Von Klaus-Dieter Frankenberger
07. Mai 2007 Es war der Traum der bunten Blätter: in Deutschland eine Kanzlerin, in Frankreich eine Präsidentin und, wer weiß, im kommenden Jahr auch eine Herrin im Weißen Haus! Aber dieses Triumvirat der Phantasie gibt es nicht.
Die französischen Wähler haben so gewählt, wie es in den Umfragen der vergangenen Tage vorausgesagt worden ist: Nicolas Sarkozy wird neuer Staatspräsident Frankreichs und der Nachfolger Chiracs. Der Neogaullist vollzieht den Generationswechsel an der Spitze des Staates und nicht die Sozialistin Royal, die am Ende eines Wahlkampfes, das Scheitern vor Augen, die Nerven verlor und sich zu düsteren Drohungen hinreißen ließ. Ihr half auch die Mobilisierung neuer Wähler nicht.
Protektionistischer Reformer
Was die hohe Beteiligung an der Stichwahl anbelangt, so haben die Franzosen jene eines Besseren gelehrt, die ihnen politisches Desinteresse und Politikverdrossenheit unterstellten. Für ein solches Dementi war die polarisierende Konstellation Sarkozy-Royal auch besonders geeignet.
Die Mehrheit der französischen Wähler hat sich für einen Mann entschieden, der als Innenminister mit markigen Sprüchen auffiel, der für beherzte Reformen in der Wirtschafts- und Sozialpolitik plädierte. Aber Sarkozy hat auch öffentlich dem Protektionismus gute Seiten abgewinnen können - seine Sprunghaftigkeit hat(te) manchmal etwas bedenkenlos Opportunistisches. So kohärent, wie es zunächst den Anschein hatte, ist Sarkozys Programm der Erneuerung des Landes nicht. Man wird sehen, was er den Franzosen wirklich zumuten wird.
Die Interessen Frankreichs über alles
Und was erwartet die Partner Frankreichs? Ein Präsident, den einige seit Jahren zu kennen glauben und den sie auch deswegen seiner außenpolitisch dilettierenden Rivalin im Stillen vorgezogen haben. Dennoch springt der Umstand ins Auge, dass nicht ein einziger prominenter europäischer Politiker sich mit Sarkozy im Wahlkampf hat sehen lassen.
Worauf seine europäischen Partner sich also einstellen sollten, ist ein Präsident, der die Interessen Frankreichs vor und über alles andere stellen wird und der, was durchaus erfreulich ist, nichts von europapolitischem Doktrinismus hält. Der im deutsch-französischen Verhältnis nicht vor ruppigen Tönen zurückschreckt. Und der mal den Atlantiker und mal das Gegenteil gibt.
Einfacher wird der Umgang mit Frankreich in der Zukunft nicht werden.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, F.A.Z., reuters