Kabul

Mindestens 40 Tote bei Selbstmordanschlag

Nach der Explosion vor der indischen Botschaft in Kabul

Nach der Explosion vor der indischen Botschaft in Kabul

07. Juli 2008 Bei einem Selbstmordanschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Montag nahe der indischen Botschaft und des Innenministeriums mehr als 40 Personen getötet worden. Aus dem Innenministerium in Kabul hieß es, mindestens 44 Personen seien getötet worden, die meisten von ihnen Zivilisten. Ein Sprecher des afghanischen Gesundheitsministeriums teile mit, es seien mehr als 140 Personen verletzt worden; rund die Hälfte der Verletzten sei in Krankenhäuser gebracht worden. Seine Angaben beruhten auf Informationen mehrerer Krankenhäuser, fügte der Sprecher hinzu.

Nach Angaben des Innenministeriums in Kabul hatte sich ein Attentäter mit einem mit Sprengstoff beladenen Auto vor dem Eingangstor der indischen Vertretung in die Luft gesprengt. Bei der gewaltigen Explosion seien Fensterscheiben nahe gelegener Gebäude zerborsten und geparkte Fahrzeuge beschädigt worden.

Genaue Zahl unbekannt

Nach Informationen des indischen Außenministeriums waren auch Botschaftsangehörige unter den Opfern, vor allen Sicherheitskräfte. Die genaue Zahl sei aber noch nicht bekannt. Die Polizei äußerte sich zu den Opferzahlen zunächst nicht. Die Bundesregierung verurteilte den Anschlag aufs schärfste. In einer Erklärung Außenminister Steinmeiers (SPD) hieß es: „Wir teilen die Trauer und Bestürzung des afghanischen Volkes und versichern auch der indischen Regierung unser Mitgefühl.“ Es sei das Ziel der Terroristen, geordnete und demokratische Verhältnisse in Afghanistan zu verhindern, sagte Steinmeier weiter. „Wir zählen deshalb auf die schnelle Arbeit der afghanischen Behörden: Die Hintermänner des Attentats müssen umgehend gefunden und zur Rechenschaft gezogen werden.“

Vor der Botschaft stehen jeden Morgen Dutzende Männer an, um ein Visum für Indien zu beantragen. Die Hauptstadt war in den vergangenen Monaten von Anschlägen der Taliban verschont geblieben. Im September 2006 waren zwölf Menschen einem Selbstmordanschlag zum Opfer gefallen, ebenfalls in der Nähe des Innenministeriums. Nach Angaben von Augenzeugen riegelten Sicherheitskräfte die Gegend ab; mehrere Verletzte wurden mit Rettungswagen in Krankenhäuser gebracht. Die Taliban hatten angekündigt, in diesem Jahr mehr Selbstmordanschläge zu verüben. Die indische Regierung pflegt gute Beziehungen zur Regierung in Kabul und finanziert zahlreiche Infrastrukturprojekte in Afghanistan.

Afghanistan gefährlicher als Irak

Erst am Sonntag waren bei einem Anschlag im Kommandobereich der Bundeswehr im Norden Afghanistans zwei deutsche Polizisten verletzt worden. Die Beamten hatten nach Angaben des Bundesinnenministeriums bei der Explosion in der Provinz Kundus leichte Verletzungen erlitten.

In Afghanistan wurden im Juni mehr ausländische Soldaten getötet als im Irak. Nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP kamen im vergangenen Monat mindestens 45 Soldaten in Afghanistan um, unter ihnen 27 Amerikaner und 13 Briten. Das sei der höchste Verlust der internationalen Kräfte seit dem Sturz der Taliban vor sieben Jahren gewesen.

Im Irak wurden im Juni 31 getötete Soldaten gezählt (29 Amerikaner, ein Georgier und ein Aserbaidschaner). Diese Statistik spiegelt einen oft von Befehlshabern beschriebenen Trend in den beiden Einsatzgebieten wider: Während der Irak, in dem jahrelang bürgerkriegsähnliche Zustände herrschten, wesentlich friedlicher geworden ist, nehmen Anschläge und andere Gewalttaten in Afghanistan seit längerem zu.

Text: FAZ.NET mit AP
Bildmaterial: REUTERS

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