Christoph Blocher

Im Gespräch: Christoph Blocher

„. . . dem wird der Kopf abgehauen“

Mit griffigen - aber umstrittenen - Parolen hat Christoph Blocher die rechtskonservative SVP zur stärksten Kraft der Schweiz geformt. Bei der Wiederwahl um einen Regierungssitz ist er dennoch gescheitert. Im Interview mit der Sonntagszeitung spricht er über gescheiterte Revolutionen und Misstrauen als Bürgerpflicht.

Lesermeinungen zum Beitrag

11. April 2008 21:04

Blocher schlägt selber einen Kopf ab

Pius Bichsel (Bichsel)

Für einen Schweizer ungewöhnlich jovial gibt sich Alt-Bundesrat Christoph Blocher in Ihrem Interview. Zur Zeit schlägt er aber mächtig selber jemandem den Kopf ab: Bundesrätin (Minsterin) Eveline Widmer-Schlumpf, Tochter des SVP-Parteigründers und alt-Bundesrates Leon Schlumpf. Obwohl man Bundesrätin Widmer-Schlumpf kaum als "links" einstufen kann - sie will das Schweizer Asylrecht weiter verschärfen - so hat sie einfach einen Fehler: sie hat die verfassungsrechtlich korrekte Wahl des Parlamentes angenommen und damit Blochers Wiederwahl für vier Jahre vereitelt. Das ist objektiv ihr einziger Fehler. Nun wird ihr Parteischädigung unterstellt und ihre Kantonalpartei wird vor ein Ultimatium gestellt: entweder Frau Widmer-Schlumpf aus der Partei ausschliessen oder die ganze kantonale SVP Sektion des Kantons Graubündens (=Bundesland) wird als ganze aus der SVP Schweiz verstossen und es wird eine Blocher- treue Parteisektion gebildet. Dieses harsche Vorgehen, das an Sippenhaft erinnert, wird auch von sehr vielen Parteimitgliedern der SVP nicht mehr verstanden. Zudem haben über 10 000 Personen aus der ganzen Schweiz heute in Bern für Resekt und Anstand gegenüber Widmer Schlumpf demonstriert. Dies ein Blick aus Schweizer Warte!

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06. April 2008 10:18

Den Luxus kann sich die Schweiz leisten

arthur hund (arturhund)

Die Schweiz kann sich den Luxus leisten, eine isolationistische Position wie die Bliocher´s hoch zu halten. Ihre Geschichte (200 Jahre nicht in Kriege verwickelt), und ihre geografische Position (mitten und geschützt in der seit 60 Jahren politisch und wirtschaftlich stabilsten Region der Welt - der EU) erlauben ihr, sich nicht als verantwortlich für alle Probleme im Rest der Welt zu betrachten.

Blocher EU - Kommissar: Das wären 5 Jahre tägliche Schlagzeilen. Zunächst ist es also schon einfacher, wenn die Schweiz nicht Mitglied der EU ist.

Wenn die Schweiz nicht von Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich umgeben wäre, sondern zwischen Serbien, der Ukraine, Kroatien und Georgien liegen würde, dann hätte vielleicht auch Herr Blocher einen stärkeren Wunsch danach, sich der Solidarität einer grösseren Gemeinschaft zu versicheren.

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06. April 2008 09:22

„Ich habe den Zuspruch Gottes“

gisbert heimes (gisbert4)

Blocher hat auf der ganzen Linie recht. In seinem geschlossenen Weltbild gibt es keinerlei Brüche. Und die Schweiz erklären ist einfach: nicht mal Hitler hat sie angetastet.

Er weiß, daß es darum geht, für sich und seinesgleichen dieses Refugium zu erhalten. Es ehrt ihn, daß er das - im Gegensatz zu den 'weichgespülten' Politikern in den westeuropäischen Demokratien - ohne Heuchelei klar rüber bringt.

Doch jenseits der Schweizer Berge gibt es auch noch eine Welt. Und auf die läßt sich sein Modell leider nicht übertragen.

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05. April 2008 22:47

So wenig von seinem Schlage

Wolf Waschkuhn (wwaschkuhn)

Man wünschte sich deutsche Politker wie Christoph Blocher - wirtschaftlicher Sachverstand, erfolgreich, weltoffen und deswegen in der Lage und willens konservative und christliche Werte ohne Einknicken gegenüber aggressiven Minderheiten wie den Muselmanen zu vertreten, ohne Schnörkel. Der brandenburgische CDU Politiker kommt ihm wohl am nächsten, leider hat die CDU viel zu wenig vom Schlage dieser beiden.

Ein exzellent geführtes Interview, so sollte die FAZ sein.

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05. April 2008 22:38

Kein Raster

Gabor von Zoltan (Putinras)

Tja; er ist halt einfach in kein Raster zu zwängen.

Der Vergleich mit LePen oder auch nur Haider verunglimpft ihn (und übrigens zugleich das CH-System an sich) zu Unrecht.

In jeder Podiumsdiskussion als Justizminister ist neben seinem vifen Geist, auch seine Kompetenz aufgeblitzt: Ich habe kaum einen Bundesrat - also in D: Minister - erlebt, von dem so viel Sachverstand rüberkam; der sich auch in einzelnen Dossiers auskannte und entsprechend klar (eben: unverschnörkelt und ohne überflüssiges Füll-Blabla) argumentieren konnte. Die plumpen Anwürfe, die ihn einfach als Xenophoben bezeichneten, griffen stets zu kurz (schon angesichts der vielen Gastarbeiter, die sein eigenes Imperium mitaufbauten).

Demagoge nein... Demagogisch durchaus. Auch in diesem Interview. Schade, dass der Gesprächspartner hier wohl etwas zu wenig heimisch war im CH-Politkgeschehen, um mit entsprechenden Fragen zu kontern.

Seine Abwahl als Resultat einer Intrige darzustellen; gar als Versuch, die SVP um die Früchte des Sieges zu bringen, ist haltlos:

Die SVP stellt den entsprechenden Bundesratsposten. Bloss eben nicht ihn... Ganz schweizerisch! Weil er dies nun nicht akzeptiert, spaltet er gar (ganz unschweizerisch!) sog.die eigene Partei; die SVP.


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