02. November 2006 Mit dem Versprechen, die Illegalität zu brechen, hat der italienische Ministerpräsident Prodi am Donnerstag einen vorgezogenen Besuch in Neapel angesichts einer zunehmenden Zahl von Gewaltverbrechen begonnen. Nach sieben Morden in den vergangenen fünf Tagen demonstrierte Prodi durch ein Treffen mit der Bürgermeisterin und dem Gouverneuer der Region Kampanien den Willen der Regierung, für Recht und Sicherheit zu sorgen.
75 Delikte mit Todesfolge wurden in diesem Jahr bisher in Neapel verzeichnet. Prodi sprach von einem äußerst schwerwiegenden Problem, das seit geraumer Zeit den ganzen Süden Italiens, nicht nur Neapel, plagt. Der Ministerpräsident traf zuvor den Erzbischof von Neapel, Kardinal Sepe. Viele Pfarrer sind stark im Kampf gegen die organisierte Kriminalität, die Camorra, engagiert.
Neapel benötige nicht Soldaten, sondern Lehrer
Prodi beschwor die gemeinsame Anstrengung, um den Teufelskreis von Armut und Gewalt zu zerbrechen, und stellte dafür ein Sicherheitskonzept und einen Erziehungsplan in Aussicht. Es genüge nicht, mehr Sicherheitskräfte für die Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung einzusetzen; notwendig sei auch, zur Legalität zu erziehen, auch schon in der Schule. Die Lage in ganz Süditalien bilde ein großes Hindernis für Investitionen aus dem Norden, sagte er. Der ehemalige Reformminister in der Regierung Berlusconi, Calderoli, hatte am Mittwoch gesagt, der Mezzogiorno sei ein Sumpf, den man trockenlegen, Neapel eine Kloake, aus der man die Ratten entfernen müsse. Prodi sagte, die Probleme Neapels könnten nicht militärisch gelöst werden; Neapel benötige nicht Soldaten, sondern Lehrer.
Staatspräsident Napolitano, der aus Neapel stammt, hatte zuvor gesagt, die Stadt durchlebe einige der schlimmsten Tage ihrer Geschichte. Napolitano wird am Wochenende in Neapel erwartet. Innenminister Amato zog seinen Besuch in Neapel um einen Tag vor, um einen neuen Sicherheitsplan vorzulegen. Allerdings äußerten sich die Politiker sowohl der linken Regierungskoalition als auch der Opposition skeptisch, ob man rivalisierende Verbrecher daran hindern könne, sich gegenseitig umzubringen. Erst am Donnerstag morgen war ein vorbestrafter 34 Jahre alter Mann im Zentrum von Neapel durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt worden.
Text: hjf., F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS