09. Februar 2006 Einer der islamischen Schriftgelehrten, die auf einer Rundreise durch den Nahen Osten Mohammed-Karikaturen anprangert hatten, hat zugegeben, daß es sich dabei nicht nur um zwölf Zeichnungen handelte, die in Dänemark erschienen waren. Der Imam Ahmed Akari sagte dem Sender BBC, sie hätten weitere Karikaturen gezeigt, von denen sie geglaubt hätten, daß sie von Extremisten stammten.
Die Nachrichtenagentur AP protestierte derweil dagegen, daß dabei eines ihrer Bilder mißbraucht wurde. Die Imame hatten behauptet, das Bild zeige einen Mann, der den Propheten als Schwein verulkt. Tatsächlich zeigt es einen Mann, der auf einer Landwirtschaftsmesse in Südfrankreich an einem Schweine-Quiek-Wettbewerb teilnimmt. (Siehe auch: Die Herkunft des angeblichen Mohammed-Bildes) Unterdessen dauerten in islamischen Ländern die Proteste gegen die Karikaturen an. (Siehe auch: Ein gefundenes Fressen: Iranische Ajatollahs nutzen Karikaturenstreit)
Ramsauer: EU-Beitritt der Türkei erschwert
In Berlin dankte Bundesinnenminister Schäuble (CDU) dem türkischen Ministerpräsidenten Erdogan für seine mäßigenden Worte im Karikaturenstreit. Zuvor hatte der CSU-Landesgruppenchef Ramsauer gesagt, der Aufruhr in der islamischen Welt zeige, wie wenig berechenbar dieser Teil der Welt sei. Die zum Teil gewaltsamen Proteste in islamischen Staaten würden eine mögliche Integration der Türkei in die EU eher erschweren.
Vertreter von CDU, SPD und Grünen sowie der Türkischen Gemeinde in Deutschland wiesen einen solchen Zusammenhang zurück und sprachen von besonnenem Verhalten der Türkei. Auch der dänische Ministerpräsident Rasmussen steht einer türkischen Vermittlungsinitiative im Karikaturenstreit positiv gegenüber. (Siehe auch: Türkei als Mittler beim Karikaturenstreit?)
In der Bundesrepublik und in der Türkei riefen die beiden auflagenstärksten Tageszeitungen, Bild und Hürriyet, in einem gemeinsamen Kommentar Muslime und Christen zu gegenseitigem Respekt auf.
Den Gesandten Gottes mit Blut verteidigen
In Beirut trugen am Donnerstag mehrere hunderttausend Gläubige während des schiitischen Aschura-Festes Plakate mit sich, auf denen die Karikaturen als Angriff auf die Würde ihrer Gemeinschaft verurteilt wurden. Hizbullah-Chef Nasrallah sagte an Amerika gerichtet: Wir werden den Gesandten Gottes nicht nur mit unserer Stimme, sondern auch mit unserem Blut verteidigen.
Die amerikanische Außenministerin Rice hatte am Mittwoch abend Iran und Syrien vorgeworfen, die Proteste zu instrumentalisieren. Sie sagte in Washington, sie habe keine Zweifel, daß Iran und Syrien die Stimmung bewußt aufgepeitscht haben, um dies zu ihrem Vorteil auszunutzen. Iran wies das als unbegründete Lüge zurück. (Siehe: Iran: Rice' Vorwürfe im Karikaturenstreit sind eine Lüge)
Auch in Indien nutzten schiitische Muslime Aschura-Prozessionen zu Demonstrationen gegen die Karikaturen. In Kapstadt demonstrierten ebenfalls mehrere tausend Muslime.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung/FAZ.NET
Bildmaterial: dpa/dpaweb, F.A.Z.-Mohr
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