Von Karl-Peter Schwarz , Rijeka
19. März 2008 Die Regierungen Bulgariens, Kroatiens und Ungarns haben am Mittwoch in einer gemeinsamen Erklärung angekündigt, das Kosovo als Staat anzuerkennen. In der Erklärung heißt es, die Unabhängigkeit des Kosovos sei nach dem Scheitern der Bemühungen um eine Lösung der Statusfrage unausweichlich geworden. Zugleich heben die Regierungen ihr Interesse an einer baldigen Unterzeichnung des Stabilitäts- und Assoziierungsabkommens zwischen Serbien und der EU hervor, damit Serbien beizeiten ein Beitrittskandidat und später ein Vollmitglied der EU“ werden könne.
Bulgarien, Kroatien und Ungarn sind die ersten der sieben Nachbarstaaten Serbiens, die sich zu diesem Entschluss durchringen konnten. Ihr gemeinsames Vorgehen erklärt sich aus dem Wunsch, die negativen Auswirkungen der Anerkennung des Kosovos auf ihre Beziehungen mit Belgrad möglichst gering zu halten. Rumänien, ebenfalls ein Nachbarstaat Serbiens, weigert sich, die Unabhängigkeit des neuen Staates anzuerkennen, und wird dafür von Belgrad entsprechend gelobt. Noch am Montag hatte der serbische Präsident Tadic Kroatien vor einer Verschlechterung der Beziehungen gewarnt, sollte es in der Kosovo-Frage gegen die serbischen Interessen verstoßen.
Negative Auswirkungen hält Zagreb für geringfügig
Während Slowenien unter den ersten Staaten war, die den neuen Staat anerkannten, ließ man sich in Zagreb Zeit. Um gar nicht den Gedanken aufkommen zu lassen, seine Regierung wolle in dieser Angelegenheit vorpreschen, hatte sich der kroatische Ministerpräsident Sanader zunächst auf die Ankündigung beschränkt, Kroatien werde sich zum geeigneten Zeitpunkt der Mehrheit der EU-Staaten anschließen. In einer Umfrage, die in dieser Woche veröffentlicht wurde, sprachen sich 79 Prozent der befragten Kroaten für die Anerkennung des Kosovos aus.
Negative Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Beziehungen schließt man in Zagreb zwar nicht völlig aus, hält sie aber für geringfügig, da die kroatischen Investitionen auch im serbischen Interesse seien. Kroatische Unternehmen sind in Serbien weit erfolgreicher als in anderen Ländern der Region, sie beschäftigen dort rund 10.000 Arbeitnehmer. Das wirtschaftliche Engagement der Serben in Kroatien hingegen ist unbedeutend. Die Unabhängige Serbische Demokratische Partei (SDSS), die Sanaders Koalition angehört, spricht sich gegen die Anerkennung aus, weil sie die nach dem Krieg mühsam wiederaufgebauten Beziehungen zu Belgrad aufs Spiel setze.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS
