Vor der somalischen Küste sind am Mittwoch erneut zwei Handelsschiffe gekapert und entführt worden, darunter ein Schiff der Lübecker Reederei Hans Lehmann KG. Das bestätigte eine Sprecherin der Reederei gegenüber dpa. An Bord der in Gibraltar registrierten Lehmann Timber befinden sich 15 Besatzungsmitglieder aus Russland, der Ukraine, Estland und Birma.
Bei dem zweiten gekaperten Schiff handelt es sich nach Angaben der in Kenia beheimateten Hilfsorganisation für Seeleute um ein türkisches Schiff namens Arean, das in Malta registriert ist. Angaben über die Besatzungsstärke der Arean liegen nicht vor. Beide Schiffe waren im Golf von Aden an der Nordküste Somalias angegriffen und geentert worden.
In der Gegend war erst am vergangenen Sonntag der niederländische Frachter Amiya Scan mit neun Seemännern aus Russland und den Philippinen an Bord gekapert worden. Die mit einem demontierten Ölförderturm beladene Amiya Scan gehört der niederländischen Reederei Reidershipping, die wiederum zur Buss-Gruppe aus dem niedersächsischen Leer gehört. Nach Angaben aus Kenia soll die Angriffe auf das deutsche und das türkische Schiff von derselben Gruppe Piraten verübt worden sein, die sich anschließend in zwei Gruppen aufgeteilt habe und mit den gekaperten Schiffe auf die somalischen Hoheitsgewässer zuhalte.
Die Gewässer rund um Somalia zählen zu den gefährlichsten der Welt. Alleine im vergangenen Jahr waren dort 31 Schiffe angegriffen worden. Seit Januar 2008 haben Piraten vor der Küste mindestens sieben Schiffe gekapert. Der spektakulärste Fall war die Entführung des französischen Kreuzfahrtschiffes Le Ponant und seiner 30 Besatzungsmitglieder aus Frankreich, der Ukraine, Kamerun und den Philippinen Anfang April. Schiff und Besatzung war nach rund zehn Tagen gegen eine Lösegeldzahlung von zwei Millionen Euro freigelassen worden. Spezialkräften der französischen Marine war es gleichwohl gelungen, einige Piraten festzunehmen und einen Teil des Lösegeldes sicherzustellen.
Die Militäraktion der Franzosen hatte aber nicht den erhofften abschreckenden Charakter gezeitigt. Eine Woche nach der Freilassung der Le Ponant war der spanische Fischtrawler Playa de Bakio entführt worden. Sechs Tage später waren Schiff und Besatzung gegen die Zahlung von angeblich 1,2 Millionen Dollar wieder freigelassen worden.
Text: tos., F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.