Indonesien

Neun Tote bei Anschlägen auf Hotels

Hotelgäste werden nach dem Anschlag aus dem Ritz-Carlton gebracht

Hotelgäste werden nach dem Anschlag aus dem Ritz-Carlton gebracht

17. Juli 2009 Bei Bombenanschlägen auf zwei Luxushotels in der indonesischen Hauptstadt Jakarta sind mindestens neun Menschen getötet und 50 verletzt worden. Die Sprengsätze detonierten am Freitagmorgen im Hotel Ritz-Carlton und im benachbarten Hotel Marriott. Die beiden Hotels befinden sich in dem Geschäftsviertel Kuningan und galten als besonders gut geschützt. Sie wurden deshalb häufig von Ausländern für Geschäftstreffen genutzt.

Unter den Toten sollen mindestens vier Ausländer sein, wie das Sicherheitsministerium mitteilte. Mehrere weitere Ausländer wurden verletzt. Es sei mit höheren Opferzahlen zu rechnen, sagte ein Polizeisprecher, da viele Menschen lebensgefährlich verletzt wurden. Der neuseeländische Premierminister John Key bestätigte, dass einer der getöteten Ausländer aus Neuseeland stammte. Ob auch Deutsche unter den Opfern sind, wurde zunächst nicht bekannt.

„Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen“

Die Bundesregierung verurteilte die Bombenanschläge „aufs Schärfste“. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verlangte am Freitag: „Die Täter und Hintermänner dieses Anschlags müssen gefasst und zur Rechenschaft gezogen werden.“ Regierungssprecher Ulrich Wilhelm ergänzte, die Staatengemeinschaft werde durch die Anschläge nur darin bestärkt, im Kampf gegen den internationalen Terrorismus nicht nachzulassen.

Auch die Vertreter der Europäischen Union verurteilten die Anschläge. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso schrieb in einer Pressemitteilung: „Ich bin schockiert über diese furchtbaren Terrorakte gegen unschuldige Zivilisten, die meisten ausländische Touristen.“ Barroso forderte ebenfalls, die Verantwortlichen für diese „schändlichen Verbrechen“ müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana sagte: „Dies war auch ein Anschlag auf die indonesische Demokratie. Unsere Gedanken sind bei den Familien der Opfer, und wir wünschen den Verletzten eine schnelle Genesung.“

Weiterer Sprengsatz entdeckt

Nur wenige Stunden nach den Explosionen entdeckten Sicherheitskräfte einen weiteren Sprengsatz, der nicht detoniert war, in einem Raum des Marriott-Hotels. Präsidentenberater Dschali Jusuf sagte, Fachleute hätten den Blindgänger kontrolliert zerstört.

Die Fassade des Ritz-Carlton wurde von der Wucht der Detonation weggerissen. Die Straße vor beiden Hotels war von Trümmern übersät. Nach Augenzeugenberichten ereignete sich die erste Explosion im Marriott, die zweite folgte etwa fünf Minuten später im Ritz-Carlton. Dort sollte am Wochenende die Fußballmannschaft von Manchester United untergebracht werden, die zu einem Freundschaftsspiel in Jakarta erwartet wurde. Das Spiel sagte der Club am Freitag ab, die anderen Spiele in Malaysia, China und Südkorea sollen aber wie geplant stattfinden.

Eine weitere Explosion auf einer Mautstraße im Norden Jakartas wurde laut Angaben der Polizei nicht durch eine Bombe, sondern durch eine defekte Autobatterie ausgelöst. Dabei sei ein Insasse des zerstörten Kleinlasters ums Leben gekommen. Der Fernsehsender TV One hatte zuvor unter Berufung auf die Polizei berichtet, dass in dem Viertel Muara Angke eine Autobombe hochgegangen sei.

Das Hotel Marriott war 2003 schon einmal Ziel eines Anschlags. Damals wurden zwölf Menschen getötet. Für die Tat wurde das südostasiatische Terrornetz Jemaah Islamiyah verantwortlich gemacht, das auch hinter den Anschlägen in Bali im Jahr 2002 steckte. In Indonesien gab es seit drei Jahren keinen größeren Terroranschlag mehr.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS

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