Irak

Petraeus: Kämpfe in Basra Zeichen für Fortschritt

Von Hans-Christian Rößler, Bagdad

27. März 2008 Der amerikanische Oberbefehlshaber im Irak, Petraeus, und der amerikanische Botschafter in Bagdad, Crocker, sehen große Fortschritte beim Aufbau der irakischen Armee. Mit Blick auf das Vorgehen der Streitkräfte in der südirakischen Hafenstadt Basra sagte General Petraeus am Donnerstag der F.A.Z. in Bagdad: „Dazu wären die irakischen Streitkräfte vor sechs Monaten alleine noch nicht in der Lage gewesen.“

Die seit Montag andauernde Offensive gegen Kriminelle und radikale Schiiten in der Hafenstadt im Süden des Landes habe die irakische Regierung alleine geplant und ausgeführt, sagte Petraeus. Die ausländischen Koalitionsstreitkräfte hielten nur Unterstützung in Form von Flugzeugen und Fahrzeugen bereit.

Botschafter Crocker misst der Militäraktion in Basra weitreichende Bedeutung bei. „Die Regierung setzt die Autorität des Staates gegenüber den Milizen durch. Die Armee und die nationale Polizei sind dazu in der Lage. Das zeigt, was sich im Irak verändert hat“, sagte der Diplomat, der am 8. April zusammen mit Petraeus vor dem Kongress in Washington einen weiteren Bericht zur Lage im Irak nach dem Beginn der amerikanisch geführten Militäroffensive im Großraum Bagdad vor gut einem Jahr vorlegen wird.

Petraeus: Militäraktionen nicht gegen Sadr gerichtet

In Basra und Bagdad dauerten die Kämpfe am Donnerstag an. Auch aus Hilla, Kut, Kerbela und Al-Amara wurden gewaltsame Auseinandersetzungen gemeldet. In Bagdad wurden die „Grüne Zone“ und ein amerikanischer Militärstützpunkt südöstlich der Hauptstadt beschossen. Im schiitischen Stadtteil Sadr-City haben bewaffnete Iraker nach Angaben eines Anhängers der schiitischen Mahdi-Miliz amerikanische Soldaten angegriffen, nachdem diese die Zufahrtsstraßen zu dem Viertel abgeriegelt hätten.

In Basra sind nach Agenturberichten bei einem Sprengstoffanschlag auf den Polizeichef drei seiner Leibwächter getötet worden. Westlich der Stadt wurde eine Ölpipeline bei einem Bombenanschlag beschädigt. Mittlerweile sollen die ausländischen Mitarbeiter der in Basra arbeitenden Ölfirmen ihre Arbeitsplätze verlassen haben. Bewohner der Stadt berichteten von ersten Engpässen bei der Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln. In Hilla, 100 Kilometer südlich von Bagdad, griff die amerikanische Armee nach Polizeiangaben mit Hubschraubern Kämpfer der Mahdi-Miliz an.

Ausgangssperre in Bagdad

Inzwischen ist die Gewalt auch in der südirakischen Stadt Nassirija eskaliert. Aus Sicherheitskreisen in der Stadt, die 350 Kilometer südlich von Bagdad liegt, hieß es, die Mahdi-Milizi hätte unter anderem eine Spezialeinheit der Sicherheitskräfte und das Gebäude der Kommunalverwaltung attackiert. Mehrere Milizionäre seien festgenommen worden.

Angesichts der heftigen Gefechte haben die Behörden eine mehrtägige Ausgangssperre für Bagdad verhängt. Die Maßnahme gelte vom späten Donnerstagabend bis Sonntagmorgen, berichtete die irakische Nachrichtenagentur Aswat al- Irak unter Berufung auf Behördenangaben.

General Petraeus sagte der F.A.Z., dass sich das militärische Vorgehen in Basra wie auch in Bagdad nur gegen Kriminelle und Radikale richte, die behaupteten, auf Seiten des Schiitenpredigers Muqtada Sadr zu kämpfen, nicht gegen diesen selbst und seine Anhänger. Er lobte, dass die Bewegung Sadrs ihre Mitglieder in diesem Konflikt weiter zu Zurückhaltung aufrufe.

Sorge über „ziemlich negative Rolle“ Irans

Besorgt äußerten sich Petraeus und Crocker über die „ziemlich negative Rolle“, die Iran weiterhin spiele, wie es der amerikanische Botschafter formulierte. Im Umfeld von Sadrs Mahdi-Miliz gebe es Gruppen, die mit iranischer Hilfe aufgebaut worden seien, von dort Unterstützung erhielten und eigenständig aktiv seien. Sie seien in Bagdad auch seit Sonntag an den Angriffen auf die sogenannte Grüne Zone beteiligt gewesen; es waren nach Monaten relativer Ruhe die heftigsten Angriffswellen mit Raketen und Mörsergranaten. Nach Petraeus' Worten verwendeten die Extremisten auch Raketen, die in Iran hergestellt worden seien.

Amerikanische Soldaten hätten sich in den vergangenen Tagen zurückgehalten und das Schiitenviertel Sadr City nicht bombardiert, von wo ein Großteil der Raketen abgefeuert wurde: „Wir wollen uns nicht provozieren lassen und das Leben von unbeteiligten Zivilisten nicht gefährden“, sagte Petraeus. Gemeinsam mit den irakischen Sicherheitskräften gehe man aber weiter im Rahmen des Sicherheitsplans gegen Kriminelle und Extremisten vor.

Crocker und Petraeus werteten es als ein ermutigendes Zeichen, wie sehr die Bevölkerung das Durchgreifen der Regierung von Ministerpräsident Maliki gegen die Milizen unterstütze. Das gelte auch für praktisch alle Parteien im irakischen Parlament. Seit Jahresbeginn habe es mit der Verabschiedung mehrerer lange strittiger Gesetze beachtliche Fortschritte gegeben, aber es bleibe noch viel zu tun: „Die Sunniten müssen sich stärker als bisher als Teil des Staats fühlen können. Die Bevölkerung erwartet, dass die Regierung eine bessere Versorgung mit Strom und Wasser sicherstellt und mehr Arbeitsplätze schafft.“



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP

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