15. Mai 2007 Bei heftigen Kämpfen zwischen Angehörigen der Hamas und der Fatah sind am Dienstag in Gaza zehn Menschen getötet worden. Bewaffnete Kämpfer der Hamas griffen am Morgen mit Raketen, Mörsern und Maschinengewehren ein Ausbildungslager der Präsidentengarde von Palästinenserpräsident Abbas an und töteten dabei acht Sicherheitsleute. Zwei Fatah-Kämpfer gerieten unter israelischen Beschuss, als sie in Richtung des nahegelegenen Grenzzauns flüchteten und so das Misstrauen der Soldaten erregten. Einer von ihnen wurde tödlich getroffen.
Die Gardisten hatten den Auftrag, den Warengrenzübergang Karni zu kontrollieren. Der Grenzübergang Karni, der wichtigste Einfuhrweg für Waren nach Gaza, wurde daraufhin geschlossen.
Kassam-Raketen auf Israel
Zuvor war in der Nacht zum Dienstag ein Kämpfer der Hamas von palästinensischen Sicherheitsleuten erschossen worden. Die beiden Fraktionen beschuldigten einander, eine erst am Montagabend geschlossene Waffenruhe gebrochen zu haben. Seit Beginn der Auseinandersetzungen am Sonntag sind in Gaza 18 Menschen ums Leben gekommen.
Am Dienstag wurden auch wieder mehrere Kassam-Raketen von Gaza nach Israel abgefeuert. Der israelische
Online-Dienst ynet meldete, zwei Menschen seien dabei schwer verletzt worden, sieben weitere hätten einen Schock erlitten.
Unter Berufung auf europäische Sicherheitskreise berichtete die Zeitung Haaretz“ am Dienstagnachmittag, 450 Kämpfer der Fatah seien über den Grenzübergang Rafah von Ägypten nach Gaza eingereist, um die Fatah im Kampf gegen die Hamas zu unterstützen. Die Fatah stritt einen Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen ab.
Innenminister zurückgetreten
Angesichts der eskalierenden Situation in Gaza war der palästinensische Innenminister Qawasmi am Montag zurückgetreten. Auf den unabhängigen Qawasmi hatten sich die Fraktionen bei den Verhandlungen zu einer Einheitsregierung im März geeinigt. Sein Scheitern ist ein Zeichen dafür, dass der Machtkampf um die Kontrolle der Sicherheitsdienste nicht vorüber ist.
Er sei bei seinen Bemühungen, die Sicherheitskräfte zu reformieren und unter ein Kommando zu stellen, weder von der Fatah noch von der Hamas unterstützt worden, begründete er seinen Rücktritt. Die Aufgaben des Innenministers hat übergangsweise Ministerpräsident Hanija übernommen.
Solana weist Vorwürfe zurück
Der EU-Außenbeauftragte Solana äußerte sich nach einem Gespräch mit dem palästinensischen Außenminister Siad Abu Amr in Brüssel besorgt über die Lage in Gaza. Nur wenn in Gaza wieder Ruhe einkehre, könne es politische Fortschritte geben, sagte Solana. Vorwürfe der Arabischen Liga, die EU habe mit ihrem Finanzboykott das Chaos in den Palästinensergebieten gefördert, wies er zurück. Abu Amr hingegen wies darauf hin, dass die Wiederaufnahme der europäischen Hilfszahlungen den Palästinensern dabei helfen könne, die chaotische Sicherheitslage zu beenden.
Derweil hat Israels Ministerpräsident Olmert während eines Besuches in Jordanien seine Bereitschaft erklärt, über die Friedensinitiative der Arabischen Liga zu verhandeln. Wenn die Mitgliedstaaten bereit seien, ihn zu Gesprächen ohne Vorbedingungen“ einzuladen, werde er kommen, kündigte Olmert an. Der jordanische König Abdullah forderte von Olmert jedoch zunächst Schritte, die das Leben der Palästinenser erleichtern sollen.
Text: mibo./F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, reuters