Russland

Das Tandem Putin-Medwedjew

Wie unabhängig ist Russlands neuer Präsident? Putin, heißt es, werde die Dienste noch eine Zeitlang kontrollieren, um Medwedjew den Rücken freizuhalten. Es könnte aber andersherum kommen: dass Putin die Machtgewichte verschiebt - ganz ohne Verfassungsänderung. Von Michael Ludwig

Lesermeinungen zum Beitrag

04. März 2008 19:19

Russisches Roulette.....?

wolf haupricht (emilgilels)

Vorweg: Eine Aussage im Kommentar klingt so, als ob sich seit Lenin nichts geändert hätte. Danach ist es hauptsächliche Aufgabe des Präsidenten, das Land zu kontrollieren. (Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser). Von Gestalten ist nicht die Rede. Dafür bleibt tatsächlich keine Zeit (Musse wäre unpassend), weil das Kontrollieren eines riesigen Landes und seiner Führungsorgane volle Aufmerksamkeit erfordert. Nach Sachlage ist Medwedjew von Putin völlig abhängig.
Putin ist sein Gönner, der auch die Früchte seiner Vorarbeit ernten will.
M. muss zunächst beweisen, dass er seine Lektion gelernt hat. Das dauert und das Maß der Eigenständigkeit wird von Putin kontrolliert in dem Maße, dass Kontinuität erhalten bleibt. M. ist daher weitgehend eine Marionette.
Die Zukunft wird es zeigen, vielleicht schon in Kürze, wenn die Kanzlerin die Menschenrechte u.a. auf ihrem Sprechzettel hat.

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04. März 2008 17:45

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Gabor von Zoltan (Putinras)

Dass alleine schon die Tatsache, dass er nicht Präsident geblieben ist, sondern einen Genehmen eingesetzt hat, genügen soll, um Putin vom Verdacht freizusprechen, ein Diktator zu sein, nötigt mir schon ein Schmunzeln ab!

Etwa ebenso schlüssig, als wenn alleine die Feststellung, dass er keinen Schnauzbart trägt, verbieten würde ihn auch nur mit Stalin zu vergleichen.

Doch in einem anderen Punkt muss ich leider beipflichten: Die Russen werden nicht per Dekrekt mündig.

Das Tragischste sind jene "Erweckten", die erst dann merken, was für ein System sie durch ihre unglaublich fatalistische Passivität erst ermöglichen, wenn es sie selber erwischt.

In den Aussagen aller "Systemopfer" der letzten Jahre - sei es Kursk, Nordosttheater, Soldatenmütter, Beslan, etc., etc.... - gibt es stets eine Konstante. In mehr oder weniger ähnlicher Form äussern alle ihr Entsetzen darüber, wie dies in ihrem Staat denn nur geschehen konnte.

Antwort: Durch ihre eigene Passivität. Die Russen kümmern sich einen feuchten Kerricht um ebenjene Dinge, die sie durch etwas Engagement und Verantwortungsgefühl selber verbessern könnten... Indem sie Anteil an den Opfern der Missstände nähmen, BEVOR ebendiese Willkür sie selbst ereilt.

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04. März 2008 16:05

Fortsetzung

Werner Stettner (WStettner)

Ich bin wirlich gespannt, wie sich die seit Jahren betriebene Anti-Russland bzw. Anti-Putin-Propaganda im Westen entwicklen wird.
Den Russen gratuliere ich zum neuen Präsidenten und wünsche Ihnen, dass sie insbesondere amerikanischen Machthunger von ihrem Land fernhalten können.

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04. März 2008 10:14

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Ilja Kalinin (amor-fati)

Mit Medwedew bekommen auch die anderen Staaten eine neue Chance auf Russland (auf gleicher Augenhöhe) zuzugehen. Im Moment sieht es aber so aus, dass man im neuen russischen Präsidenten wieder einmal ein Instrument zur Durchsetzung eigener Interessen sehen möchte. Diejenigen, die sich von Medwedew mehr Zugeständnisse erhoffen, werden daher sehr bald desillusioniert.
Dass sich Medwedew zur mündigen Bürgergesellschaft bekennt, bedeutet auch nicht, dass die Bürger daraufhin mündig werden ... wie wir gut wissen, ist die Unmündigkeit der Menschen selbst verschuldet! Die demokratische Opposition in Russland stellt nur eine avantgardistische Minderheit dar; die Mehrheit der Bürger assoziiert mit liberaler Demokratie nach westlichem Vorbild nichts Positives. Nur 16% der Bevölkerung befürworten die westliche Demokratie und nur 10% haben positive Assoziationen mit dem Begriff "liberale Demokratie" (Levada, Dezember 2006).
So wie ich Medwedew einschätze, wird er allerdings mehr demokratische Reformen wagen. Und hier stellt sich u.a. wieder die Frage, wie man im Westen darauf reagieren wird. Wird man das als Einladung für weitere Forderungen begreifen? Oder bleibt man gelassen realistisch? Vieles hängt auch von den Medien ab...

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04. März 2008 07:27

russische Unberechenbarkeit

Kamil Khadisov (Kkkama)

Russland ist nur dann unberechenbar, wenn in Deutschland statt klare Betrachtung Autosuggestion herrscht. Putin wurde in den letzten Jahren als Diktator und Autokrat tituliert. Wer dem geglaubt hat, muss doch jetzt geradezu über die Unberechenbarkeit Russlands schreien, denn Putin, ist es denn zu fassen, gibt die Macht ab. Wenn Putin so diktarorisch böse war, wie man ihn stets präsentierte, warum ist es denn nicht Präsident geblieben? Vielleicht wußte da Schröder mehr als er ihn als einen "luppenreinen Demokraten" nannte als alle Journalisten Deutschlands?
Ehrlich gesagt, von allen Schurkenplänen wie Putin die Macht behalten könnte, ist der schlimmste aller Schurkenplänen, dem nach, Putin einfach und friedlich irgendwann geht. Das wäre je geradezu die schurkenhafte Unberechenbarkeit!

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