Gasstreit

Ukrainische Unterhändler in Moskau

Gasspeicher in Hamburg-Reitbrook: Reserven für Kunden in Deutschland

Gasspeicher in Hamburg-Reitbrook: Reserven für Kunden in Deutschland

03. Januar 2006 Rußland und die Ukraine stehen im Gasstreit vor der Wiederaufnahme ihrer zum Jahreswechsel abgebrochenen Verhandlungen. Eine Delegation des ukrainischen Energieversorgers Naftogas Ukrainy flog am Dienstag von Kiew nach Moskau ab, wie die Nachrichtenagentur Interfax meldete.

Der russische Gasprom-Konzern bestätigte, daß man die Ukrainer zu weiteren Verhandlungen erwarte. Gasprom hatte zu Neujahr die Gaslieferungen an die Ukraine gestoppt, nachdem Verhandlungen über drastische Preiserhöhungen gescheitert waren. Die Gespräche finden in der Zentrale des Staatsunternehmens statt.

EU-Kommission fordert Ende des Streits

Zuvor hatte die EU-Kommission Kiew und Moskau zu einer Lösung des Konflikts aufgefordert. „Wir fordern die Parteien auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die beste Lösung wäre natürlich, wenn die Parteien den Streit selbst lösen könnten“, sagte ein Sprecher der Kommission. Wenn sich dies als unmöglich erweise, dann sei „in der sehr komplexen Lage nichts ausgeschlossen.“ Konkretere Angaben zu möglichen Reaktionen der Kommission machte der Sprecher nicht. Für die EU gebe es bislang keine akute Versorgungskrise.

Die russische Regierung hat unterdessen die Europäische Union aufgefordert, gegen die Führung in Kiew zu klagen. Er lege es den europäischen Partner nahe, bei den Ukrainern eine uneingeschränkte Versorgung mit russischem Gas einzuklagen, schrieb Ministerpräsident Michail Fradkow in einem am Dienstag in Moskau veröffentlichten Brief an den östereichischen Bundeskanzler Schüssel, der seit Jahresbeginn den EU-Ratsvorsitz übernommen hat.

Gasprom stellt Versorgung des Westens wieder her

Zwei Tage nach der Eskalation des Gasstreits waren die Auswirkungen auf die Energieversornug der westlichen Länder vorerst weitgehend beigelegt. Österreich und die Slowakei berichteten, die volle Versorgung mit russischem Erdgas sei bis Dienstag morgen wieder vollständig hergestellt worden. Der russische Gasprom-Konzern hatte seinen Kunden in West- und Mitteleuropa am Montag zugesagt, bis Dienstag abend die volle Versorgungssicherheit wiederherzustellen.

Nachdem das vom Kreml kontrollierte Unternehmen seine Gaslieferungen an die Ukraine am Neujahrstag eingestellt hatte, hatten am Montag mehrere Länder über einen Rückgang der durch die Pipelines gelieferten Gasmenge geklagt.

Die Gasprom beschuldigte die Ukraine, am Sonntag und Montag 223,5 Millionen Kubikmeter des für andere Handelspartner bestimmten Erdgases abgezweigt zu haben. Die Regierung in Kiew hatte diesen Vorwurf zurückgewiesen und erklärt, die Drosselung sei darauf zurückzuführen, daß der Druck in den Pipelines wegen der geringeren Liefermenge abgefallen sei.

„Erdgas wieder in der vollen Menge“

Am Dienstag meldeten die Importgesellschaften in Ungarn, Österreich, der Slowakei, Polen und weiteren Ländern die Rückkehr zu den gewohnten Mengen. „Wir haben alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen, damit Europa Erdgas in der vollen Menge erhält“, sagte der stellvertretende Gasprom-Vorsitzende Alexander Medwedjew. Das Staatsunternehmen beschloß, zusätzliche 95 Millionen Kubikmeter Erdgas täglich in die Pipelines zu pumpen. Unternehmenskreise: Ukraine hat Gas abgezapft

Gasprom hatte mit einer Steigerung des Gasexports in Richtung Westen auf die Klagen der Kunden reagiert. Es seien weitere 95 Millionen Kubikmeter in die ukrainischen Pipelines gepumpt worden, sagte Konzern-Sprecher Sergej Kuprijanow am Montag. Die Menge solle jenes Gas ersetzen, das die Ukraine aus Sicht der Gasprom illegal entwendet habe. Die Ukraine bestreitet das. 80 Prozent der für die EU und Südosteuropa bestimmten russischen Gasexporte fließen über die Ukraine.

Auch der Essener Gasimporteur Eon-Ruhrgas teilte mit, von Gasprom wieder die vertraglich vereinbarte Menge zu erhalten. „Der Druck auf den Leitungen ist seit dem Morgen wieder normal“, sagte ein Sprecher des Unternehmens am Dienstag. Noch am Montag hatte es Einschränkungen bei der Lieferung gegeben, die von Eon-Ruhrgas nicht beziffert wurden. Fachleute im Umkreis des Unternehmens gehen davon aus, daß für Westeuropa bestimmtes Gas in der Ukraine abgezapft wurde.

Gasprom bestreitet Exportstopp für Moldawien

Gazprom erneuerte am Dienstag die Vorwürfe, die Ukraine stehle Erdgas aus den Pipelines, durch die der für Europa bestimmte Rohstoff fließt. Der frühere Sowjetstaat habe am Montag 118 Millionen Kubikmeter entwendet, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. „Gazprom wird die Verluste für die europäischen Verbraucher noch einmal ausgleichen, aber so kann es nicht ewig weitergehen. Die Ukraine wird auf jeden Fall dafür bezahlen müssen“, sagte ein Sprecher.

Nach Angaben der Regierung Moldawiens hat Gasprom auch die Lieferungen in die frühere Sowjetrepublik eingestellt. Der vom Kreml kontrollierte Konzern habe den Hahn abgedreht, weil Moldawien seine Zustimmung zu einer Verdoppelung des Gaspreises verweigerte, teilte die moldawische Führung am Montag auf einer Regierungssitzung in der Hauptstadt Chisinau mit. Ein Gasprom-Sprecher in Moskau bestritt den Exportstopp. Man werde sich „in Kürze“ mit Moldawien über den zukünftigen Gaspreis einigen, hieß es.

(Siehe auch: FAZ.NET-Spezial: Der Gasstreit)

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa, dpa/dpaweb

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