20. Juli 2007 Der Fall der zwei verschleppten Deutschen in Afghanistan hat anscheinend doch einen politisch motivierten Hintergrund: Die radikal-islamischen Taliban haben sich laut Angaben mehrerer Nachrichtenagenturen der Entführung der zwei Deutschen bezichtigt und drohen damit, sie zu töten, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt würden. Sie forderten die Bundesregierung und die afghanische Führung ultimativ dazu auf, bis Samstagmittag Kontakt aufzunehmen.
Zudem wurde am Freitag eine Gruppe südkoreanischer Christen entführt. Die Taliban teilten über das Internet mit, die Koreaner seien in der Nähe der Stadt Qarabagh in der südostafghanischen Provinz Ghazni von Kämpfern des islamischen Emirats gefangen worden. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtet, bei den Geiseln handele es sich um einen 44 Jahre alten Priester sowie 20 junge christliche Freiwillige - 13 Frauen und sieben Männer - im Alter zwischen 22 und 37 Jahren. (Siehe auch: Auf Mission: Südkoreanische Christen in Afghanistan entführt)
Jung: Terroristische Aktivitäten
Den beiden deutschen Staatsbürgern gehe es gut, sagte der Taliban-Sprecher Jusuf Ahmadi am Freitag. Die Miliz fordere den Abzug aller deutschen Soldaten aus Afghanistan sowie die Freilassung von gefangenen Taliban. Den beiden Deutschen gehe es gut und sie seien bei uns sicher, sagte Ahmadi. Später drohte er gleichwohl in einem Telefongespräch mit der Deutschen Presseagentur damit, die Geiseln zu töten.
Das Auswärtige Amt hegt Zweifel an der Selbstbezichtigung und verweist auf Widersprüche. Verteidigungsminister Franz Josef Jung sprach gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters allerdings davon, die Bundeswehr dürfe sich von derartigen terroristischen Aktivitäten nicht vom richtigen Weg abbringen lassen.
Es gehe darum, an einer friedlichen und stabilen Entwicklung in Afghanistan mitzuhelfen. Diesen Beitrag werden wir auch weiter fortsetzen, sagte der Minister. Der Einsatz sei risikobehaftet, diene aber der deutschen Sicherheit. Ziel sei es, Gefahren an der Quelle zu beseitigen.
Auswärtiges Amt hält Täterschaft nicht für erwiesen
Das Auswärtige Amt in Berlin hält es unterdessen nicht für erwiesen, dass Taliban die beiden Deutschen entführt haben. Sprecher Jäger sagte am Freitag, man habe zwar die jüngste Äußerung eines angeblichen Sprechers der Taliban zur Kenntnis genommen. Aber im Raum stehe auch noch eine gegenteilige Erklärung vom Vortag. Darin habe ein Sprecher darauf hingewiesen, dass die entführten Deutschen nicht in der Hand der Taliban seien. Hier besteht ein Widerspruch, sagte Jäger.
Laut Auswärtigem Amt handelt es sich bei den beiden entführten Deutschen um Mitarbeiter eines in Kabul ansässigen Unternehmens. Sie werden seit Mittwoch in der südwestlich von Kabul gelegenen Provinz Wardak vermisst. Das Ministerium hatte sich nur vorsichtig zu Details und Hintergründen geäußert. Insbesondere über Herkunft, Beschäftigung und Alter der Geiseln wurden keine näheren Angaben gemacht. Auch eine Aussage, ob es sich bei den Entführern um politisch oder religiös motivierte Kriminelle handelt, wurde vermieden.
Mit Augenmaß und Gelassenheit
Jäger hatte am Donnerstag gemahnt, Informationen über den Fall mit Augenmaß und einer gewissen Gelassenheit zu begegnen. In Afghanistan gebe es Leute, die den Kontakt mit der Presse nicht scheuten. Dabei würden Aussagen gemacht, denen nicht zu trauen sei.
Nach Informationen der ARD sind die Opfer Bauingenieure, die Entwicklungsprojekte im Auftrag der UN betreuten. Fünf zu ihrem Schutz bestimmte Polizisten hätten bei der Verschleppung die Waffen niedergelegt und seien geflohen. Die Entführung habe sich in derselben Gegend ereignet, in der jüngst ein Fahrzeug der deutschen Botschaft beschossen worden sei.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa, reuters