für eine Erwärmung von zwei Grad zulässig wäre. Daraus wurde abgeleitet, wie sehr bis 2050 die globalen Treibhausgas-Emissionen vermindert werden müssten. Der Klimarat plädiert für eine globale Reduktion um mindestens 50 Prozent bis zum Jahre 2050. Für die Industriestaaten entspräche dies einer Reduktion von etwa 80 Prozent, da sie gegenüber den armen Ländern eine historische Bringschuld seit der Industrialisierung haben.
Keine Einigung auf einen konkreten Zeitplan
Zu dem langfristigen Ziel bis 2050 hat sich auch der amerikanischen Präsident Obama schon mehrmals bekannt. Schwieriger ist eine Einigung auf mittelfristige Ziele bis 2020, weil sie teurer sind. Amerika will nach dem jetzigen Gesetzentwurf, dem der Senat noch zustimmen muss, die Emissionen gegenüber 1990 lediglich um vier Prozent vermindern, weitaus weniger als die EU (minus 20 bis 30 Prozent). Auch Japan und Kanada sind bei weitem nicht so ehrgeizig wie die Europäer. Daher haben sich die G8 nur auf die Formulierung einigen können, die Wende so schnell wie möglich“ zu erreichen. Die Wissenschaftler fordern, dass der Höchstwert der globalen Emissionen 2015 erreicht wird und daher die Industrieländer bis 2020 ihren Ausstoß um 25 bis 40 Prozent vermindern.
Ob die zahlenlose Zusage der Industriestaaten den Schwellenländern reicht, um ihrerseits bis 2020 das Wachstum der Emissionen zu begrenzen, muss man abwarten. Von ihnen wird verlangt, das Wachstum ihrer Emissionen um 15 bis 30 Prozent zu verlangsamen. Um die Aufteilung der Reduktionspflichten wird es bis zur Klimakonferenz in Kopenhagen noch ein Pokerspiel geben. Denn die Kosten dafür sind hoch, auch wenn sie mit einem Prozent des Volkseinkommens weitaus niedriger sind als die Schäden, die bei ungebremsten Klimawandel später drohen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, dpa