Kostbares Öl (5)

Wer profitiert vom hohen Preis?

Von Gerald Braunberger

03. Januar 2008 Die großen westlichen Ölkonzerne vereinnahmen märchenhafte Gewinne. Die amerikanische Exxon erzielte als Branchenführer im Geschäftsjahr 2006 bei einem Umsatz von 365 Milliarden Dollar einen Reingewinn von 39,5 Milliarden Dollar. Von der seit Jahren hervorragenden Ertragslage profitieren nicht zuletzt die Aktionäre: Im Zeitraum 2002 bis 2006 hat Exxon in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen 92 Milliarden Dollar an seine Eigentümer ausgeschüttet. Der Unternehmenswert von Exxon beträgt beim gegenwärtigen Aktienkurs knapp 500 Milliarden Dollar.

Das sind beeindruckende Zahlen, mit denen der amerikanische Konzern westliche Konkurrenten wie BP, Royal Dutch-Shell oder Total auf Distanz hält. Nicht so beeindruckend wirkt Exxon, wenn man den Konzern mit der staatlichen saudi-arabischen Ölgesellschaft Aramco vergleicht. Aramco veröffentlicht keine Umsatz- und Gewinnzahlen, wohl aber Fördermengen. Diese betragen mehr als 500 Millionen Tonnen Öl im Jahr und übertreffen die Vergleichszahl von Exxon um das Vierfache. Aramco ist nicht an der Börse notiert; der Wert der Gesellschaft wurde von einem Consultingunternehmen vor einiger Zeit auf 800 Milliarden Dollar geschätzt. Da der Ölpreis seitdem deutlich gestiegen ist, dürfte Aramco heute noch einmal mehr wert sein.

Keine untypische Geschichte

Die Geschichte von Aramco ist nicht untypisch für eine staatliche Ölgesellschaft in Schwellenländern. Im Jahr 1944 gegründet, gehörte Aramco lange Zeit vier amerikanischen Ölkonzernen, ehe die saudische Regierung das Unternehmen in den siebziger Jahren verstaatlichte. Seitdem fließen die saudischen Petrodollar überwiegend in die Kassen des Staates. Die Aramco ist kein Einzelfall: In vielen Ländern vor allem des Mittleren Ostens – aber auch China, Russland und Venezuela gehören hierzu – fließt das Geld aus dem Verkauf von Öl überwiegend in die Kassen der Staaten.

Wer Aramco den Rang des teuersten Unternehmens der Welt streitig machen könnte, ist China Petroleum. Als die Aktien des chinesischen Monopolisten vor einiger Zeit in den Handel an der Börse Schanghai eingeführt wurden, errechnete sich auf der Basis des Eröffnungskurses ein Unternehmenswert von nahezu 1000 Milliarden Dollar. Da in Schanghai nur wenige Aktien gehandelt werden – der Staat hält weiterhin den größten Teil des Kapitals –, ist diese Bewertung nur eingeschränkt aussagekräftig.

In den Förderländern entsteht Macht

Generell ist eine Machtverschiebung von den westlichen Ölkonzernen hin zu den Förderländern zu konstatieren. Dies wird deutlich am Beispiel Russlands, des nach Saudi-Arabien zweitwichtigsten Förderstaats der Welt. Die russische Regierung hat nach 1989 zunächst westliche Ölkonzerne willkommen geheißen, weil sie auf deren Technologie und Finanzkraft angewiesen war, um weitere Ölquellen zu erschließen. In der Folge hat Moskau darauf geachtet, den Einfluss der westlichen Konzerne zurückzudrängen. In Venezuela hat Präsident Hugo Chávez den Einfluss des Staates auf die Ölwirtschaft, die ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet, vergrößert.

Aus dem Zustrom an Petrodollar entsteht in den Förderländern Macht – etwa, wenn es um die Frage geht, in welcher Währung die Ölgelder angelegt werden. Die Schwäche des Dollar erklärt sich zum Teil aus der Neigung der Ölländer, einen größeren Teil ihrer Gelder nicht länger in Dollar anzulegen.

Zu Frage 6: Was geschieht mit den Petrodollars?



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP

 
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