27. März 2008 Mazedoniens Außenminister Antonio Milososki gehört der Führungsspitze der konservativen Demokratischen Partei für die Mazedonische Nationale Einheit von Ministerpräsident Gruevski an. Er wurde 1976 in Tetovo im albanisch dominierten Westen Mazedoniens geboren. Milososki studierte Jura in Skopje sowie Politikwissenschaft in Bonn und Duisburg, bevor er im August 2006 Außenminister seines Landes wurde. Neu in der Politik war er da freilich nicht: Während der Krise 2001, die das Land an den Rand eines Bürgerkriegs zwischen der mazedonischen Mehrheit und Aufständischen aus der albanischen Minderheit brachte, war Milososki Regierungssprecher der damaligen konservativen Regierung in Skopje. Mit ihm sprach Michael Martens.
Griechenland droht, den Beitritt Mazedoniens zur Nato zu blockieren, wenn Ihr Land seinen Namen nicht ändert. Wird Mazedonien nachgeben?
Es ist sehr undemokratisch, einem Menschen, Land oder Volk das Recht auf den eigenen Namen, die eigene Sprache oder die nationale Identität streitig zu machen. Leider setzt Griechenland die Mazedonier seit Jahren unter Druck, sich vom Namen ihres Landes und von ihrer nationalen Identität loszusagen. Zum Glück ist der Name Republik Mazedonien außer für Athen für kein anderes Mitgliedsland der Nato strittig. Zudem ist die Nato ein Bündnis, das sich mit weit ernsthafteren Fragen beschäftigen muss als mit der Benennung von Ländern. Die Nato-Mitgliedschaft Mazedoniens wird eine zusätzliche Stärkung der Stabilität auf dem Balkan bedeuten, was derzeit mit Blick auf das Kosovo und Serbien wichtig ist. Die griechische Drohung mit einem Veto trifft daher weniger Mazedonien selbst als eine der vorrangigen Aufgaben der Nato. Ich hoffe, dass die Vernunft sich durchsetzen wird. Auf jeden Fall ist es gut, dass 1995 von den Regierungen Griechenlands und Mazedoniens eine pragmatische Übergangsvereinbarung zur Zusammenarbeit geschlossen wurde. Darin wurde auch ein Verzicht auf die Blockade eines Beitritts zu internationalen Organisationen vereinbart, solange dieser unter dem provisorischen Namen Frühere jugoslawische Republik Mazedonien erfolgt. Dieser Vertrag wurde von Athen nicht gekündigt.
Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer hat jüngst in Athen gesagt, dass Griechenland in der Nato ein Vetorecht gegen den Beitritt von neuen Mitgliedern habe, es aber kein Beitrittsrecht der Aspiranten gebe. War das ein Wink an Skopje, einzulenken?
Ich bin sicher, dass wir vom Nato-Generalsekretär eine wesentlich passendere Erklärung erhalten hätten, wenn er sie nicht von Athen, sondern von Kabul aus gegeben hätte, wo mazedonische Soldaten Seite an Seite mit griechischen, deutschen, amerikanischen und anderen Truppen dienen. Dort wird kein Unterschied gemacht in der Frage, welches Land de jure und welches de facto Nato-Mitglied ist, da alle für dasselbe Ziel eintreten und sich täglich Gefahren aussetzen. Für niemanden stellt es ein Problem dar, dass wir unsere Soldaten in Uniformen, auf deren Schulterklappen Macedonia steht, in die Isaf entsandt haben.
Laut dem am Mittwoch öffentlich gewordenen jüngsten Vorschlag des UN-Unterhändlers Nimetz soll Ihr Land nun als Republic of Macedonia (Skopje) in die Nato eingeladen werden. Wie ist Ihr Kommentar dazu?
Zu diesem Zeitpunkt diskutieren die mazedonische Regierung, der Präsident und die wichtigsten politischen Parteien des Landes darüber. Ich kann deshalb noch keinen Kommentar dazu abgeben. Für Athen ist es viel einfacher, einzelne Vorschläge zu favorisieren, denn es geht nicht um den Verfassungsnamen Griechenlands. Wir haben bis zu einem gewissen Punkt Verständnis für die griechische Sentimentalität in Bezug auf Makedonien. Deshalb sind wir bereit, einige Vorschläge von Herrn Nimetz als Grundlage für einen bilateralen Kompromiss im Verkehr zwischen Athen und Skopje zu erörtern. Absurd ist aber die Forderung Griechenlands, den Namen des Landes für unsere Kommunikation mit 120 Drittländern zu ändern.
Ist Mazedonien bereit, seine euroatlantische Integration der Namensfrage zu opfern?
Für das Ziel einer möglichst schnellen bilateralen Lösung ist Mazedonien bereit, die Namensfrage direkt mit Griechenland zu erörtern. Aber Mazedonien ist nicht bereit, seine nationale und sprachliche Identität zu opfern. Fast 90 Prozent der Bürger Mazedoniens unterstützen den Beitritt zur Nato, und 92 Prozent wünschen die EU-Mitgliedschaft, weil sie davon überzeugt sind, dass diese Bündnisse die Prinzipien der Demokratie, der Freiheit und des Rechts auf Selbstbestimmung vertreten. Dazu gehört auch das Recht auf den eigenen Namen.
Wird Ihre Regierung in der Namensfrage denn von den Parteien der albanischen Bevölkerung Mazedoniens unterstützt?
Obwohl es vor kurzem aus anderen Gründen zu einer Krise in der Regierungskoalition aus mazedonischen und albanischen Parteien gekommen ist, stehen in der Namensfrage alle politischen Kräfte zusammen, egal ob Regierung, Opposition, Mazedonier oder Albaner.
Ist nicht den Albanern die Mitgliedschaft in Nato und EU wichtiger als der Name des Landes, in dem sie leben?
Kein albanischer Politiker hat die Aufgabe des Namens gefordert. Diese Solidarität wird sich positiv auf das Zusammenleben auswirken und das Vertrauen zwischen den Volksgruppen weiter stärken. Wer den Balkan von gestern nicht vergessen hat, wird aber die Spannungen und möglichen Sicherheitsrisiken in der Region nicht unterschätzen. Eine Handvoll Extremisten träumt noch immer von Großstaaten. Die Erweiterung in Bukarest wird die klare Botschaft senden, dass die enge Geographie des Balkans keinen Raum für ewiggestrige Ideen nationaler Größe bietet und es nur Platz für eine größere Nato und eine größere EU gibt. Je mehr Balkan in der Nato, desto weniger Nato-Einsatz auf dem Balkan.
Einige Entscheidungen der mazedonischen Regierung werden allerdings sogar bei Ihrem Land wohlgesinnten Staaten als unnötige Provokationen gewertet. War es nötig, den Flughafen Skopje nach Alexander dem Großen zu benennen?
Ich bin kein Historiker, wünsche mir aber, dass Griechen und Mazedonier eines Tages bereit sein werden, Alexander den Großen gemeinsam zu feiern, so wie Franzosen und Deutsche Karl den Großen, Charlemagne. Das sind historische Figuren, deren Wirken und Bedeutung die Grenzen eines Staates überschreiten, die Staaten und Nationen zusammenbringen, nicht entzweien sollten. Ich hätte nichts dagegen, wenn von Skopje bis Afghanistan und Pakistan, der Grenze seines historischen Wirkens, mehr Flughäfen Alexander der Große, Megalos Alexandros oder Sikander hießen und die Menschen zusammenbrächten.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP