60 Jahre Israel

Israelis feiern, Palästinenser protestieren

08. Mai 2008 Ungeachtet der anhaltenden Unsicherheit im Nahost-Friedensprozess hat Israel am Donnerstag kräftig gefeiert. Zum 60. Jahrestag der Staatsgründung gab es im ganzen Land zahllose öffentliche Veranstaltungen, Konzerte und private Grillpartys.

Die Feiern zum Unabhängigkeitstag begannen bereits am Mittwoch. Am Abend drängten sich Tausende von Menschen auf dem Jerusalemer Zionsplatz, um das jedes Jahr dort stattfindende Feuerwerk mitzuerleben. Während des zentralen Festaktes sagte Parlamentssprecherin Dalia Itzik, dass Israel Frieden für die eigenen Kinder, aber auch die Kinder der Palästinenser wolle.

Palästinenser protestieren

Höhepunkt der Feiern ist in der nächsten Woche eine Konferenz in Jerusalem, zu der der amerikanische Präsident George W. Bush, der internationale Nahost-Beauftragte Tony Blair sowie führende Manager erwartet werden. Dabei gehe es auch um die Zukunft Israels als High-Tech-Standort, sagte Staatspräsident Schimon Peres. „Wir sind klein an Größe und Zahl, daher können wir kein großer Markt werden. Aber Israel kann ein kühnes Labor werden.“

Happy Birthday, Israel! Feiernde in Jerusalem Junge Fahnenträgerin Flugshow vor dem Strand von Tel Aviv Tausende von Menschen drängten sich auf dem Jerusalemer Zionsplatz

Im Westjordanland und im Gazastreifen wurde der Jahrestag als Trauertag begangen, weil bei der Staatsgründung Israels mehrere hunderttausend Palästinenser entwurzelt wurden. In Bethlehem folgten etwa 500 Demonstranten einem riesigen Schlüssel, mit dem die Hoffnung der Flüchtlinge symbolisiert werden sollte, eines Tages in ihre Heimatdörfer in Israel zurückzukehren. Während der Feiertage war Palästinensern die Einreise nach Israel aus Angst vor Anschlägen untersagt.

Der palästinensische Ministerpräsident Salam Fajjad sagte zum Tag der „Nakba“ (Katastrophe) in Ramallah, bei den Nahostgesprächen mit Israel gebe es vielfältige Probleme. Umsomehr verfolgten die Palästinenser ihren Traum der Unabhängigkeit und des „Rechts auf Rückkehr der Flüchtlinge“.

Peres optimistisch

Staatspräsident Schimon Peres hingegen blickt optimistisch in die Zukunft des Landes. „Wir haben alles erreicht, was man erreichen kann, denn unsere Zukunft ist reicher als unsere Vergangenheit“, sagte Peres in einem Zeitungsinterview.

Das israelische Staatsoberhaupt lobte in dem Interview die ertragreiche Landwirtschaft, die militärisch erfolgreiche Armee und die fortschrittliche Industrie. Israel habe gelernt, dass es nicht ausreiche, nur auf sein Land zurückzukehren. „Man muss auch wettbewerbsfähig sein in Wissenschaft und Technologie. Und das sind wir“, wird Peres zitiert.

Auf die Frage, was er sich zum 60. Jahrestag von den Deutschen erwarte, antwortete Peres: „Ich wünsche mir, dass die Schatten der Vergangenheit nie wieder zurückkehren“. Bundespräsident Horst Köhler hatte den 60. Jahrestag der israelischen Staatsgründung zuvor als „für uns Deutsche ein besonderer Anlass zur Freude“ bezeichnet. Der Weg zur „engen Verbundenheit“ zwischen Israel und Deutschland sei lang und steinig gewesen.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, dpa, REUTERS

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