Frankreich

Die zwölf Jahre des Präsidenten Chirac

Jacques Chirac tritt ab

Jacques Chirac tritt ab

12. März 2007 Vor genau vierzig Jahren wurde Jacques Chirac Abgeordneter der Nationalversammlung. 28 Jahre brauchte er von da an, um Staatspräsident zu werden. In dieser Zeit diente er seinen vier Amtsvorgängern von de Gaulle bis Mitterrand als Staatssekretär, Minister oder Premierminister - und regierte nebenbei 18 Jahre lang im Hôtel de Ville die Stadt Paris.

Am Sonntagabend nun verkündete Chirac, woran längst niemand mehr zweifelte: Der 74 Jahre alte Präsident begibt sich auf die Suche nach dem Leben jenseits der Politik. Nachdem er sich in seiner ersten, siebenjährigen Amtszeit weitgehend mit einer sozialistischen Regierung arrangieren musste, war die Wiederwahl 2002 im Duell mit Jean-Marie Le Pen wie ein Befreiungsschlag.

Zum Helden der Jugend aufgeschwungen

In der Konfrontation mit Amerika schwang sich Chirac in seinem „quinquennat“ noch einmal zum Helden der Jugend auf. Doch dann entglitt ihm die Gestaltungsmacht: Das verlorene EU-Referendum, die Unruhen in der Banlieue und der massive Protest gegen eine moderate Arbeitsmarktreform stehen dafür.

Lange hieß es, lieber werde Chirac der Sozialistin Royal die Palastschlüssel übergeben als seinem Innenminister Sarkozy. Den nennt Präsidentengattin Bernadette Chirac einen Brutus, seit er im Wahlkampf 1995 nicht seinen Förderer Chirac, sondern dessen Widersacher Balladur unterstützte. Nun scheint man im Elysée-Palast den Aufstieg des Zentristen François Bayrou mit gewisser Genugtuung zu beobachten.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, dpa

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Chirac als Staatsmann

Der mit dem Veto drohte

“Wir sind alle Amerikaner“: Chirac 2001 im Hubschrauber über New York

Den Plan, Regimen von außen die Demokratie aufzuzwingen, hielt Chirac für gefährlich. Seinen Willen, den Irak-Krieg zu verhindern, haben viele unterschätzt. In der Europapolitik aber blieb er kleinmütig.

Chirac als oberster Soldat

Ohne Rekruten in neue Einsätze

Chirac bei einer Zeremonie der Armee (im November 2006)

Der Übergang zur Berufsarmee ging lautlos vonstatten. Immer mehr Geld gibt Frankreich für das Militär aus - nicht zuletzt für das Atomwaffenarsenal. 36.000 Soldaten sind im Ausland im Einsatz, viele von ihnen im afrikanischen Hinterhof.

Chirac als Politiker

Vom Kostgänger zum Helden

Bernadette und Jacques Chirac im Wahlkampf 1988

Viele hätten Chirac seinen Wahlsieg von 1995 nicht zugetraut. Vorwürfe, Affären und der Verlust der Parlamentsmehrheit prägten die ersten Jahre. 2002 aber verwandelte Chirac sich im Duell gegen Le Pen in den Retter der Republik.

Chirac als Cohabitant

Lange Reihe verpasster Chancen

Chirac mit Villepin (im Januar 2007)

Nicht der Präsident, sein sozialistischer Premierminister Jospin hat der Republik die 35-Stunden-Woche beschert. Chirac wagte es aber nicht, das Rad später zurückzudrehen.

Chiracs Verzicht

Ende einer Ära

Nach zwölf Jahren im Amt hat Frankreichs Präsident seinen Verzicht auf eine abermalige Kandidatur erklärt. Der 74 Jahre alte Chirac warnte in einer Fernsehansprache vor Extremismus und Fremdenfeindlichkeit. Eine Wahlempfehlung für seinen parteiinternen Rivalen Sarkozy vermied er.

Frankreich

Chirac tritt nach zwölf Jahren an Staatsspitze ab

Chirac bei seiner Ansprache im französischen Fernsehen

Der französische Staatspräsident Jacques Chirac verzichtet auf eine Kandidatur für eine dritte Amtszeit. Das teilte der 74-Jährige am Sonntag im französischen Fernsehen mit.